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Die Kampftechnik wurde vor über 1000 Jahren von Kriegern entwickelt © getty

Eine Sportart, bei der Schwerter und Fäuste fliegen, kämpft um die Olympia-Aufnahme. Die Athleten arbeiten oft als Stuntmen.

Peking - "Come on China - Wushu": Laut dröhnt der Ruf über die überfüllten Tribünen im Olympic Sports Center Gymnasium.

Plüschlöwen werden ins Publikum geworfen, danach fliegen Schwerter und Fäuste. Die Erben von Kung-Fu-Filmstar Bruce Lee kämpfen mit einer eindrucksvollen Demonstration asiatischer Kampfkunst um die Aufnahme ins olympische Programm.

Wushu darf sich als einzige nicht-olympische Sportart vier Tage lang im Rahmen der Spiele von Peking präsentieren.

"Die IOC-Zustimmung für unser Wushu-Turnier verdeutlicht die Unterstützung für den Sport und den Respekt vor der chinesischen Kultur", meint Wang Xiaolin, Generalsekretär des Internationalen Wushu-Verbandes.

"Ein langer Weg bis zur Aufnahme"

Stolz blickt er in die Kameras, als am Freitag IOC-Präsident Jacques Rogge persönlich der chinesischen Siegerin Ma Lingjuan die Goldmedaille umhängt.

Es ist eine andere Plakette als die bei Olympia, und auch die fünf olympischen Ringe finden sich in der Arena nirgends.

"Es ist noch ein langer Weg bis zur Olympia-Aufnahme", sagt Herr Wang. Für 2016 stehen Baseball, Softball, Golf, Rugby, Squash, Inlineskating und auch Karate als direkter Konkurrent der vor über 1000 Jahren in China von Kriegern entwickelten Kampftechnik Schlange.

Blut fließt nicht mehr

Blut fließt heute nicht mehr, aber Sorgen um die Gesundheit der in farbenfrohe Gewänder gehüllten Sportler kommt schon auf.

Mit blitzenden Schwertern in der Hand vollführen junge Frauen mit grimmiger Miene Sprünge und Überschläge und stechen auf einen imaginären Feind ein.

Am Ende ihrer etwa einminütigen Kür schlagen die Kämpferinnen mit der Faust in die offene Hand - eine Art Wushu-Symbol - und bekommen von den Kampfrichtern Punkte bis zur Höchstnote 10.

Akrobatische Leistungen

Beim sogenannten Taolu-Wushu geht es auch in Disziplinen mit einem Speer oder ganz ohne Waffen begleitet von asiatischen Klängen um Gold.

Die akrobatischen Leistungen sind atemberaubend. Männer springen in die Luft, kicken dabei den Fuß gestreckt über den Kopf, machen eine ganze Drehung und landen im Spagat.

Nur beim Sanshou-Wushu wird mit Tritten und Handkantenschlägen, die man aus Martial-Arts-Filmen wie "Bruce Lee - Todesgrüße aus Shanghai" kennt, wirklich gegeneinander gekämpft.

Als Filmstar zum Millionär

Es ist eine bunte Palette, die zumindest im Mutterland China die Zuschauer begeistert - zumal nach jedem Wettbewerb die rote Fahne mit den Sternen aufgezogen wird.

Die Teilnehmer aus den 42 anderen Ländern sind meist staunende Zuschauer bei der grandiosen Show der Gastgeber.

Zum Beispiel Nicholas Grimwood aus Neuseeland, der in seinem Wettbewerb Vorletzter wird: "Das sind unglaubliche Athleten. Aber die machen das auch als Profis und verdienen als Stuntmen beim Film zusätzliches Geld."

Manch einer der Kämpfer wird nach der Karriere als Filmstar zum Millionär.

Athlet als Postbote

Grimwood kann dagegen nur dreimal pro Woche trainieren, weil er sein Geld als Postbote und Komödiant verdient.

Ein Teil von Olympia zu sein, ist eines der größten Erlebnisse seines Lebens: "Wir dürfen im Olympischen Dorf mit all den Stars aus den anderen Sportarten wohnen. Jetzt fehlt zum Glück nur noch, dass Wushu wirklich olympisch wird - und ich ein bisschen besser werde."

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