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Lena Schöneborn (M.) siegte vor Heather Fell (l.) und Victoria Tereschuk © getty

Nach ihrem sensationellen Olympia-Gold macht Fünfkampferin Lena Schöneborn die Nacht zum Tag, muss dabei aber aufpassen.

Peking - Lena Schöneborn tanzte stolz mit der schwarz-rot-goldenen Fahne, umarmte ihre geschlagenen Kontrahentinnen und weinte vor Freude.

Die neue "Königin des Pentathlon" kannte nach ihrem überraschenden Olympiasieg im Modernen Fünfkampf kein Halten mehr und machte in Peking die Nacht zum Tag.

"Ich bin völlig überwältigt und der glücklichste Mensch der Welt", sagte die 22-Jährige aus Bonn und kündigte mit einem Lächeln auf den Lippen an: "Heute wird gefeiert - aber ich muss auf die Dopingjäger aufpassen."

Alkohol auf der Dopingliste

Laut Reglement dürfen die Fünfkämpfer bis zum Ende der Spiele keinen Alkohol trinken, der wegen der beruhigenden Wirkung beim Schießen auf der Dopingliste steht.

Doch auch ohne das Sieger-Bier genoss der quirlige Lockenkopf die erste Medaille für deutsche Fünfkämpfer seit dem Olympiasieg von Gotthard Handrick 1936 in Berlin in vollen Zügen.

Noch vor wenigen Tagen hatte Schöneborn beim zweiten Schwimm-Gold von Britta Steffen auf der Trbüne gesessen und auch vom Olympiasieg geträumt - nun ist der Traum wahr geworden.

"Wechselbad der Gefühle"

"Die Siegerehrung war ein Wechselbad der Gefühle für mich. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich glaube, ich habe beides gemacht", sagte die Vize-Weltmeisterin des vergangenen Jahres.

Schöneborn behauptete ihren Vorsprung (5792 Punkte) im abschließenden 3000-m-Lauf vor der Britin Heather Fell (5752) und der ukrainischen Europameisterin Viktoria Tereschtschuk (5672). Eva Trautmann, zweite deutsche Teilnehmerin, belegte Rang 29.

Mehr Aufmerksamkeit für die "vollkommenen Athleten"

Schöneborn hofft nun, dass ihr Triumph der von IOC-Gründer Pierre de Coubertin als Hommage an den "vollkommenen Athleten" erfundenen Vielseitigkeitssportart mehr Aufmerksamkeit verleihen kann: "Es wäre schön, wenn der Fünfkampf jetzt mehr in den Mittelpunkt rückt."

Bei internationale Wettkämpfen in ihrer Wahlheimat Berlin seien in der Regel weniger Zuschauer "als beim Training von Hertha BSC. Das ist schon traurig".

Klaus Schormann, Präsident des nationalen und des Weltverbandes, traut seiner Athletin die Rolle des Zugpferdes ohne Abstriche zu. "Lena ist eine hochintelligente Dame, die sich in Szene zu setzen weiß. Sie kann eine wunderbare Botschafterin für sauberen und fairen Sport werden", meinte er.

Weltbestleistung auf der Planche

Dabei hatte Schöneborn zunächst einen Fehlstart in den Wettkampf hingelegt. Beim Schießen mit der Luftpistole erzielte sie bei 20 Schüssen lediglich 177 von 200 möglichen Ringen (1060 Punkte) und lag auf Platz 20.

Doch bereits beim Fechten wendete sich das Blatt. Mit der Weltbestleistung von 28:7-Siegen auf der Planche übernahm die frühere Junioren-Weltmeisterin die Führung und behauptetet diese mit persönlicher Bestzeit (2:16,91 Minuten) beim Schwimmen über 200 m Freistil.

Nach einem nahezu fehlerfreien Ritt auf dem ihr zugelosten Wallach "Xingxing", was übersetzt "Sternchen" bedeutet, griff Schöneborn im Laufen dann tatsächlich nach den Sternen.

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