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Jason Kidd holte sein zweites Olympia-Gold, LeBron James und Chris Paul (v.l.) ihr erstes © getty

Nach acht Jahren passt das Puzzle der Basketball-Millionäre wieder. Bryant frohlockt: "Wir sind wieder dort, wo wir hingehören".

Peking - Die Feier begann schon 30 Sekunden vor der Schlusssirene.

Wie kleine Kinder hüpften die NBA-Stars am Spielfeldrand umher und umarmten alles und jeden, der sich gerade in Reichweite bewegte.

Als bei der Siegerehrung Superstar Kobe Bryant seine Goldmedaille im Blitzlicht-Gewitter liebevoll küsste und LeBron James stolz die Siegerfaust zur Hallendecke reckte, hatten die Basketballer aus den USA ihre "Mission Gold" erfüllt.

Das allerdings schwer erkämpfte 118:107 im Endspiel über Weltmeister Spanien war das Ende einer langen Durststrecke.

"Dort, wo wir hingehören"

Acht Jahre ohne Titel bei Olympia oder einer WM sowie Spott und Häme der Konkurrenz waren endlich Geschichte.

Dass die US-Ladies am Tag zuvor ihre insgesamt sechste Goldmedaille gewannen, machte den amerikanischen Triumph in Peking perfekt.

"Jetzt sind wir wieder dort, wo wir hingehören", betonte Bryant und Dwyane Wade meinte: "Es war ein langer Weg. Aber wir haben es geschafft, und ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein."

Coach Mike Krzyzewski sprach sogar von einem historische Moment und lobte seine "Mannschaft mit Charakter" in den höchsten Tönen.

Mehr als Bryant gelesen hat

"Wir haben den Weltmeister und den Olympiasieger von Athen besiegt, besser kann man sich nicht beweisen", ergänzte Carmelo Anthony.

Im Endspiel, der mit Abstand schwersten und umkämpftesten Partie auf dem Weg zum Gold, setzten sich die US-Boys erst in der Schlussphase gegen tapfer kämpfende Spanier durch.

In einer Phase, in der die Iberer das Spiel im letzten Viertel zu kippen drohten, übernahm besonders Kobe Bryant (20 Punkte) die Verantwortung. "Ich habe viel über unsere individuellen Stärken gelesen. Hier und heute haben wir jedoch bewiesen, dass wir eine Mannschaft sind", sagte Bryant.

Krzyzewski strukturiert um

Ungeschlagen mit acht Siegen bei einer Differenz von durchschnittlich 26,6 Punkten pro Spiel - all das spiegelt die Dominanz der Amerikaner in Peking wider.

"Wir wollten die Chance nutzen und das Team USA wieder an die Spitze führen, und zwar mit Teamplay statt simplem Highlight-Basketball", erklärte Krzyzewski, der die US-Auswahl nach den letzten Pleiten bei den WM-Turnieren 2002 in Indianapolis (Platz sechs) und 2006 in Japan (Platz drei) sowie Olympia in Athen (Bronze) analysierte und umstrukturierte.

Feilen an der Defense

"Wir mussten die Arroganz aus den Köpfen bekommen, Basketball sei nur unser Spiel. Wir respektieren unsere Gegner, überall auf der Welt wird inzwischen hervorragend gespielt", ergänzte "Coach K".

Er arbeitete mit den NBA-Profis unter anderem an der Defensive und an wirkungsvollen Strategien gegen die weltweit praktizierte Zonenverteidigung.

Die Ergebnisse seiner Arbeit waren in Peking offensichtlich, denn die USA präsentierten sich in der stets mit 18.000 Zuschauern ausverkauften Olympia-Halle wieder als Kollektiv.

"Ich-AG" entdeckt Wir-Gefühl

Selbst die einstige "Ich-AG" Kobe Bryant entdeckte das Wir-Gefühl und stellte sich völlig in den Dienst der Mission Gold.

Mit seiner neuen Zurückhaltung sammelte er weitere Sympathiepunkte. Ohnehin war der

Guard der Los Angeles Lakers der Star des Turniers und eine der Attraktionen der Spiele in Peking.

NBA-Boss David Stern auf der Tribüne freute sich über eine exzellente Werbung seiner NBA-Stars in Asien und speziell in China.

Eingelöstes Versprechen

In China hatte nicht zuletzt Volksheld Yao Ming von den Houston Rockets eine wahre Basketball-Euphorie ausgelöst.

Dass die Gastgeber bereits im Viertelfinale an Litauen scheiterten, tat der Attraktivität des Turniers keinen Abbruch, denn die US-Stars hielten, was sie ihrem Präsidenten George W. Bush versprochen hatten: "Wir werden mit Gold nach Hause kommen!"

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