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Sabine Spitz ist Topfavoritin im Mountainbike-Rennen © imago

Die deutsche Top-Mountainbikerin hat ein einziges Ziel. Sabine Spitz äußert aber auch scharfe Kritik an China und Teamkollegen.

Peking - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben:

Auf die erhoffte Goldfahrt muss Sabine Spitz noch ein wenig warten. Heftiger Regen hat am Donnerstag den Radsport-Terminplan der Olympischen Spiele kräftig durcheinander gewirbelt. Statt am Freitag geht es für die Europameisterin erst einen Tag später auf die Strecke, doch am Ziel hat sich nichts geändert.

"Ich will Gold. Es sollte eigentlich alles passen. Das Klima, die technisch anspruchsvolle Strecke. Das sind absolut meine Bedingungen", sagte die Mountainbike-Europameisterin und bekräftigte ihre Ambitionen auf den Olympiasieg.

Nach Bronze in Athen vor vier Jahren soll diesmal der Sprung nach ganz oben gelingen.

Die chinesischen Gastgeber wollen dies aber offenbar mit allen Mitteln verhindern, was Coach Frank Brückner auf die Palme bringt.

"Strecke auf Chinesinnen ausgerichtet"

"Die Strecke ist genau auf die chinesischen Fahrer ausgerichtet worden, die sind garantiert 700-mal den Kurs abgefahren. Für uns wurde die Strecke dagegen erst sehr spät geöffnet. Und als wir den Kurs begutachten konnten, haben wir ganz schön dumm aus der Wäsche geschaut. Im Vergleich zum olympischen Testrennen vor einem Jahr wurden einige Passagen stark verändert. Das ist schon alles sehr ungewöhnlich", monierte der Bundestrainer.

So hat Brückner die beiden Lokalmatadorinnen Ying Liu und Jingjing Wang, die das erste Radsport-Gold für China in der Olympia-Geschichte holen sollen, ganz oben auf der Titelrechnung.

Spitz will sich davon aber nicht beeindrucken lassen. "Ich bin bestens vorbereitet und habe ein sehr gutes Gefühl, so wie in Val di Sole", sagt Spitz.

Vize-Weltmeisterin im Juni

In Italien war sie im Juni dieses Jahres Vize-Weltmeisterin hinter der Spanierin Margarita Fullana geworden.

Doch nicht nur bei der WM dokumentierte sie ihr derzeitiges Leistungspotenzial. Bei der Europameisterschaft in St. Wendel verteidigte die gelernte Chemielaborantin erfolgreich ihren Titel, bei der Langstrecken-WM in den Dolomiten folgte ein weiterer zweiter Platz, und im Juli fuhr sie noch eben ihren siebten deutschen Meistertitel ein.

Die starken Leistungen dokumentieren sich auch in der Weltrangliste, die das Kraftbündel aus dem Südschwarzwald anführt.

"Druck prallt bei mir ab"

Einen besonderen Druck angesichts der schwachen Leistungen deutscher Radsportler in Peking verspürt die 36-Jährige nicht.

"Druck prallt an mir ab. Ich fokussiere mich ganz auf den Wettkampf. Sollte einer besser sein, muss ich das halt akzeptieren", sagt Spitz.

Kritik an Zuständen in China

Die Ausnahmefahrerin hat klare Ziele und eine klare Meinung. Spitz hält mit ihrer Kritik an der Menschenrechtspolitik der Chinesen ("Die Spiele hätten nie an China vergeben werden dürfen") nicht hinterm Berg.

Auch ihr Unverständnis über die Haltung der Brüder Lado und Manuel Fumic im Anti-Doping-Kampf ist bekannt.

"Beide sind beratungsresistent. Wir gehen uns aus dem Weg und haben uns nichts zu sagen", kritisierte Spitz die Kollegen, die der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) die geforderten Aufenthalts-Informationen ("Whereabouts") vorenthalten hatten, um somit gegen die Unverhältnismäßigkeit der Doping-Kontrollen zu protestieren.

Noch kein Karriere-Ende

Seit über einem Jahrzehnt fährt Spitz, die ihr eigenes Team aufgebaut hat, bereits in der Weltspitze mit.

An ein Karriere-Ende denkt sie noch nicht. "Ich habe mir kein zeitliches Limit gesetzt. Das oberste Kriterium ist für mich die Motivation. Wie viel Lust bringe ich noch mit? Ist die vorhanden, werde ich auch in London noch fahren. Außerdem hat Jeanie Longo gerade erst vorgemacht, dass man auch im hohen Alter noch fahren kann."

Auf die Goldmedaille möchte Spitz aber trotzdem nicht bis 2012 warten.

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