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Michaels-Beerbaum verpasste nur knapp Bronze im Einzelspringen © getty

Bundestrainer Gravemeier ist nach dem Debakel der Springreiter in Hongkong unter Druck. Ahlmann steht derweil am Pranger.

Hongkong - Nach Doping-Desaster und Parcours-Pleite droht dem deutschen Springreiten eine Zerreißprobe.

Nach der Rückkehr nach Deutschland sollen die katastrophalen Vorfälle von Hongkong minutiös aufgearbeitet werden.

Doch zunächst sorgte Taifun "Nuri" am Freitag dafür, dass die Flüge der deutschen Delegation gestrichen wurden.

"Ich will nur noch weg", sagte Ludger Beerbaum und brachte die Stimmung auf den Punkt.

Die Suspendierung von Christian Ahlmann, bei dessen Pferd die verbotene Substanz Capsaicin gefunden wurde, setzte allen enorm zu.

"Kann das nicht fassen"

"Vielleicht glaubt mir keiner, aber ich kann das immer noch nicht fassen. Das ist ein ganz immenser Schaden mit internationalem Touch", sagte Bundestrainer Kurt Gravemeier.

Generalsekretär Hanfrid Haring von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung meinte: "Man ist einfach nur niedergeschlagen."

Ohne Medaille

Inwieweit Gravemeier die Verantwortung auch für das sportliche Desaster übernimmt, blieb offen.

Die deutschen Springreiter waren ohne Medaille geblieben. "Dazu möchte ich nichts sagen. Ich mache mir meine Gedanken. Die andere Sache ist, wie der Verband dazu steht", sagte Gravemeier.

"Wir wollen bis zur Präsidiumssitzung Anfang September Klarheit. Gravemeier weiß, dass wir mit ihm weitermachen wollen", sagte Haring.

"Sehr enttäuschend"

Gravemeier hatte bereits Kontakt zu Ahlmann aufgenommen, der nach Deutschland zurückgeflogen war.

"Ich habe ihm erzählt, dass noch andere Reiter unter Verdacht stehen. Das wusste er noch gar nicht", sagte der Coach, der genauso wie der deutsche Tierarzt Björn Nolting nichts von der Medikation durch Capsaicin geahnt hatte.

"Das ist schon sehr enttäuschend, zumal sich die Reiter schriftlich dazu verpflichtet hatten, die Medikationen anzugeben", sagte Nolting.

Ahlmann will Anwalt nehmen

Ob das schnell verfliegende Mittel bei Ahlmanns Pferd dazu benutzt wurde, Stellen über den Hufen zu sensibilisieren, damit das Pferd beim Springen größere Angst vor dem Berühren der Stangen bekommt, konnte zunächst niemand bestätigen.

"Es gibt mehrere Möglichkeiten der Anwendung. Wir müssen jetzt abwarten, wie Christian diesen Fall schildert. Dazu will er sich einen Anwalt nehmen", sagte Gravemeier.

B-Probe geöffnet

Die B-Probe von Cöster wurde am Freitagmorgen ordnungsgemäß geöffnet. Das Ergebnis soll in den nächsten Tagen vorliegen.

Sollte die A-Probe bestätigt werden, wird Ahlmann genauso wie die drei weiteren Reiter, deren Pferde positiv auf Capsaicin getestet wurden, zu einer Anhörung eingeladen. Anschließend behält sich der Weltreiter-Verband FEI Strafen vor.

Ein Wiederholungsfall

Mit Spannung blickt man in Hongkong den letzten Doping-Tests entgegen, die nach den letzten Springen vorgenommen wurden.

"Das Hongkonger Doping-Labor ist sehr effektiv", sagte Nolting. Der Tierarzt war besonders enttäuscht, zumal es sich nach Olympia 2004 um einen Wiederholungsfall handelte.

In Athen wurde der deutschen Equipe nach einem Medikationsfall die Goldmedaille aberkannt. "Nach Hongkong werde ich beim Verband vorstellig. Wir werden darüber reden müssen, wie es weitergeht", sagte Nolting.

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