Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) und Sprecher der Spitzensportverbände im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), hat die seit London massiv in der Kritik stehende olympische Zielvereinbarung des DOSB mit den Fachverbänden verteidigt.
"Die vieldiskutierten Zielvereinbarungen sind das Instrument, um eine Objektivierbarkeit des konkreten Handelns der einzelnen Verbände zu erreichen", teilte Brechtken mit, "für völlig abwegig halte ich es, auf ein solches Instrument zu verzichten oder zu fordern, der Bund solle jeden einzelnen Verband direkt fördern. Wir müssen als organisierter Sport schon unsere Hausaufgaben machen. Die Autonomie des Sports muss sich hier bewähren."
Brechtken stellte zudem fest: "Die Zielvereinbarungen sind eine Absprache zwischen dem DOSB, der die Gesamtkoordination der zur Verfügung gestellten Mittel innerhalb des Sportsystems garantiert, und den einzelnen Fachverbänden." Damit widersprach er Vorwürfen, die Planspiele seien alleine im DOSB durchgeführt worden.
Wie während der Sommerspiele bekannt wurde, waren nach Peking 2008 für die Spiele vier Jahre später als Ziel insgesamt 28 deutsche Siege und 86 Medaillen angepeilt worden. Heraus kamen 11 Siege und 44 Medaillen.
"Ich kann innerhalb der Zielvereinbarung nicht erkennen, auf welcher Grundlage diese Medaillenprognose überhaupt entstanden ist", hatte Thomas Kurschilgen, der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), erbost erklärt und damit die Gemeinsamkeit der Absprache infrage gestellt. "Medaillenzählen löst Strukturprobleme nicht", sagte Kurschilgen weiter.
Dies will Brechtken nicht gelten lassen. "Dass bei der Verabredung der Ziele auch Medaillenzahlen angegeben werden, halte ich dabei nicht für falsch. Man muss schon im internationalen Vergleich, natürlich ausgehend von einer realistischen Vergleichsbasis, derartige Ziele festlegen. Dabei darf man sie gleichzeitig nicht überbewerten. Gegebenenfalls muss festgehalten werden, dass der Verband seine Ziele und seine professionelle Arbeit nachweisen kann, auch wenn mal ein vierter Platz statt einer Medaille erreicht wird."
Der Turner-Chef plädiert zudem in der Nachbereitung des teilweise unbefriedigenden Abschneidens einiger Sportarten "sehr entschieden für eine ruhige, überlegte und nicht in erster Linie von Einzelinteressen getragenen Analyse der Ergebnisse von London".
Dabei müsse auch sehr genau unterschieden werden, ob unzureichende sportliche Leistungen Ergebnisse von strukturellen Defiziten des Sports seien, oder aber im Einzelfall auch auf individuelle Fehler auf der Ebene Team, Trainer/in und Athlet/-in zurückzuführen seien, etwa bei der optimalen Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt.
"Die saubere Trennung ist deshalb notwendig, weil sonst gegebenenfalls durch individuellen, trainingswissenschaftlichen Fehlleistungen Strukturdiskussionen in Gang gesetzt werden, die zu Fehlschlüssen führen", so Brechtken.

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