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Natascha Keller hat sich noch nicht über die Fortsetzung ihrer Laufbahn geäußert © getty

Nach der Pleite im Spiel um Platz 3 steht bei den DHB-Frauen nur ein bitteres "Frust-Feiern" auf dem Programm.

Die "Golden Girls" von 2004 kehren aus China mit leeren Händen heim.

Als bei den Olympischen Spielen in Peking die niederländische Nationalhymne erklang und die Medaillen vergeben wurden, waren die deutschen Hockeyfrauen schon gar nicht mehr im Stadion.

Mit 1:3 (0:2) hatten sie das "kleine Finale" um Platz drei gegen Argentinien verloren und sich damit selbst eine riesengroße Enttäuschung bereitet.

"Der vierte Platz ist das Bitterste überhaupt", sagte Natascha Keller.

Niederlande folgt DHB-Frauen

Die Niederlande krönten sich anschließend in einem dramatischen Endspiel zum Nachfolger der deutschen Mannschaft. Der Weltmeister bezwang Gastgeber China mit 2:0 (0:0). Argentinien freute sich derweil wie vor vier Jahren über Platz drei. Fußball-Idol Diego Maradona war einer der ersten Gratulanten der "Leonas".

Noch Minuten nach dem Abpfiff saßen Julia Müller, Janne Müller-Wieland und Tina Bachmann in sich zusammen gesunken auf dem Kunstrasen. Die Tränen liefen und liefen. Torfrau Kristina Reynolds entledigte sich mechanisch ihrer Schutzausrüstung. Der Rest der Mannschaft war auf die Ersatzbank geflohen, um nicht mit ansehen zu müssen, wie sich die Argentinierinnen freuten.

Auch bei Bundestrainer Michael Behrmann flossen Tränen der Enttäuschung, er musste lange von Sportdirektor Rainer Nittel getröstet werden.

"Schlechteste Hälfte im Turnier"

Für alle Unerklärliches war in der Partie passiert, ein Komplettversagen der deutschen Mannschaft in der ersten Halbzeit.

"Das war die schlechteste Hälfte im Turnier", sagte Behrmann, "es ist sehr enttäuschend, dass es im Medaillenmatch passiert. Das ist sehr traurig für uns."

Dabei gab es im Vorfeld keinerlei Anzeichen, dafür, dass das Team plötzlich wie paralysiert über den Platz trottete: "Alle waren guter Dinge und heiß auf das Spiel." Mit dem Anpfiff war es aber vorbei mit der Lockerheit. "Wir haben total verkrampft gespielt", sagte Kapitän Marion Rodewald, "wir waren viel zu passiv."

Anke Kühn trifft

Die erfahrene Natascha Keller räumte ein: "Ich war noch nie so nervös." Sie waren so schlecht, dass sie mit dem 0:2 zur Pause durch die Tore von Rosario Luchetti (11.) und Carla Rebecchi (22.) noch gut bedient waren.

Erst nach der energischen Pausenansprache von Co-Trainer Markus Lonnes ("Wofür haben wir in den letzten zwei Jahren gearbeitet?") zeigte das Team die spielerischen und kämpferischen Qualitäten, die es bis ins Halbfinale gebracht hatte.

Zu mehr als dem Anschlusstreffer von Anke Kühn (45.) reichte es aber nicht, weil wieder die Chancen- und Eckenverwertung zu schlecht war.

"Frust-Feiern" am Abend

Der dritte argentinische Treffer mitten in der deutschen Druckphase durch Noel Barrionuevo (63.) entschied das Spiel endgültig.

"Frust-Feiern" (Katharina Scholz) stand am Abend noch auf dem Programm. Und je länger sie über das Turnier nachdenken, um so größer wird der Ärger über das Versagen in den wichtigen Spielen.

Schon im Halbfinale gegen China wurde schließlich nicht umgesetzt, was man sich vorgenommen hatte. Behrmann kritisierte dafür in einer ersten Analyse vor allem die älteren Spielerinnen: "Wir brauchen den Rahmen der Erfahrenen, und wenn der nicht steht, wird es schwer. Den Jungen kann man kleinen Vorwurf machen."

Gedanken über Rücktritt

Da wird einiges aufzuarbeiten sein in naher Zukunft. Die WM 2010 in Argentinien ist das nächste Ziel. "Personal, taktisches Verhalten, Strafecken, es ist viel zu analysieren", so der Trainer.

Er wird sich mit seinem Staff zusammensetzen, Spielerinnen müssen sich erklären. Insbesondere Rodewald, Keller und Bachmann werden über die Fortsetzung der internationalen Laufbahn nachdenken.

"Noch hat keine erklärt, dass sie zurücktritt", sagte Bachmann, "aber nach Olympischen Spielen macht man sich immer Gedanken darüber."

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