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Dittmer hatte im Einer-Canadier über 1000 Meter keine Chance © getty

Trauriger Rücktritt: Andreas Dittmer nimmt ohne Medaille Abschied von der großen Wettkampfbühne. Ein Nachfolger steht bereit.

Peking - Nach dem traurigen Abschied ließ Andreas Dittmer die Schultern hängen und stellte die Paddel in die Ecke.

"Natürlich wäre ich lieber mit einer Medaille abgetreten", sagte der dreimalige Canadier-Olympiasieger: "Aber der Sport hat mir ja schon so viele schöne Erlebnisse gebracht. Ich stand so oft oben auf dem Podest - das kann mir keiner nehmen."

Nach dem enttäuschenden achten Platz im letzten Rennen seiner Karriere in Peking kam es zu einer emotionalen Begegnung auf dem Wasser.

Vajda widmet Gold dem toten Kolonics

Dittmers Nachfolger Attila Vajda (Ungarn) paddelte an die Seite des Neubrandenburgers, was folgte, war ein Plausch unter Kollegen, die sich mit größtem Respekt begegnen.

"Er hat mir gesagt, dass er diese Goldmedaille dem kürzlich verstorbenen György Kolonics widmet - der war bei seinem Tod so alt wie ich jetzt und hat mit mir über 15 Jahre Rennen bestritten", sagte Dittmer leise.

Der Tod des Ungarn durch plötzlichen Herzstillstand im Training für Olympia hatte die Kanu-Welt schockiert, der 36-jährige Dittmer war sogar zur Beerdigung nach Budapest geflogen.

Großes Blutbild zur Vorsorge

In Peking fühlte sich nun der deutsche Altstar nicht wohl, Dittmer ließ nach dem Ausscheiden im 500-m-Halbfinale am Donnerstag extra noch ein großes Blutbild anfertigen, um in seinem Abschiedsrennen kein Risiko einzugehen.

"Die Werte waren in Ordnung, es gab grünes Licht vom Arzt - das hat ihn beruhigt", sagte Cheftrainer Reiner Kießler.

Für die Leistung über die letzten 1000 Meter suchte Dittmer vergeblich nach einer Erklärung. "Es ist ein schmerzliches Gefühl. Das Rennen war nicht nach meinem Geschmack, ich konnte das Tempo nicht mithalten", sagte der achtmalige Weltmeister.

Letzter Auftritt

Am Alter könne es aber nicht nur liegen, vor acht Wochen habe er schließlich noch ein Weltcuprennen gewonnen.

"Das war sicherlich mein letzter Auftritt auf der großen Wettkampfbühne", sagte er. Dittmer musste nach seinem Abschiedsrennen sogar mehr Interviews geben als die Medaillengewinner.

"Er hat Kampfgeist gezeigt und nicht enttäuscht", sagte Kießler und sieht die Zeit für einen Generationswechsel gekommen: "Sebastian Brendel steht bereit."

Hoher Maßstab

Dittmers Bilanz ist für das nachrückende Talent freilich ein hoher Maßstab.

Als einziger Canadier schaffte Dittmer drei Olympiasiege in Serie. Bei Sommerspielen und internationalen Meisterschaften gewann er seit 1991 insgesamt 42 Medaillen.

Letztmals paddelte er vor drei Jahren zu WM-Gold, die Jugend fuhr ihm immer öfter davon - in Peking stieg der 25-jährige Ungar Vajda auf den Canadier-Thron.

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