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David Bichinaschwili unterlag Ex-Weltmeister Rewazi Mindoraschwili © getty

Stefan Kehrer und David Bichinaschwili kassieren Niederlagen im 1. Kampf. Nur Bichinaschwili bleibt im Rennen.

Peking - Als der deutsche Freistilringer Davyd Bichinashvili das greifbar nahe Sensationsbronze leichtfertig verschenkt hatte, schlug er auf der Matte entsetzt die Hände vors Gesicht.

"Das war der größte Fehler meines Lebens", meinte der starke Mann mit feuchten Augen.

Trotz der finalen Enttäuschung verließ das deutsche Sextett Peking mit der besten Olympia-Bilanz seit zwölf Jahren, weil mit dem silbernen Mirko Englich erstmals seit Atlanta ein Kämpfer auf dem Podest stand.

"Die Olympia-Medaille ist für unsere Randsportart auch in Sachen Förderung extrem wichtig", bilanzierte Freistil-Bundestrainer Jörg Helmdach.

"Aber es hätten auch zwei sein können. Das ist wirklich ein extrem bitterer fünfter Platz."

Favorit kontert

Im Bronzekampf der 84-kg-Klasse gegen den haushoch favorisierten Welt- und Europameister Georgi Ketojew hatte der Schifferstädter in der entscheidenden dritten Runde bis 40 Sekunden vor Schluss klar mit 2:0 geführt.

Dann jedoch machte der russische Favorit mit einem verzweifelten Konter die nötigen zwei Punkte zum Triumph. Statt der ersten deutsche Freistilmedaille seit Bronze von Arawat Sabejew 1996 blieb nur Blech.

"Nicht richtig aufgepasst"

"Ich habe die Uhr gesehen und habe gedacht: Die zwei Punkte macht der nie mehr. Dann habe ich nicht richtig aufgepasst, das werde ich mir lebenslang vorwerfen", meinte der 33-Jährige.

Chefcoach Helmdach haute wütend auf die Matte, dann nahm er den in Peking besten deutschen Freistilringer in den Arm: "Er hat einen super Kampf gemacht, vielleicht seinen besten überhaupt. Der Weltmeister hat gewackelt, aber knapp vorbei ist auch daneben."

Pleite gegen den Olympiasieger

Dass für den Sportlehrer sogar noch mehr als Bronze drin gewesen wäre, verdeutlichte die knappe Niederlage im ersten Kampf gegen den späteren Olympiasieger Rewazi Mindoraschwili (Georgien).

Auch dort hatte der Georgien aufgewachsene Mann in der entscheidenden Runde 1:0 geführt.

Kehrer scheitert früh

Ob der einst auch für die Ukraine aktive und später in Deutschland eingebürgerte Bichinashvili seine Karriere auch nach seinem dritten Olympiastart (zuvor 13. in Sydney und 11. in Athen) ohne Medaille fortsetzen wird, weiß er noch nicht:

"Ich war bei der EM Dritter, aber so eine Olympiamedaille wäre die Krönung gewesen."

Stefan Kehrer (Ketsch/bis 96 kg) hatte am Finaltag der Ringerwettbewerbe mit einer Erstrunden-Niederlage gegen Hakan Koc (Türkei) alle Chancen vergeben und verließ wortlos das China Agricultural Gymnasium.

Chefcoach Helmdach bleibt trotz der Rückschläge optimistisch: "Unser Plan ist auf 2012 ausgerichtet. Wir sind mitten im Neuaufbau und haben einige junge Hoffnungsträger für London. Das Potenzial ist da."

Neue Vorzeigefigur

Der Coach hatte den Posten vor zweieinhalb Jahren übernommen, als mit Sabejew und dem nach seinem Sydney-Olympiasieg des Dopings überführten Alexander Leipold die Erfolgsgaranten zurückgetreten waren.

Jetzt hat das deutsche Ringen im Silbergewinner Englich eine neue Vorzeigefigur - Bichinashvili hat die Chance auf ein kleines Stück vom Ruhm mit einer unaufmerksamen Sekunde verspielt.

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