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Birgit Prinz wurde 2003, 2004, 2005 zur Weltfußballerin gewählt © imago

Nach der historischen Halbfinal-Pleite wollen sich die DFB-Frauen gegen Japan mit Bronze trösten. Torfrau Angerer ist angeschlagen.

Peking - Birgit Prinz hat ihr Olympia-Ziel erreicht - und es doch verfehlt.

"Endlich im Dorf", sagt die Spielführerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft: "Hier wollten wir hin, das Flair der Spiele genießen."

Prinz und Kolleginnen sind jedoch als Verliererinnen in die Heimat der Olympia-Athleten eingezogen, der Gold-Traum ist geplatzt.

Nun wollen sich Prinz und Co. im Spiel um Platz drei gegen Japan (Do., ab 11.30 Uhr LIVE) mit der dritten Bronzemedaille über den verpassten Höhepunkt hinwegtrösten.

Zum dritten Mal Bronze?

"Wir waren ziemlich frustriert, und ich bin es immer noch", sagt die 30-Jährige über das 1:4 im Halbfinale gegen Brasilien.

"Doch wenn es am Ende doch zu einer Medaille reicht, überwiegt auf jeden Fall die Freude. Wir wissen aus Erfahrung, dass auch Bronze Spaß macht."

Am Donnerstag tritt Prinz im Arbeiterstadion von Peking gegen Japan zum dritten Mal zum Spiel um Olympia-Platz drei an. 2000 und 2004 schaffte sie den versöhnlichen Turnierabschluss.

Ein Tag Trauer muss reichen

Nach dem Aus im Halbfinale weinte Prinz bittere Tränen, noch Stunden danach war sie kaum ansprechbar. Die 30-Jährige wusste: "Das war deine letzte Gelegenheit."

Mit einigem Abstand kann sie jetzt aber die Stimmung im Olympischen Dorf genießen, wo die Mannschaft nach einer China-Odysse in den Spielstätten Shenyang, Tianjin und Shanghai am Dienstag eingetroffen ist.

"Wenn ich die vielen Athleten im Dorf sehe und mir überlege, dass viele von denen ohne Medaille nach Hause fahren, ist so eine Bronzemedaille schon schön", sagt Prinz.

Ihre Teamkollegin Kerstin Stegemann, die wie Prinz zum vierten und letzten Mal bei Olympia ist, ergänzt: "Wir haben einen Tag getrauert, das muss reichen."

Angerer fraglich

Nun gelte die Konzentration der kommenden, schweren Aufgabe. Vor einem Jahr reichte es in der WM-Vorrunde auf dem Weg zum Titel gegen die Japanerinnen mit Mühe zu einem 2:0.

"Aber Japan hat einen besseren Abschluss als damals, spielt diszipliniert, ballsicher und kombinationsstark", gibt Trainerin Silvia Neid zu bedenken.

Zudem droht der DFB-Elf ein folgenschwerer Ausfall: Torfrau Nadine Angerer laboriert an einer Zerrung im Bauchbereich und konnte am Mittwoch nicht am Abschlusstraining teilnehmen.

"Ich bin aber sehr optimistisch", sagte Neid über Angerers Einsatzchancen. Falls die Nummer eins trotzdem ausfallen sollte, spielt Ursula Holl vom SC 07 Bad Neuenahr.

Neid unzufrieden

Neben der Sorge um Angerer treiben Neid vor allem die Leistungsschwankungen ihrer Elf um.

Nur im Viertelfinale gegen Schweden überzeugten Prinz und Co. restlos.

So wollte Neid vor dem "kleinen Finale" auch noch nicht von einem gelungenen Turnier sprechen. "Da warte ich noch ab."

Prinz versteckt Medaillen

Für Prinz hat sich die Reise ins ungeliebte, weil "zu laute" China spätestens mit dem Einzug ins Olympische Dorf gelohnt.

"Die Kontakte, die man dort knüpft, die machen Olympia aus", sagt sie.

Die Bronzemedaille soll das "einmalige Flair" nun abrunden, obwohl Prinz meint: "Ich bin niemand, der sich an Medaillen oder Titeln hochzieht."

Wo sie ihre (bisher) zwei bronzenen aufbewahrt, will Prinz nicht verraten. "Die sind an einem sicheren Ort. Und wenn ich irgendwann mal aufhöre, dann stelle ich die aus."

Am liebsten im Dreierpack.

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