Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit der Olympischen Spiele sieht Bernhard Schwank als Sportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Teile des Ziels für London in Gefahr.
Parallel dazu übte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere vor Ort Kritik an der deutschen Zwischenbilanz sowie an der Einstellung von deutschen Athleten.
De Maiziere, auch der oberste Dienstherr für ein Drittel der Sportler im deutschen Olympiateam, ist bereits aufgefallen, dass das "Verhältnis der Goldmedaillen zu den Silbermedaillen nicht so gut ausgefallen ist". Dies liege, glaubt der Minister, "möglicherweise" auch daran, "dass bei manchen die Olympiateilnahme als solches schon ausreicht."
De Maiziere machte deutlich, dass er eine derartige Einstellung für falsch hält. "Wenn der Höhepunkt der Saison die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist, dann ist vielleicht etwas nicht in Ordnung. Was wir brauchen im Sport und in der Gesellschaft, ist ein Brennen für den Sieg und nicht nur ein 'Dabeisein ist alles'. Für uns müssen bessere Maßstäbe gelten."
Der Minister, der mit Stolz darauf verweist, dass bei den vergangenen zehn Olympischen Spielen 44 Prozent der deutschen Medaillen durch Bundeswehr-Angehörige gewonnen wurden, betonte allerdings auch: "Abgerechnet wird zum Schluss. Manches war auch Pech. Wir hatten auch Silbermedaillen, die nicht eingeplant waren, wenn Sie an Lilli Schwarzkopf denken, die ja auch eine Sportsoldatin ist."
Unter dem Strich bleibt am Ende aber wohl weniger als erwartet.
"Es wird sehr, sehr schwer, die Anzahl der Goldmedaillen von 2008 noch zu erreichen. Platz fünf bleibt weiter unser Ziel, aber vielleicht müssen wir am Ende mit Rang 6 oder 7 zufrieden sein", sagt Bernhard Schwank. Zumindest zehn der 16 vor vier Jahren in Peking erreichten Goldmedaillen hält Schwank noch für möglich.
Leichter realisierbar ist aus Sicht des DOSB-Sportdirektors die Gesamtzahl der 41 Medaillen von Peking (16 Gold, 10 Silber, 15 Bronze).
"Es gab Enttäuschungen vor allem im Schwimmen und Schießen. Doch in den Sportarten Leichtathletik, Kanu, Hockey, Gewichtheben oder Freiwasserschwimmen gibt es noch eine Reihe von Chancen."
Schwank will noch nicht über Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden einiger Sportarten reden. "Erst brauchen wir die Analyse. Es geht auch nicht nur darum, ob die Förderung intensiviert werden muss, damit die Sportart wieder stärker wird, oder andererseits sogar die Mittel gekürzt werden. Bei dieser Entscheidung muss die Qualität des Trainings im Vordergrund stehen."
Angesichts der finanziellen Anstrengungen bei vielen anderen Nationanen hatte Michael Vesper als Chef de Mission und Generaldirektor des DOSB bereits vor Olympia deutlich gemacht, dass die Mittel erhöht werden müssten, wolle Deutschland künftig seine Position im Weltsport halten.
"Wir haben bereits unseren klaren Bedarf deutlich gemacht. Aber das ist ein Thema für die Zeit nach dem Schlusspfiff", sagte Schwank.

Lawrence Okoye wird Footballspieler: Der britische Modellathlet erhält bei den San Francisco 49ers einen Dreijahresvertrag. Der Head Coach des Vizemeisters schwärmt. Sportler auf Abwegen.