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Michael Vesper ist seit 2006 zusammen mit Thomas Bach an der Spitze des DOSB © getty

Trotz einer guten Olympia-Bilanz in Peking, fordert der DOSB eine Erhöhung der Bundeszuschüsse und eine Grundsatzdiskussion.

Peking - Trotz 16 deutschen Siegen, insgesamt 41 Medaillen und Platz fünf im Wettstreit der Nationen fordert Michael Vesper nach Olympia in Peking eine Diskussion über den Stellenwert des Leistungssports in der Gesellschaft.

"Wir müssen dies auch mit dem Bundestag und der Bundesregierung bereden. Die bisherigen Mittel reichen nicht", meinte Vesper.

Mit Blick auf London 2012 stellte er fest: "Wir haben in Peking den Abwärtstrend gestoppt. Jetzt wollen wir auch in vier Jahren Fünfter werden."

Lob von Bach

Ähnlich wie der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) lobte auch dessen Präsident Thomas Bach das Auftreten der deutschen Mannschaft bei den Spielen in China.

"Die mannschaftliche Geschlossenheit und die frischen Siegertypen haben mich beeindruckt. Höchst erfreulich, dass wir im Medaillenspiegel einen Platz höher auf Rang fünf gerutscht sind", meinte der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), bedauerte jedoch auch, dass es acht Medaillen weniger gab als 2004.

"Positive Signale"

Um 2012 in London mindestens so erfolgreich sein zu können wie in Peking, muss laut Vesper noch mehr investiert werden.

"Bis 2008 hatten wir pro Jahr 70 Millionen Euro für die Fachverbände und die Olympiastützpunkte. Bis 2012 werden es jedes Jahr 12 Millionen mehr sein, also jeweils 82. Doch wir benötigen die doppelte Zuwachsrate. Es gibt Verhandlungen mit dem Bundesinnenministerium über höhere Mittel und hierzu positive Signale aus dem Sportausschuss", sagte Vesper.

Deutsches Trainerproblem

Bernhard Schwank, der als Leistungssport-Direktor im DOSB bei den Winterspielen 2010 in Vancouver Chef de Mission sein wird, wies darauf hin, dass die deutsche Mannschaft im Vergleich zu den Nachbarn im Medaillenspiegel deutlich mehr vierte Plätze belegt hat (14).

Insgesamt errechnete er auf den Rängen vier bis zehn 139 Platzierungen: "Eine stabile Basis."

Laut Vesper wird immer deutlicher, dass es ein Trainerproblem gibt: "Hier muss sich unbedingt was tun. Das Ausland kauft uns die guten Trainer weg. Bei uns verdienen viele nur 3000 Euro - und das brutto."

Gewohnte Medaillengaranten

Medaillenbänke waren einmal mehr die Kanuten mit dreimal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze, gefolgt von Reitern (3-1-1), Schwimmern/Wasserspringern (2-1-2) und Fechtern (2).

Je einmal Gold holten die Hockey-Herren, der superschwere Gewichtheber Matthias Steiner, Judoka Ole Bischof, Fünfkämpferin Lena Schöneborn, Mountainbikerin Sabine Spitz und Triathlet Jan Frodeno.

Steffen als Star der Spiele

Star des deutschen Teams war Schwimmerin Britta Steffen durch ihre Triumphe über 50 und 100 m Freistil.

Ihr männliches Pendant war Hinrich Romeike, der in der Vielseitigkeit in Einzel und Mannschaft siegte. Das dritte Reiter-Gold gewannen drei Frauen in der Dressur. Der emotionalste Moment gehörte Gewichtheber Steiner, der den Sieg seiner toten Ehefrau Susann widmete.

Bei den Kanuten siegten Martin Hollstein/Andreas Ihle im Zweierkajak, vier Jahre nach dem achten Gold von Birgit Fischer deren Nichte Fanny im Viererkajak und ganz zu Beginn im Kanuslalom die Augsburger Überraschung Alexander Grimm. Zweifach-Gold holten auch die Fechter durch Britta Heidemann (Degen) und Benjamin Kleibrink (Florett).

Viele Enttäuschungen

Die Verlierer unter den deutschen Sportarten waren die medaillenlosen Straßenradsportler, mit nur einer Bronze-Medaille die Leichtathleten, die Ruderer mit je einem Silber und Bronze sowie die mit Ausnahme von Britta Steffen medaillenlosen Beckenschwimmer und die sämtlich in Runde eins gescheiterten Boxer.

Ohne das erhoffte Gold blieben als Weltmeister die Fußball-Frauen (Bronze) und die im Viertelfinale gescheiterten Handballer.

Traurig abgereist sind nach dem erneut geplatzten Goldtraum Schützin Sonja Pfeilschifter, Fabian Hambüchen mit Reck-Bronze und drei vierten Plätzen sowie Andreas Dittmer, dessen Kanu-Karriere nach dreimal Gold medaillenlos endete.

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