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Zwei Flops auf einmal: Radsportler Stefan Schumacher und das Klima © imago

Die Olympischen Spiele 2008 sind Geschichte. Sport1.de blickt auf 16 Tage voller Wettkämpfe und Emotionen zurück - die Tops und Flops.

Von Julian Meißner und Michael Schwarz

München/Peking - 302 Entscheidungen fielen in Peking, 302 Mal Gold, Silber und Bronze wurden vergeben.

Während die meisten Wettkämpfe und Siegerehrungen in der Erinnerung des Betrachters schnell verblassen werden, bleiben einige besondere in langer Erinnerung.

Positiv wie negativ - die XXIX. Sommerspiele hinterlassen eine Flut von Eindrücken.

Sport1.de hat die Tops und Flops zusammengestellt:

FLOPS

Dreiste Betrüger

Nicht jeder Medaillengewinner kam in den Genuss einer echten Siegerehrung, weil die Konkurrenz zu verbotenen Mitteln griff. Ein Beispiel: Der Russin Tatjana Tschernowa wurde Bronze im stillen Kämmerlein anstatt im Vogelnest vor 91.000 Zuschauern überreicht. Zuvor war die Ukrainerin und vermeintliche Silbermedaillengewinnerin im Siebenkampf Ludmilla Blonska wegen Dopings disqualifiziert worden. Auch Silber und Bronze von Doping-Schütze Kim Jong-Su mit der freien Pistole und der Luftpistole mussten nachträglich vergeben werden.

Den Gipfel der Dreistigkeit leistet sich der irische Reiter Denis Lynch, dessen Pferd positiv getestet worden war. Auf einer Pressekonferenz präsentierte er ein Einreibemittel namens "Equiblock", welches er angeblich vergessen hatte, bei seinem Tierarzt zu melden. Auf dem Label habe gestanden: "Enthält Capsaicin. Wird nicht positiv getestet."

Stab-Träger der USA

Beide favorisierten Sprint-Staffeln der USA verlieren im National Stadium ihre Stäbe. Ähnlich erging es den Girls aus Jamaika, die Gold im Finale wegwarfen. In Zukunft also: Nicht nur Laufen trainieren, sondern auch Übergaben!

Die Öffentlich-Rechtlichen

Olympia auf allen Kanälen und bis zum Abwinken wurde dem Gebührenzahler versprochen. Auf den ersten Blick hielten ARD und ZDF ihr Versprechen ? allerdings mit fragwürdiger Gewichtung. Beispielsweise zeigte man anstelle des Dramas um die deutschen Handballer in ihrem letzten Spiel gegen Dänemark live lieber einen Boxkampf ohne deutsche Beteiligung. Das Aus der Weltmeister folgte zeitversetzt. Bei aller Ehrfurcht vor dem globalen Gedanken der olympischen Bewegung: Zu erklären ist das nicht. Wer wirklich alles sehen wollte, war auf Live-Streams im Internet angewiesen.

Deutsche Ballsportler

Handball-Männer und -Frauen traten als Medaillenkandidaten an und verabschiedeten sich noch vor den Viertelfinals. Die Basketballer streckten gegen schlagbare Chinesen die Waffen. Deutschlands Fußball-Frauen, ansonsten eine sichere Bank, kamen im Halbfinale gegen Brasilien mit 1:4 unter die Räder. Fast schon die Ehrenrettung: Den Volleyballern gelang der erste Sieg bei Olympia seit 36 Jahren ? 1972 in München hatten sich die DVV-Herren letztmals für die Spiele qualifiziert.

Ausverkauft?

Offiziell wurden 6,8 Millionen und damit alle verfügbaren Tickets abgesetzt. Dennoch herrschte auf den Rängen teilweise gähnende Leere. "Der Grund dafür sind vor allem die Wetterbedingungen. Nach der Hitze haben die Regenfälle viele Zuschauer verschreckt", meinte BOCOG-Vizepräsident Wang Wie.

Land unter bei den Schwimmern

Einzig die beiden Goldmedaillen von "Rettungsschwimmerin" Britta Steffen verhinderten ein totales Debakel. "Das hatte mit Leistungssport nichts zu tun", jammerte Thomas Rupprath stellvertretend nach seinem sang- und klanglosen Ausscheiden im Vorlauf. Immerhin reagierte der Verband: Unmittelbar nach den Wettkämpfen präsentierte der DSV wie erwartet Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow als neuen Sportdirektor und Nachfolger von Örjan Madsen.

Springreit-Debakel

Die einst so stolzen deutschen Springreiter kehren erstmals seit 1928 ohne Edelmetall von Olympischen Spielen zurück. Doch damit nicht genug: Christian Ahlmann wurde wegen einer positiven A-Probe bei seinem Pferd Cöster von den Spielen ausgeschlossen. "So etwas ist der Super-Gau für unseren Sport. Da muss man sich sicherlich auch Gedanken darüber machen, ob unser Sport weiter eine Chance hat, zur olympischen Familie zu gehören", sagte Peter Hofmann, Vorsitzender des Springausschusses bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Ruderer abgesoffen

Erstmals seit 52 Jahren gewann der DRV bei Olympischen Sommerspielen keine Goldmedaille. Insgesamt gab es in 14 Klassen nur zwei Medaillen. Absoluter Tiefpunkt: Die beiden Achter-Flaggschiffe schieden beide jeweils als Letzte des Hoffnungslaufes aus.

Aufarbeitung bei den Leichtathleten

Eine Medaille - Bronze durch Speerwerferin Christina Obergföll - stand unter dem Strich bei den DLV-Startern. Das Echo ließ nicht lange auf sich warten: Cheftrainer Jürgen Mallow holte zum Rundumschlag gegen das Innenministerium und den DOSB aus. "Arrogant, entwürdigend, hochnäsig und verantortungslos", nannte Mallow deren Verhaltensweisen, zu wenig Geld habe man in die Leichtathletik investiert. Zudem bezeichnete er den Ehren-Präsidenten Helmut Digel als "Dummschwätzer". Dieser hatte Kritik an den Trainern geübt.

Klima-Chaos

Den Zuschauern bot sich gleich zu Beginn der Spiele ein ungewohntes Bild: Profi-Radrennfahrer, die am Streckenrand rund um die Smog-Hochburg Peking mit hochrotem Kopf nach Atem ringen. Über 30 Grad Celsius und über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit machten selbst den hartgesottenen Pedaleuren zu schaffen. "Ein mörderisches Klima", ächzte der deutsche Zeitfahrmeister Bert Grabsch nach seinem Ausstieg. Im Fußball-Finale sah sich der Schiedsrichter genötigt, die Partie für Trinkpausen zu unterbrechen. Ruderwettbewerbe mussten wegen Sturms vertagt werden, in Hongkong ging gar eine Taifun-Warnung ein. Strömendem Regen sahen sich beispielsweise Geher und Beachvolleyballer ausgesetzt.

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