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Davide Rebellin fuhr von 2002 bis 2008 für das Team Gerolsteiner © getty

Laut italienischen Medienberichten wurde der Radprofi bei Nachkontrollen positiv getestet. Sein Ex-Teamchef reagiert geschockt.

Neuss/Lausanne - Acht Monate nach der Schlussfeier werden die Olympischen Sommerspiele in Peking von weiteren Dopingskandalen überschattet - und wieder steht der Radsport am Pranger.

Laut italienischen Medienberichten ist der frühere Gerolsteiner-Profi Davide Rebellin neben fünf weiteren Sportlern in sieben Proben bei den Nachkontrollen positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden.

Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch keine Namen nannte und die Fälle an die nationalen Olympischen Komitees weiterleitete, machte der Name Rebellin schnell die Runde.

Der 37-Jährige, der von 2002 bis 2008 für das Team Gerolsteiner gefahren war und zu den absoluten Leistungsträgern im Team gehörte, hatte in Peking die Silbermedaille im Straßenrennen gewonnen.

Goldmedaillengewinner gedopt?

Wie die Nachrichtenagentur AP mit Berufung auf eine IOC-Quelle berichtet, sollen drei Leichtathleten, zwei Radprofis und ein Gewichtheber positiv getestet worden sein.

Ein Leichtathlet soll dabei ein Goldmedaillengewinner sein.

847 Peking-Proben hatte das IOC in den Labors von Chatenay-Malabry und Lausanne nachträglich auf CERA, 101 im Institut in Köln auf Insulin getestet.

Neues Testverfahren ein Volltreffer

Dabei erwies sich das bei der Tour de France erstmals angewendete Testverfahren auf CERA erneut als Volltreffer. Ein Sportler ist gleich zweimal positiv getestet worden, da es insgesamt sieben auffällige Proben gab.

Die Athleten haben nun die Möglichkeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Das Nationale Olympische Komitee von Italien (CONI) teilte bereits mit, dass ein italienischer Sportler betroffen sei. Offenbar handelt es sich dabei um Rebellin.

Rebellin stand schon einmal unter Verdacht

Rebellin hatte schon einmal unter Dopingverdacht gestanden.

Beim Doping-Prozess in Padua vor gut fünf Jahren hatten die Staatsanwälte den Richtern ein im Mai 2001 aufgenommenes Video gezeigt.

Die Aufnahmen zeigten damals Rebellin und seine Frau Selina in der Praxis des skandalumwitterten Sportarztes Enrico Lazzaro bei der Entgegennahme einer Ampulle mit einem angeblich verbotenen Mittel.

Zu einer sportrechtlichen Verurteilung war es gegen den kleinen Italiener aber nicht gekommen.

Holczer: "Ich glaube an nichts mehr"

Der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer zeigte sich geschockt:

"Seit den Fällen Kohl und Schumacher glaube ich an nichts mehr. Das untermauert das Ganze nur noch. Mein Gesamtwerk ist ohnehin schon im Oktober den Bach runtergegangen, aber der Schock sitzt tief. Davide Rebellin war ein Stück weit noch meine Hoffnung, dass er es auf ehrliche Weise geschafft hat", sagte Holczer.

Er will sich rechtliche Schritte gegen den Italiener vorbehalten: "Soweit ich kann, werde ich mich an den Aufräumarbeiten beteiligen."

Karriereende droht

Sollte der Klassikerspezialist nun überführt werden, dürfte seine Karriere vorbei sein.

Am vergangenen Mittwoch hatte Rebellin, der inzwischen für das italienische Serramenti-Team fährt, den Fleche Wallonne gewonnen und anschließend bei Lüttich-Bastogne-Lüttich den zweiten Platz belegt.

"Betrüger können sich nicht sicher sein"

"Die weiteren Analysen der Proben von Peking sind eine klare Botschaft an die Betrüger, dass sie sich nicht sicher sein können", sagte Arne Ljungqvist, Leiter der Medizinischen Kommission des IOC: "Trotzdem hat die große Mehrheit der Athleten nicht einen unfairen Vorteil erlangt."

Zu den Nachtests herangezogen wurden tiefgefrorene Dopingproben von Olympia-Teilnehmern in den Sportarten Rad, Rudern, Schwimmen und Leichtathletik. Bislang wurden bei den Sommerspielen 16 Dopingfälle - sechs bei Pferden, zehn bei Athleten - gezählt.

Bereits andere Radprofis nachträglich erwischt

Das IOC hatte die Nachuntersuchungen angeordnet, nachdem die französische Antidoping-Agentur (AFLD) ein neues Testverfahren für den Nachweis des EPO-Präparats CERA entwickelt hatte.

Dadurch waren auch nachträglich die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher (Nürtingen) und Bernhard Kohl (Österreich) sowie der Italiener Leonardo Piepoli bei der Tour de France positiv getestet worden.

Kohl und Piepoli haben ihre Schuld bereits eingestanden und sind für zwei Jahre gesperrt worden.

Schumacher kämpft vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gegen das Strafmaß noch an.

CERA: Der "Renner" im Ausdauerbereich

Das Präparat CERA (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator) war im Ausdauerbereich im letzten Jahr offenbar der "Renner".

Der Vorteil gegenüber anderen EPO-Mitteln war, dass die Halbwertzeit von CERA nach intravenöser Verabreichung 80 bis 120 Stunden und nach subkutaner (unter die Haut) etwa 150 Stunden beträgt.

Damit konnte CERA in größeren zeitlichen Abständen verabreicht werden. Nachteil war aber auch, dass es länger nachzuweisen war.

Insgesamt hatte es während der Spiele in der Kontrollperiode vom 27. Juli bis 24. August 4770 Dopingtests gegeben, darunter 3801 Urin- und 969 Bluttests. Sie sollen acht Jahre lang aufgehoben werden.

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