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Mitfavorit Timo Boll scheitert an einem Südkoreaner © getty

Aus und vorbei! Auch die deutsche Medaillen-Hoffnung ist wie die Teamkollegen Ovtcharov und Süß im Achtelfinale gescheitert.

Peking - Timo Boll haderte, schüttelte fassungslos den Kopf und schmiss am Ende wütend seinen Schläger in die Tasche:

Noch vor dem nächsten Duell gegen die scheinbar übermächtigen Chinesen ist der Traum des Dreifach-Europameisters von der olympischen Einzelmedaille geplatzt.

Drei Tage nach dem Team-Silber wurde Boll im Achtelfinale vom Südkoreaner Oh Sang Eun fast schon demontiert. Auch Dimitrij Ovtcharov und Christian Süß kassierten klare Niederlagen.

"Natürlich sitzt die Enttäuschung tief"

"Ich kam taktisch einfach nicht aus meinem Schema heraus und habe zu viele einfache Fehler in entscheidenden Phasen gemacht. Natürlich sitzt sie Enttäuschung tief. Vielleicht hat die Silbermedaille uns ein wenig die Luft aus den Segeln genommen, vielleicht waren wir schon zu zufrieden", sagte ein tief enttäuschter Boll.

"Timo, Timo"-Rufe der zahlreichen deutschen Fans hallten durch die ausverkaufte Universitätssporthalle, doch auch die Unterstützung von den steilen Tribünen half Boll bei der 1:4-Niederlage nichts.

Der Weltranglistensechste agierte viel zu passiv und kam bei den Topspins des Team-Vizeweltmeisters von 2006 häufig einen Schritt zu spät. Boll wirkte am Ende fast mutlos.

Bundestrainer erkennt Überlegenheit an

"Das sieht natürlich immer ein wenig ratlos aus, wenn man kein Mittel findet. Aber ich habe bis zum letzten Ball gekämpft", meinte der 27-Jährige.

Bundestrainer Richard Prause erkannte die Überlegenheit des Gegners an und analysierte die Schwächen seines Topstars: "Timo hat die Fehler während des Spiels im Aufschlag- und Rückschlagbereich nicht abgestellt. Oh hatte überhaupt keine Schwierigkeiten."

Die angepeilte Einzelmedaille hat Boll damit im bereits dritten Anlauf erneut deutlich verpasst. Vor vier Jahren war in Athen im Viertelfinale gegen den Schweden Jan-Ove Waldner Endstation, bei seinen ersten Spielen in Sydney war er 2000 ebenfalls im Achtelfinale gescheitert.

Souveräner Auftaktsieg

Zuvor war der frühere Weltranglistenerste nach zwei Tagen Ruhepause noch souverän gestartet.

Der weitgehend unbekannte Nordkoreaner Kim Hyok Bong wurde mit 4:1 aus dem Turnier geschmettert. Besonders der erste Satz, den er nach 8:10 noch gewann, war für den früheren Weltranglistenersten enorm wichtig, um zu seinem Spiel zu finden.

Ovtcharov im Achtelfinale chancenlos

Zu diesem fand Ovtcharov in seinem Achtelfinale in kaum einer Phase.

In nur 23 Minuten wurde der EM-Dritte vom Hongkong-Chinesen Ko Lai Chak vom Tisch gefegt. Lediglich im vierten Satz, den Ovtcharov 11:1 gewann, zeigte der Doppel-Olympiazweite von Athen ein paar Schwächen.

"Nach so einem langen Turnier war die Konzentration komplett weg. Ich hatte nicht den Tunnelblick, den ich sonst habe", meinte Ovtcharov.

Süß gegen Samsonow auf verlorenem Posten

Dagegen war für Süß bereits in der dritten Runde der dreimalige EM-Champion Wladimir Samsonow erwartungsgemäß die Endstation. Der Doppel-Europameister hatte nur im ersten Satz eine Chance, den er jedoch nach hartem Kampf 13:15 verlor.

"Christian hätte mehr als ein 0:4 verdient gehabt", sagte Bundestrainer Richard Prause und versicherte dem Düsseldorfer, dass er auch 2012 in London fest mit dem Doppel-Spezialisten plant.

Frauen-Halbfinale in chinesischer Hand

Bei den Frauen sind die Halbfinals wie erwartet fest in asiatischer Hand. Neben Athen-Olympiasiegerin Zhang Yining stehen in Wang Nan und Guo Yue zwei weitere Chinesinnen in der Vorschlussrunde.

Li Jia Wei aus Singapur komplettiert das Quartett. Jiaduo Wu aus Kroppach war als letzte Deutsche in der vierten Runde ausgeschieden.

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