Ein leitender Sportmediziner aus China hat über Staatsdoping im Reich der Mitte während der 1980er und 90er Jahre berichtet und schwere Vorwürfe gegen weitere Nationen erhoben.
Chen Zhanghao, ehemaliger Arzt des Olympiateams, erklärte im Interview mit der australischen Tageszeitung "Sydney Morning Herald", er habe an etwa 50 Elite-Athleten Hormone, Blutdoping und Steroide getestet.
Er behauptete, derartige Behandlungen seien auch in anderen Ländern gängige Praxis gewesen.
"Die USA, die Sowjetunion und Frankreich haben es benutzt, also haben wir es auch getan", sagte Chen, Chefmediziner der chinesischen Olympiateams bei den Spielen in Los Angeles (1984), Seoul (1988) und Barcelona (1992).
Am Freitag hatte in derselben Zeitung bereits Xue Yinxian, die ehemalige Chefmedizinerin der chinesischen Turnerinnen, über dieselben Praktiken berichtet.
"In den 1980ern grassierte es. Man hatte es zu akzeptieren", sagte Xue. Athleten sei nicht gesagt worden, was ihnen verabreicht wurde. Trainer und Betreuer, die sich dem System widersetzten, seien "an den Rand gedrängt" worden.
Xue widersprach außerdem der offiziellen Darstellung der chinesischen Führung, dass für die zahlreichen Dopingfälle in den 90er Jahren ausschließlich die Sportler selbst verantwortlich gewesen sein sollen.
Sie berichtete, dass ein hochrangiger Sportfunktionär bei einem Treffen im Oktober 1978 mitgeteilt habe, dass leistungssteigernde Mittel schlicht und ergreifend neue Dinge seien, die genutzt werden sollten.

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