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Die deutschen Hockey-Herren schlagen die Niederlande im Siebenmeterschießen mit 4:3 © imago

Die deutschen Hockey-Herren stehen da, wo sie hin wollten - im Finale. Doch die Bilanz gegen Gegner Spanien ist nicht die beste.

Peking - Auf dem Weg vom Olympischen Dorf ins Hockey-Olympiastadion dröhnt der Ghetto-Blaster im Mannschaftsbus der deutschen Hockey-Herren.

Die "Play-off-Bärte" sprießen weiter, und vor dem Einschlafen in der Nacht vor dem Spiel gab es eine Folge "Prison Break".

Auch vor dem größten Match ihrer Karriere haben sie nichts am Ritual geändert. Aberglaube.

Am Samstag (14.30 LIVE ) geht es gegen Spanien schließlich um den Olympiasieg, der Weltmeistertitel von 2006 soll vergoldet werden.

"Wir werden ein Feuerwerk abbrennen"

"Wir sind von Anfang an mit dem Ziel hergekommen, Gold zu gewinnen", sagt Mannschaftskapitän Timo Weß, "die Chance werden wir uns nicht entgehen lassen."

Mittelfeldspieler Moritz Fürste verspricht: "Wir werden ein Feuerwerk abbrennen. Jetzt kommt das geilste Spiel überhaupt."

Chance auf das dritte Hockey-Gold

Nach dem dramatischen Halbfinalsieg im Siebenmeterschießen gegen die Niederlande am Donnerstag konnte es deshalb auch keine langen Feiern geben. Stürmer Philip Witte gab die Richtung vor: "Wir haben noch ein dickes Spiel vor uns."

Zum sechsten Mal steht eine deutsche Herrenmannschaft im olympischen Endspiel. Zuletzt war das 1992 bei den Spielen in Barcelona der Fall, wo die zweite Goldmedaille nach 1972 gewonnen wurde.

Der Deutsche Hockey-Bund (DHB) hat seine Stellung als erfolgreichster deutscher Ballsportverband behauptet, beide Teams, Damen und Herren, erreichten die Spiele um Medaillen. "Ich bin sehr, sehr stolz auf das, was unsere Spieler geleistet haben", erklärte DHB-Präsident Stephan Abel.

Umbruch nach Titel

Nach dem Triumph bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land musste ein Umbruch eingeleitet werden. Trainer Bernhard Peters verabschiedete sich in den Profifußball, Damencoach Markus Weise übernahm. Das ging nicht reibungslos ab.

Die Spieler mussten mit dem Mehr an Verantwortung umgehen lernen, das ihnen der Mannheimer einräumte. Junge Spieler wie Max Müller und Tobias Hauke, 21 und 20 Jahre alt, ersetzten erfahrene Führungsspieler.

Nur fünf Olympiafahrer von Athen stehen noch im Kader. Die mit Platz vier missglückte Europameisterschaft 2007 war die Folge der Aufbauarbeiten.

Weises "Bauchentscheidung"

Weise aber hatte immer Vertrauen. "Mein Bauch sagt mir, dass wir sehr erfolgreich sein werden", hatte der 46-Jährige vor dem Turnier in Peking erklärt. Und Recht behalten. So wie er auch bei seiner "Bauchentscheidung" bestätigt wurde, Torwart Max Weinhold mitzunehmen.

Als erster Trainer in Deutschland hat er nun die Möglichkeit, hintereinander Damen und Herren in einer Sportart zum Olympiasieg zu führen. "Mir geht es weniger um die Medaille, als um die Leistung der Spieler", sagt er, "da bin ich jetzt schon stolz, das ist mir wichtiger als die zweite Goldmedaille."

Aussprache in der Tiefgarage

Die holprige Vorrunde mit zwei Unentschieden und einer mannschaftsinternen Aussprache in der Tiefgarage trug auch zum Erfolg bei. "Wir haben uns zusammengerauft, wir sind ein echtes Team geworden", sagt Mittelfeldspieler Tibor Weißenborn.

Unter Druck hat die Mannschaft funktioniert und ist in Bestform gekommen, als es nötig war. In der Vorrunde wurde Spanien mit 1:0 geschlagen, andernfalls wäre das schon das Aus aller Titelträume gewesen.

Vier Niederlagen gegen Spanien

Nun also wieder die Iberer, die sich mit einem 3:2-Erfolg nach 0:2-Rückstand gegen Athen-Champion Australien zum zweiten Mal nach 1996 für ein Olympiafinale qualifiziert haben.

Vier Niederlagen hat das deutsche Team in diesem Jahr bereits gegen die Spanier kassiert. Die extrem schnellen Angreifer Santiago Freixa, Eduard Tubau und Pol Amat können jede Abwehr durcheinanderwirbeln.

Das Ergebnis aus der Vorrunde allerdings macht den deutschen Mut, die ihr Abschlusstraining parallel zum Bronzematch der Damen absolvierten. "Gegen Spanien bleiben nicht viele Teams ohne Gegentreffer", sagt Weise.

Gefeiert wird auf jeden Fall

Samstagabend nach dem Finale wollen sie dann das Deutsche Haus stürmen und ihre Medaille feiern. Da werden sich die strengen Kontrolleure aber wundern, wer so alles kommt. Fans, Freunde und Familien sollen mit reingebracht werden, ob ihre Fingerabdrücke nun elektronisch erfasst sind oder nicht.

Die Hockeymänner werden feiern, verdient haben sie es. So oder so, es wird eine lange Nacht.

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