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Timo Boll verlor im Achtelfinale gegen den Südkoreaner Sang Eun Oh mit 1:4 © getty

Nach dem überraschenden Aus im Achtelfinale bleibt Timo Boll keine Zeit zum Verschnaufen. Bundesliga und EM warten schon.

Peking - Als die Tischtennis-Asse aus dem Reich der Mitte um die Medaillen kämpften, war Chinesen-Schreck Timo Boll nur noch Olympia-Tourist.

Bis in die Morgenstunden spülte der 27-Jährige im Deutschen Haus seinen Frust mit ein paar Bier runter.

Nach seinem ernüchternden Aus im Achtelfinale steht Boll am Scheideweg. "Ich muss an den kleinen Sachen weiterarbeiten", sagte der ehemalige Weltranglistenerste.

Aufgeben kommt nicht infrage: "Es geht immer weiter, einen Olympiazyklus werde ich ja wohl noch mitmachen."

Noch ein bisschen Anschauungsunterricht könnte Boll vor seiner Heimreise bei den "chinesischen Meisterschaften" im Kampf um Gold nehmen.

Für den Dreifach-Europameister steht in Peking am Sonntag noch die Schlussfeier auf dem Programm, bevor es am Montag zurück nach Europa geht. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt aber nicht: Bundesliga und EM warten schon.

Jugend auf der Lauer

Erfolge werden Boll nicht geschenkt, er wird nicht jünger, und die nächste Generation der schier übermächtigen Chinesen steht schon in den Startlöchern: Ma Long (19) ist die Nummer drei der Welt.

In Peking war der Jugend-Weltmeister nicht mal als Ersatz nominiert, im Halbfinale der German Open bezwang er Boll im vergangenen Jahr 4:0. Hoffnung dürfte ihm der Schwede Jörgen Persson geben: Der erreichte mit 42 Jahren in Peking zum zweiten Mal nach 2000 das Halbfinale.

Angriff 2012

Der Popularität Bolls in China hat das frühe Aus keinen Abbruch getan. Im Gegenteil. Mit einem kleinen Geschenk versuchten die Fans, den Deutschen zu trösten, da huschte sogar ein Lächeln über Bolls Gesicht.

Auch wenn der Traum von der Einzel-Medaille nicht in Erfüllung ging, so waren die China-Wochen für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) ein Erfolg. "Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen", meinte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig angesichts Team-Silbers: "Wir haben hier die erste Medaille seit 1996 gewonnen."

In London werde man in vier Jahren wieder angreifen.

"Goldene Generation"

Noch habe man das Niveau über so einen langen Zeitraum nicht halten können und es nicht geschafft, den Schwung aus dem Team mit ins Einzel zu nehmen.

"Das ist unsere goldene Generation und sie wird noch einige Jahre golden sein. Dimitrij Ovtcharov ist ja erst 19, Christian Süß 22, und auch Timo spielt noch einige Jahre auf höchstem Niveau", sagte Bundestrainer Richard Prause.

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