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Für Meredith Michaels-Beerbaum wäre es die erste olympische Medaille gewesen © getty

Eine positive A-Probe schockt die deutschen Springreiter - Meredith Michaels-Beerbaum verpasst die Medaillenränge hauchdünn.

Hongkong - Erst der Doping-Schock, dann das historische Debakel - für die deutschen Springreiter kam es am Olympia-Finaltag in Hongkong knüppeldick.

Das Team von Bundestrainer Kurt Gravemeier blieb nach Platz fünf im Teamwettbewerb auch im Einzelspringen ohne Medaille und kehrte erstmals seit 1928 ohne Edelmetall von Olympischen Spielen zurück.

Meredith Michaels-Beerbaum belegte mit ihrem 15 Jahre alten Wallach Shutterfly den vierten Platz, dabei trennten sie lediglich zwölf Hundertstelsekunden von Bronze. Ludger Beerbaum kam mit dem neun Jahre alten Wallach All Inclusive auf Rang sieben.

Positive A-Probe bei Cöster

Das erste Einzelgold im Springreiten für Kanada sicherte sich Eric Lamaze auf Hickstead im Stechen, Silber ging an den Schweden Rolf-Göran Bengtsson auf Ninja. Bronze holte Beezie Madden (USA) auf Authentic ebenfalls im Stechen.

Christian Ahlmann war Stunden zuvor wegen einer positiven A-Probe bei seinem Pferd Cöster von den Spielen ausgeschlossen worden. Marko Kutscher hatte mit dem neun Jahre alten Hengst Cornet Obolensky das Finale verpasst.

Bei Ahlmanns 15 Jahre altem Wallach Cöster waren Rückstände der verbotenen Substanz Capsaicin (Salbe zur besseren Durchblutung) nach dem ersten Umlauf im Nationenpreis am Sonntag gefunden worden. Aus dem gleichen Grund wurden drei weitere Reiter suspendiert.

Ahlmann-Schock sitzt tief

Nach den Ereignissen um Ahlmann konnten sich die deutschen Reiter nur schwer auf den Sport konzentrieren. "Das war ein Schock und hat mich ziemlich belastet", sagte Michaels-Beerbaum.

"Ich kann da so kurz im Anschluss nicht so viel zu sagen. Doch ich finde es schon komisch, dass alle Pferde der vier Reiter die gleiche verbotene Substanz aufweisen", sagte Beerbaum.

"So etwas ist der Super-Gau für unseren Sport. Da muss man sich sicherlich auch Gedanken darüber machen, ob unser Sport weiter eine Chance hat, zur olympischen Famile zu gehören", sagte Peter Hofmann, Vorsitzender des Springausschusses bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Bei den drei weiteren Reitern handelt es sich um den bis dahin führenden Norweger Tony Andre Hansen (Norwegen) mit Camiro, den Iren Denis Lynch mit Lantinus und den Brasilianer Bernardo Alves mit Chupa Chup.

Historische Chance verpasst

Im Parcous verpasste Ludger Beerbaum zum wiederholten Mal die Chance, mit dem Gewinn der fünften Goldmedaille in der Rangliste der erfolgreichsten Olympioniken Deutschlands auf den sechsten Platz vorzurücken und zu Reiter-Legende Hans Günter Winkler aufzuschließen.

Jetzt muss der 44-Jährige bei Olympia 2012 in London einen neuen Anlauf nehmen, um "HGW" noch vom Thron des weltweit erfolgreichsten Springreiters zu stoßen.

Reiter insgesamt zufrieden

Für den deutschen Reitsport konnte sich trotz des Debakels bei den Springreitern und der Doping-Affäre um Ahlmann die sportliche Bilanz am Ende dennoch sehen lassen.

In Hongkong konnten zuvor "Buschreiter" Hinrich Romeike sowie die Vielseitigkeits- und die Dressur-Equipe Gold gewinnen.

Die Dressurreiterinnen Isabell Werth und Heike Kemmer steuerten noch eine silberne und eine bronzene Medaille bei.

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