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Trainer Dirk Bauermann erklärt seinem neuen Star Chris Kaman die Marschroute © imago

Bundestrainer Dirk Bauermannm spricht im Sport1.de-Interview über die Aussichten bei Olympia, die Leistungen seiner Stars Chris Kaman und Dirk Nowitzki, sowie die "Hammer-Gruppe".

München - Einen Tag nach dem Sieg gegen Puerto Rico und der damit verbundenen Olympia-Qualifikation wächst die Vorfreude der deutschen Basketballer auf Peking.

Wieviel der DBB-Auswahl die Teilnahme an den Spielen bedeutet, ließ sich nach dem schwer erkämpften 96:82 (48:39) am Gesicht von Dirk Nowitzki ablesen, der sichtlich gerührt war.

Zum ersten Mal seit 1992 sind die Basketballer wieder bei Olympia, zum fünften Mal überhaupt.

Auch für Dirk Bauermann sind es die ersten Spiele, dementsprechend ist auch beim Bundestrainer die Vorfreude groß.

Im Sport1.de-Interview spricht Bauermann über seine beiden Top-Stars Chris Kaman und Dirk Nowitzki sowie die "Hammergruppe" bei Olympia.

Sport1: Herr Bauermann, wie geht es Ihnen nach der geschafften Qualifikation für Olympia?

Dirk Bauermann: Die Gedanken sind immer noch beim Turnier, gerade nach dem Spiel gegen Puerto Rico. Die Reaktion der Jungs, der anderen, die an der Mannschaft dran sind, und der interessierten Öffentlichkeit war doch sehr gut, wenn ich da noch einmal drüber nachdenke. Mit jeder Minute geht aber der Blick mehr nach vorne. Die Vorfreude wird natürlich jetzt immer größer auf Olympia.

Sport1: Hat es Sie gewundert, dass so ein abgezockter NBA-Profi wie Dirk Nowitzki nach der perfekt gemachten Qualifikation so emotional reagiert?

Bauermann: Nein, ich habe mich nicht gewundert. Wir wussten alle, wie wichtig ihm dieses Spiel ist. Wie wichtig es für ihn ist, bei Olympia zu spielen, sich diesen Lebenstraum zu erfüllen. Insofern ist Dirks Reaktion nicht überraschend.

Sport1: Stimmt es, dass Chris Kaman bis Olympia bei Nowitzki wohnt?

Bauermann: Er wird nicht bei Dirk wohnen. Er wird in einem Hotel in Würzburg unterkommen. Die beiden werden natürlich zusammen trainieren. Dirk und seine Familie werden sich natürlich auch ein bisschen um Chris kümmern. Es werden aber auch die Jungs von Bamberg für ihn da sein.

Sport1: Wie beurteilen Sie die Leistung von Kaman? 1

Bauermann: Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Ich glaube, dass wir ohne ihn dieses Ziel eher nicht erreicht hätten. Er hat uns eine unglaubliche zusätzliche Präsenz unter dem Korb gegeben, er hat in allen Spielen sehr stark gereboundet. Im Angriff ist er zudem eine ganz wichtige zweite Option, entlastet Dirk dadurch. Dirk hat dadurch ein bisschen mehr Freiräume als er sie ohne ihn gehabt hat. Obwohl er noch nicht ganz fit ist, er sicher noch etwas braucht, bis er seinen Spielrhythmus und seine Form wieder komplett gefunden hat. Er ist für uns eine ganz, ganz wichtige Verstärkung.

Sport1: Hat Nowitzki seine beste Leistung für die Nationalmannschaft gezeigt?

Bauermann: Ich sehe seine Leistung noch stärker als bei der EM 2005, als wir Silber geholt haben und Dirk zum MVP gewählt wurde. Er hat eine extrem gute Form gehabt. Er war aus meiner Sicht so beweglich und schnellkräftig wie seit Langem nicht mehr. Ich weiß nicht, ob das was mit der Pause zu tun hat, die er nach der Saison hatte, die ja einigermaßen ausreichend war. Aber seine gute Vorbereitung, sowohl ohne die Mannschaft zwei bis drei Wochen vor Vorbereitungsbeginn als auch aufgrund der Tatsache, dass er zum ersten Mal die gesamte Vorbereitung, insbesondere die athletische mitgemacht hat, hat ihm bestimmt sehr geholfen. Das kombiniert und verbunden mit der wahnsinnigen Entschlossenheit, er hat verteidigt und gereboundet wie ein Wahnsinniger, hat eben dazu geführt, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Sport1: Sie haben für Olympia mit den USA, China und Griechenland eine sehr schwere Gruppe zugelost bekommen. Was ist für Ihr Team möglich?

Bauermann: Die Gruppe ist sicher unglaublich schwer, keine Frage. Aber es sind eben nur zwölf Teams da. Es ist schon unglaublich, einfach bei Olympia dabei zu sein und wir werden uns da überhaupt nicht mit übertriebenen Zielen oder Erwartungen verrückt machen. Der Basketball in der Welt ist mittlerweile unglaublich stark. Da ist es einfach schon ein Privileg und eine große Leistung, überhaupt dabei zu sein. Wir wollen sehen, dass wir unsere Farben und unsere Haut so gut wie möglich verkaufen und schauen, was drin ist. Aber: Zunächst zählt mal das olympische Motto, dabei zu sein. Wir wollen in jedem Spiel alles geben und gucken dann, was möglich ist.

Sport1: Wie werden Sie und die Mannschaft die Zeit bis Olympia verbringen?

Bauermann: Die Einkleidung war schon am Montag, das ist auch immer etwas ganz Besonderes. Jetzt haben die Jungs ein paar Tage frei. Anfang nächster Woche gehen wir für vier Tage in ein Mini-Trainingslager. Dann werden wir am Donnerstag noch ein Testspiel absolvieren, und Freitag für einen Tag alle nach Hause gehen. Samstagabend geht es von München aus in Richtung Peking.

Das Gespräch führte Christian Stüwe

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