vergrößernverkleinern
Das kann schonmal zu Tränen rühren: Im Einzel waren die chinesischen Frauen unter sich © imago

Die Chinesen waren im Tischtennis einsame Spitzenklasse: Bei allen Entscheidungen ließen sie ihren Gegnern nicht den Hauch einer Chance.

Peking - Als der "ewige Zweite" Ma Lin seine Karriere doch noch mit olympischem Einzel-Gold krönte, war das wichtigste Match von Peking längst Geschichte.

Weltmeister Wang Liqin besiegte im Spiel um Bronze den schwedischen Tischtennis-Opa Jörgen Persson.

Nach dem Dreifach-Sieg der Frauen bescherte er den Assen aus dem Reich der Mitte damit erstmals die maximale Medaillenausbeute.

Ma Lins unbändiger Jubel nach dem Finale gegen Landsmann Wang Hao verkam fast zur Randnotiz.

Perfekte Vorbereitung

Generalstabsmäßig hatten die Chinesen das Turnier vorbereitet.

Kein Timo Boll, kein Wladimir Samsonow (Weißrussland), kein Ryu Seung Min (Südkorea) sollte ihnen diesmal einen Strich durch die Rechnung machen.

Das Debakel von Athen 2004, als Wang Hao das Endspiel gegen Ryu verlor, durfte sich in der Heimat nicht wiederholen.

Ma Lin bedankt sich artig

Nach der erfolgreichen Mission bedankte sich Ma Lin zuerst brav bei seinen Oberen.

"In mir gingen so viele Dinge vor. An erster Stelle Dankbarkeit. All die Jahre haben mir die Trainer so viel Unterstützung gegeben."

Weder bei Olympia noch bei einer WM hatte er zuvor den Einzeltitel gewonnen, bei der WM 2007 das Finale gegen Wang Liqin trotz deutlicher Führung noch verloren.

Ein hartes Jahr vor Olympia

Die Trainer hatten die Stars zuvor länger als ein Jahr lang in die Mangel genommen.

Es gab knallharte Trainingscamps, in denen die Ping-Pong-Millionäre auf einfachen Feldbetten schlafen mussten.

Sogar das Autofahren, so heißt es, war ihnen untersagt worden, nachdem Sydney-Olympiasieger Kong Linghui seinen Porsche im vergangenen Jahr unter Alkoholeinfluss verschrottet hatte.

Simulation mit Doubles

Immer wieder spielte das Trio gegen eigens ausgebildete Doubles der ärgsten Rivalen.

Das zahlte sich schon im neuen Teamwettbewerb aus, als im Halbfinale Südkorea klar besiegt wurde und danach die Deutschen um Boll völlig chancenlos waren.

Im Einzel kam es erst gar nicht zu den Duellen. Einzig der 42-jährige Persson blieb übrig.

Persson der letzte Mohikaner

Der Schwede wehrte sich tapfer, doch am Ende holte er in zwei Spielen gegen die Chinesen nur einen Satz.

Die Männer waren die Sorgenkinder des chinesischen Nationalsports.

Zu oft waren sie in der Vergangenheit trotz spielerischer Überlegenheit an ihren Nerven gescheitert.

Chinesen diesmal auch mental stark

Darauf setzte in Peking auch Dreifach-Europameister Boll - letztlich vergeblich.

"Früher war ich mental schwächer. Meine Trainer haben mich wachsen lassen. Ich bin jetzt stärker, fokussierter und habe mehr Spaß am Spielen", sagte Ma Lin.

Sein Sieg bedeutete das dritte Einzel-Gold für China nach seinem Coach Liu Guoliang (1996) und Frauen-Trainer Kong Linghui (2000).

Kein Druck für Hao im Finale

Für den unterlegenen Weltranglistenersten Wang Hao war der Druck bereits vor dem Endspiel weg.

"Heute war ich nicht so nervös, weil ich gegen einen Teamkollegen gespielt habe."

Nachdem Chinas Frauen und Männer im Team nicht zu schlagen waren, legten Athen-Olympiasiegerin Zhang Yining, Wang Nan und Guo Yue den Grundstein zum historischen Erfolg.

Zhang wiederholt Triumph

Zhang wiederholte den Triumph von 2004 gegen Wang Nan.

Guo Yue ließ Li Jia Wei im Bronze-Match kaum eine Chance.

Li startete für Singapur, doch geboren wurde sie in Peking.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel