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Der völlig erschöpfte Christian Gille wird aus dem Wasser geborgen © getty

Der Viererkajak mit Fanny Fischer gewinnt über 500 m, dann legt der Zweierkajak der Männer nach. Aber es gibt auch Sorgen.

Peking - Die Angst um die Gesundheit ihres Teamkollegen Tomasz Wylenzek platzte in den Goldjubel der deutschen Kanuten.

Nachdem die schwarz-rot-goldenen Paddler innerhalb von nur 17 Minuten zweimal olympisches Gold aus dem Wasser gefischt hatten, herrschte plötzlich große Aufregung.

Wylenzek, der sich bei der Silber-Fahrt im Zweier-Canadier völlig verausgabt hatte, brach zusammen und wurde nach dem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus gebracht. "Wylenzek ist über seine Kräfte gegangen", sagte Sportdirektor Jens Kahl. Nach einstündiger Versorgung in der Klinik kam dann die Entwarnung: Wylenzek war wieder auf den Beinen.

Der 25-Jährige aus Essen kündigte für Samstag eine Goldjagd "mit noch mehr Biss" an. Kahl war erleichtert: "Jetzt greifen wir richtig an."

Goldener Tag gefeiert

Am Abend feierten die deutschen Kanuten dann einen goldenen Tag. Bei brütender Hitze im Shunyi Park war zuerst der Viererkajak mit Schlagfrau Fanny Fischer - Nichte von Birgit Fischer - zu einem grandiosen Start-Ziel-Sieg gepaddelt.

Dann rauschte überraschend der Zweierkajak Martin Hollstein/Andreas Ihle mit einem fulminanten Endspurt als erster ins Ziel.

Wenig später lagen auch die Athen-Olympiasieger Christian Gille und Wylenzek auf Gold-Kurs, wurden von den Weißrussen Andrej und Alexander Bahdanowitsch auf den letzten Metern aber noch ganz knapp abgefangen - 0,223 Sekunden fehlten.

Tragischer Abschied für Dittmer

Der Männer-Viererkajak holte Bronze. Eine Enttäuschung war der Abschied des dreimaligen Canadier-Olympiasiegers Andreas Dittmer auf Platz acht. Dittmer erklärte dann offiziell seinen Rücktritt. Max Hoff erreichte dann noch im Einer-Kajak den fünften Platz.

Die deutsche Rekord-Olympiasiegerin Birgit Fischer nahm nach dem Rennen ihre vor Glück weinende Nichte in die Arme und gestand: "Ich hatte Gänsehaut."

"Die Tante kann stolz sein"

Die 21-jährige "kleine" Fischer strahlte nach ihrer gelungenen Olympia-Premiere vor Glück. "Fantastisch, ein Traum. Da kann die Tante stolz sein", sagte Fanny Fischer.

Bei Conny Waßmuth, die erst vor sechs Tagen für die erkrankte Carolin Leonhardt ins Boot gekommen war, flossen ebenfalls die Freudentränen: "Vom Zuschauer zum Olympiasieger. Das ist Wahnsinn. So richtig realisieren kann ich es nicht."

"Da geht noch was"

Zum Gold-Vierer gehörten auch noch Nicole Reinhardt und Katrin Wagner-Augustin, die mit dem vierten Olympiasieg zur erfolgreichsten Kanutin hinter Birgit Fischer aufrückte.

"Die Kanuten haben sich wie gewohnt stark präsentiert. Es ist erst Halbzeit, ich freue mich auf die nächsten Finalrennen, da geht noch was", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach.

Wylenzek optimistisch für Samstag

Über den Start von Gille/Wylenzek am Samstag sollte erst nach einem morgendlichen EKG entschieden werden, doch Wylenzek ist optimistisch: "Mir geht es gut, ich will starten."

Das erschöpfte deutsche Duo war nach dem Rennen zunächst gegen die Zielboje gekracht und musste aus dem Wasser geholt werden. Bei einem Interview sackte Wylenzek dann zusammen und wurde in der Klinik mit Infusionen behandelt. "Ich war erkältet, nicht er - Tomek musste für mich mitpaddeln", sagte Gille.

In jedem Fall bekommt Wylenzek am Samstag seine Medaille, die bis dahin vom Kanu-Weltverband ICF verwahrt wird. Laut Sportdirektor Jens Kahl vom Deutschen Kanu-Verband (DKV) sollte die Übergabe durch ICF-Präsident Ulrich Feldhoff sowie IOC-Vizepräsident und DOSB-Präsident Thomas Bach erfolgen.

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