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Matthias Steiner geht nach seinem siegbringenden Versuch zu Boden © imago

Die Sport1-Redaktion blickt auf Olympia 2008 in Peking. Matthias Becker beschreibt seinen persönlichen olympischen Moment.

Von Matthias Becker

München - Das deutsche Gesicht der Olympischen Spiele ist schmerzverzerrt.

Es gehört Gewichtheber Matthias Steiner und er hat eine schwere Last zu tragen an diesem 19. August, um kurz nach 20 Uhr, Ortszeit Peking.

Steiner kneift die Augen zusammen, so sehr drückt das Gewicht der 258 Kilo, die er im Stoßen über seinem Kopf balanciert. Er muss das Gewicht stabil für einige Sekunden halten, damit der Versuch gültig gegeben wird.

Dann ertönt das erlösende Signal vom Kampfrichtertisch. Der Versuch ist gültig, Matthias Steiner ist Olympiasieger!

In einer Reihe mit Baumann und den "Golden Girls"

Es gibt ihn immer bei Olympischen Spielen: Diesen einen Augenblick, der aus deutscher Sicht für immer in Erinnerung bleibt.

War es 1992 in Barcelona Dieter Baumanns Gold-Lauf über die 5000 Meter, 2000 in Sydney Nils Schumanns Überraschungssieg über die 800 Meter oder 2004 in Athen der Jubel der deutschen "Golden Girls" nach dem Sieg im Hockey-Finale, dann ist es 2008 der Sieg von Steiner.

Nicht nur wegen seiner großen sportlichen Leistung, die ihn zum stärksten Mann der Welt gemacht hat. Sondern vor allem wegen seiner Reaktion auf den Triumph und wegen seiner Vorgeschichte.

Tragischer Verlust der großen Liebe

Steiner ist gebürtiger Österreicher. Er zog vor einigen Jahren nach Deutschland, weil er sich in eine Deutsche verliebt hatte - und weil er in Frank Mantek den für ihn perfekten Trainer fand, nachdem es zuvor Probleme mit Österreichs Verband gegeben hatte.

Er heiratete seine große Liebe Susann. Vor einem Jahr verunglückte Steiners Frau dann aber bei einem Autounfall tödlich. Er stürzte sich ins Training, um sich von dieser Tragödie abzulenken und fand in Trainer Mantek auch einen Freund, der ihm in der schweren Zeit half.

Freude, Erleichterung und tiefe Bewegtheit

Nach dem entscheidenden Versuch tanzten Steiner und Mantek wie von Sinnen über die Bühne der Gewichtheber-Halle. Bei zwei Männern weit jenseits der 100 Kilo ein kolossal komischer Anblick.

Steiners Gesicht war jetzt nicht mehr schmerzverzerrt. Es spiegelte Freude, Erleichterung und die tiefe Bewegtheit des Athleten wider, der so viel durchgemacht hatte, bevor er sein großes Ziel erreichen konnte.

Es war das Gesicht der Spiele.

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