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Ein Phänomen der Olympischen Spiele 2008: Der Jamaikaner Usain Bolt © getty

DOSB-Vize und Ex-Reckweltmeister Eberhard Gienger zieht bei Sport1 seine Olympia-Bilanz. Kann sich der deutsche Sport steigern?

Von Wolfgang Kleine

München/Peking - Eberhard Gienger, DOSB-Vizepräsident und Mitglied des Bundestages, zieht im Interview mit Sport1.de seine persönliche Bilanz.

Der ehemalige Reck-Weltmeister äußert sich über Überraschungen und Enttäuschungen in Peking, die Misere in der deutschen Leichtathletik, die Maßnahmen zur Leistungsförderung, das Doping-Problem und die außerirdischen Leistungen von Schwimmer Michael Phelps und Sprinter Usain Bolt.

Sport1: Sehen Sie in der Kernsportart Leichtathletik überhaupt noch Licht am Ende des Tunnels?

Gienger: Ja. Die Leichtathletik hat in Deutschland ein großes Potenzial. Und das müssen wir wecken.

Sport1: Zum Turnen. Wie sehen Sie da die Leistungen, speziell von Fabian Hambüchen? Wie bewerten Sie seine Dünnhäutigkeit in der öffentlichen Darstellung?

Gienger: Man ist mit großen Erwartungen nach Peking gereist. Vor vier Jahren hätten wir bei den Leistungen noch Sektkorken knallen lassen, wenn so ein Ergebnis erzielt worden wäre. Mit seiner Leistung am Reck war Fabian mit der Bronzemedaille richtig bedient. Er hat selbst Fehler gemacht. Er hat aber von sich mehr erwartet und man sagte schon: Fabian lernt gerade das Verlieren. Schade ist nur, dass er sich dafür die Olympischen Spiele rausgesucht hat. Die Fehler haben ihm offensichtlich das Selbstvertrauen geraubt.

Sport1: Wo sehen Sie die größte Überraschung in der deutschen Mannschaft, wo die größte Enttäuschung?

Gienger: Sehen Sie mal das Fechten. Alle haben mit Peter Joppich gerechnet. Der schaffte es nicht. Dafür sprang Benjamin Kleibrink in die Bresche, erreichte das Finale und gewann Gold. Der Judoka Ole Bischof ist auch eine Überraschung. Als größte Enttäuschung muss man wohl die Leichtathletik ansehen.

Sport1: Fehlt den Deutschen manchmal das Sieger-Gen oder der Killerinstinkt?

Gienger: Ganz im Gegenteil. Athleten wie Ole Bischof, Britta Heidemann, Alexander Grimm, Matthias Steiner, die Dressur- sowie Vielseitigkeitsreiter und die Hockey-Mannschaft, um nur einige zu nennen, haben das bewiesen. Ich sehe keinen fehlenden Killerinstinkt. Die Athletinnen und Athleten gehen schon mit dem Siegeswillen in den Wettkampf. Aber das machen die Anderen auch.

Sport1: Kommen wir zum Thema Doping. Einige deutsche Athleten wie die Geher verdächtigen Konkurrenten des Dopings. Hat man das Thema Doping in Peking in den Griff bekommen?

Gienger: Man hat in Peking so viele Dopingkontrollen durchgeführt wie noch nie bei Olympischen Spielen. Ein Drittel mehr als in Athen. Die Kontrollen werden acht Jahre lang eingefroren. Der Sportler muss damit rechnen, zu einem späteren Zeitpunkt überführt zu werden und muss mit Strafen und öffentlicher Ächtung rechnen. Das lässt manchen Athleten, der mit unlauteren Mitteln arbeitet, vorsichtig werden. Manche Mittel, die man jetzt nicht erkennen kann, wird man in absehbarer Zeit doch nachweisen können.

Sport1: Sehen Sie das Gen-Doping als die größte Gefahr im Hochleistungssport?

Gienger: Ja. Ich sehe das Gen-Doping als große Gefahr an. Wir haben nicht deswegen zuletzt schon im Deutschen Bundestag eine Anhörung durchgeführt. Der Kampf gegen das Gen-Doping soll weiter vorangebracht werden. Dieser Form des Dopings müssen wir ganz entschieden entgegentreten.

Sport1: Ist es Ihnen bei den Höchstleistungen von Sprinter Usain Bolt und Schwimmer Michael Phelps selbst ein bisschen mulmig geworden?

Gienger: Es ist in jedem Fall außergewöhnlich, welche Leistungen diese Athleten erbracht haben. Das führt sicherlich in vielen Köpfen zu der Annahme, dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Solange aber kein Nachweis erbracht wurde, muss man nach anderen Erklärungsmöglichkeiten suchen. Es darf kein Generalverdacht aufgebaut werden.

Sport1: Eine Prognose für London 2012. Ist dort für das deutsche Team eine Steigerung drin?

Gienger: Das ist unser Ziel.

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