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Sabine Spitz sichert sich Gold vor Maja Wloszczowska (l.) und Irina Kalentjewa © getty

Die Weltranglistenerste Sabine Spitz fährt nach ihrem EM-Titel und zwei Mal WM-Silber auf dem Mountainbike zu Olympia-Gold.

Peking - Sabine Spitz ballte die Faust, wedelte wild mit der Deutschland-Fahne und trug freudestrahlend ihr Mountainbike über die Ziellinie.

Als die Powerfrau am Ziel ihrer Träume angekommen war und Gold in den Händen hielt, entlud sich die ganze Freude.

"Jetzt habe ich es geschafft. Darauf habe ich so viele Jahre hingearbeitet. Bei Olympia zu gewinnen, das ist das Größte, der Wahnsinn", meinte die 36-Jährige, nachdem sie auf dem Cross-Country-Kurs in Laoshan die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden gefahren hatte.

Das 26,7 km lange Rennen über Stock und Stein wurde für Spitz zu einer einzigen Triumphfahrt.

Vom Sturz unbeeindruckt

Bereits kurz nach dem Start setzte sich die Europameisterin von der Konkurrenz ab, baute den Vorsprung kontinuierlich aus und ließ sich auch von einem kleinen Sturz ("Bin ins Straucheln geraten") auf der letzten Runde nicht mehr aus der Bahn werfen.

"Ich war schon ein wenig überrascht, dass von hinten nichts mehr kam. So konnte ich ganz relaxt meinen Rhythmus fahren und musste nicht überziehen", beschrieb das Energiebündel die Fahrt ins Glück.

Spitz' Medaillen-Jahr

Ausgerechnet im von ihr so ungeliebten fernen China ("Ein Land mit zwei Gesichtern") feierte Spitz, die das erste Gold für eine deutsche Radsportlerin seit Petra Rossner 1992 holte, ihre größte Sternstunde auf dem Mountainbike und die Krönung eines sensationellen Jahres.

Im Mai hatte sie den EM-Titel in St. Wendel geholt, danach folgten zweite Plätze bei der WM in Val di Sole sowie bei der Langstrecken-WM in den Dolomiten. Nebenbei wurde sie noch zum siebten Mal deutsche Meisterin und eroberte die Führung in der Weltrangliste.

Hartnäckige Anti-Doping-Kämpferin

Sagenhafte Erfolge, die gerade im Radsport naturgemäß Zweifel nach sich ziehen. Dem trat die gelernte Chemielaborantin entschieden entgegen.

"Eigentlich hätte ich auf dem Podium ein Schild halten müssen mit der Aufschrift 'Leistung ist auch ohne Doping möglich'", sagte Spitz. Sie hatte sich in der Vergangenheit als hartnäckige Anti-Doping-Kämpferin gezeigt und auch Konflikte innerhalb des Teams mit den berühmten Fumic-Brüdern nicht gescheut.

"Nichts ist unmöglich"

Auf der Strecke musste sie diemal keine Kämpfe austragen. Mit 41 Sekunden Vorsprung holte Spitz den Sieg vor der Polin Maja Wloszczowska und der Russin Irina Kalentijewa (1:17 zurück).

Im Alter von 36 Jahren denkt sie noch lange nicht ans Aufhören. "Nichts ist unmöglich. Solange es Spaß macht, fahre ich weiter. Jeannie Longo hat hier mit 49 Jahren teilgenommen. In London wäre ich erst 40", meinte Spitz, die erst im Alter von 22 Jahren zum Mountainbike kam, und richtete ihren Blick bereits auf 2012.

Es wären ihre vierten Olympischen Spiele.

Gold sichert Fördergelder

Bundestrainer Frank Brückner hofft, dass der Olympia-Coup von Spitz Signalwirkung haben wird: "Wir haben große Probleme, junge Menschen für unsere Sportart begeistern. Ich hoffe, dass der Erfolg zum Sprungbrett wird, unsere Probleme zu lösen." Adelheid Morath, zweite deutsche Starterin, fuhr in Peking mit 17:14 Minuten Rückstand auf Platz 18.

Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) war der Olympiasieg ebenfalls Gold wert. Nachdem die deutschen Fahrer auf der Straße ein Debakel erlebt hatten und die Bahnfahrer mit Silber im Punktefahren (Roger Kluge) und Bronze im Teamsprint im Rahmen ihrer Möglichkeiten geblieben waren, gab es schließlich durch Spitz die dritte Medaille, was auch die Fördergelder positiv beeinflusst.

Das ursprünglich von BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer ausgegebene Ziel von fünf Medaillen wurde allerdings verfehlt.

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