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Foto fürs Album: Renate Lingor, Linda Bresonik und Sandra Smisek vor der Medaillenvergabe © getty

Die Weltmeisterinnen stehen nach dem 3. Platz von Peking vor einem Umbruch. Nach dreimal Bronze soll es 2012 Gold werden.

Peking - Es war weit nach Mitternacht und die Bronze-Mädels hatten schon einige Gläser geleert, als sich Dirk Nowitzki langsam Fatmire Bajramaj näherte.

"Gratuliere! Das waren ja Granatentore, die Du da geschossen hast", sagte der 2,13 Meter große Basketball-Hüne zur kleinen Fußballerin.

Mit ihrem Doppelpack hatte Bajramaj die deutschen Weltmeisterinnen zum olympischen Bronze-Hattrick geschossen - und der Zukunft des deutschen Frauenfußballs ein Gesicht gegeben.

Nowitzki fand Bajramajs Tore beim 2:0 (0:0)-Sieg gegen Japan "cool", für die 20-Jährige selbst waren "die wichtigsten Tore meiner Karriere" einfach nur "der Hammer".

Party bis zum Abflug

Bereits in der Kabine stießen die Spielerinnen mit Bier auf die dritte Bronzemedaille nach 2000 und 2004 an, im Deutschen Haus in Peking stieg später die Party.

"Da kommt keine mehr zur Ruhe. Wir werden hier durchfeiern, schlafen können wir im Flieger", kündigte Bajramaj einen Party-Marathon bis zum Abflug am Freitagmorgen nach Frankfurt/Main an.

Prinz grübelt noch

Während die jüngeren Spielerinnen um Bajramaj feierten, kam bei so mancher Älteren etwas Wehmut auf.

Das Spiel um Platz drei war der letzte Höhepunkt für einige verdiente Titelsammlerinnen. Mittelfeldchefin Renate Lingor bestritt am Donnerstag ihr letztes Spiel, auch Sandra Smisek und Kerstin Stegemann könnten ihre internationale Laufbahn beenden. Kapitän Birgit Prinz grübelt noch.

Neuaufbau für 2011

Silvia Neid muss spätestens bis zur Heim-WM 2011 ein neues Team aufbauen. Die ungewohnt kritische Bilanz der DFB-Trainerin deutet darauf hin, dass sie Handlungsbedarf erkannt hat.

"Wir haben nicht gut gespielt. Uns hat in allen Spielen die Qualität im Spiel nach vorne gefehlt. Das Passspiel war schlecht. Die Abwehr stand gut, aber das allein reicht nicht, wenn man ganz oben stehen will. Da müssen wir ansetzen", sagte sie.

Blutauffrischung im Sturm

Auch Prinz bemängelte, "dass wir im Spielaufbau unsere größten Probleme" hatten. Die dafür hauptverantwortliche Lingor spielte nicht ihr bestes Turnier - Neid hielt dennoch an ihr fest.

Der Rücktritt der 32-Jährigen schafft jedoch Platz für Neuerungen, die 20-Jährige Celia Okoyino da Mbabi oder Linda Bresonik (24) könnten nachrücken.

Bajramaj wird den Konkurrenzkampf auf den Flügeln neu beleben (Neid: "Eine sehr kreative Spielerin"). Im Angriff ist ebenfalls eine Blutauffrischung zu erwarten - vor allem, wenn Smisek oder Prinz aufhören.

Lingors Schuhe in den Müll

"Der Nachwuchs ist da. Die sind so stark, dass es mir am Ende schwer fiel, da immer mitzuhalten", sagte Lingor. Noch in der Kabine warf sie demonstrativ ihre Stollenschuhe in den Mülleimer, von nun an sollen es andere richten.

"Ich mache mir keine Sorgen um den deutschen Fußball", ergänzte Lingor: "Die Jungen werden sich nahtlos einfügen und es wird positiv weitergehen. Ich traue unserer Mannschaft sehr, sehr viel zu."

Schluss mit Bronze

Die Qualifikation für die EURO 2009 in Finnland ist bereits perfekt, die Heim-WM 2011 das nächste große Ziel. Vor dem nächsten Länderspiel am 2. Oktober in der Schweiz will Neid mit Wackelkandidatinnen und möglichen Nachrückerinnen "einige Gespräche führen".

Mittelfristig hat die Trainerin, die bis 2013 an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gebunden ist, Olympia 2012 in London im Blick.

Dort soll dann endlich auch der Olympiasieg her. "Wir freuen uns sehr über unsere Medaille. Aber ich hoffe, dass wir 2012 auch mal Gold holen. Wir haben nun dreimal Bronze. Irgendwann muss ja mal damit Schluss sein", sagte Bajramaj.

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