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Der Chinese Yao Ming spielt in der NBA für die Houston Rockets © getty

Die Volksrepublik China plant mit Basketball-Riese Yao Ming. Der gibt zwar kein Versprechen wie 2004, doch die Ziele bleiben gleich.

Von Michael Spandern

München - Am 17. Juli 2008 dürften die Ovationen weit über die ostchinesische Stadt Hangzhou hinaus zu hören gewesen sein. Nach knapp fünf Monaten Verletzungspause wegen eines Ermüdungsbruchs im linken Fuß meldete sich Chinas wohl berühmtester Sportler zurück auf dem Parkett.

Basketballer Yao Ming, mit 229 Zentimetern größter NBA-Profi und zugleich Chinas größter Botschafter, feierte bei einem Vorbereitungsturnier für die Olympischen Spiele beim 96:72-Sieg gegen Serbien sein Comeback.

22 Tage, bevor in Peking die Sommerspiele eröffnet werden. 24 Tage, bevor Hunderte Millionen von Menschen den Fernseher einschalten werden, um das erste Spiel Chinas zu verfolgen.

Diesmal als Gastgeber gegen die USA

Es geht wieder gegen den Turnierfavoriten USA - wie bei Yaos Olympia-Debüt vor acht Jahren.

Mit dem Unterschied, dass Yao sechs Spielzeiten an Erfahrungen auf höchstem Niveau und mit Yi Jianlian einen zweiten NBA-Stammspieler neben sich hat. Und dass China diesmal Heimrecht genießt. "Ich hoffe, sie werden uns als Gastgeber besser behandeln", meint Yao, der von den Schiedsrichtern 2000 mit fünf Fouls vom Platz gestellt worden war, halb im Scherz.

Doch eben nur halb, schließlich hat er hohe Ambitionen: "Wir haben ein ganz klares Ziel, und das heißt, unter die letzten Acht zu kommen", sagt Yao.

Topscorer der WM 2006

Garantieren mag das der 27-Jährige diesmal nicht. 2004 versprach er, sich ein halbes Jahr nicht zu rasieren, sollte der Viertelfinal-Einzug nicht glücken.

Und stellte im entscheidenden Gruppenspiel mit 27 Punkten, 13 Rebounds und zwei verwandelten Freiwürfen zum 67:66-Sieg gegen Weltmeister Serbien und Montenegro sicher, dass er nicht zu einem siebeneinhalb Fuß großen Samson wurde.

Auch zwei Jahre später bei der WM in Japan war Yao Chinas Fixpunkt, führte die Asiaten als Topscorer des Turniers bis ins Achtelfinale.

Zwei Qualifikanten aus Athen

Doch in Peking wartet eine schwere Vorrundengruppe.

Nach dem Team USA trifft der Gastgeber auf Weltmeister Spanien, Vize-Weltmeister Griechenland, die deutsche Mannschaft und Afrikameister Angola.

Zwei Teams muss China hinter sich lassen, um ins Viertelfinale einzuziehen. "Sicherlich sind Teams in unserer Gruppe, mit denen wir nicht auf einem Level sind", gibt der Center zu.

"Doch ich glaube, es werden sich Gelegenheiten ergeben, und diese müssen wir nutzen."

Meisterschaft mit Traumwerten

Die Erwartungen an Yao sind seit jeher groß. Angeblich zeugten seine Eltern, beide Basketball-Profis, ihr Kind in der Überzeugung, einen dominanten Athleten hervorzubringen.

Das schrieb zumindest der Newsweek-Redakteur Brook Larmer in seinem Buch "Operation Yao Ming". Mit 17 Jahren heuerte Yao bei den Schanghai Sharks an, in seiner fünften und letzten Saison holte er die Meisterschaft fast im Alleingang, verbuchte sagenhafte 38,9 Punkte und 20,2 Rebounds pro Partie.

Anders als Wang Zhizhi

Die Türen zur NBA standen weit offen, doch der chinesische Verband gab erst am Tag des Drafts 2002 die Freigabe, nachdem Yaos Berater versichert hatten, dass die Hostoun Rockets den Center an erster Stelle auswählen würden. So geschah es. Yao war der erste Nicht-Amerikaner, dem diese Vorschusslorbeeren zuteil wurden.

Er hatte dem chinesischen Verband zusichern müssen, dass er weiterhin fürs Nationalteam auflaufen würde - anders als Chinas erster NBA-Profi, der von den Dallas Mavericks verpflichtete Wang Zhizhi. Der durfte - kurios genug - im April dennoch die Vorrundengruppen für Peking mit auslosen.

All-Star-Abo dank Online-Stimmen

Damals bangte Yao noch um seine rechtzeitige Genesung und bekannte, es wäre "die schwerste Niederlage meiner bisherigen Karriere", müsste er passen. Stattdessen hat der All-Star der Rockets, der in der vergangenen Saison bei der Internet-Wahl von den Fans erneut zum startenden Center des Westens gewählt wurde, einen Vorab-Sieg errungen.

Und am 10. August wird er Teil eines historischen Spiels: Wenn selbst bei einem wenig bedeutenden Saisonspiel zwischen Yaos Rockets und Yis Ex-Team Milwaukee Bucks über 200 Millionen Chinesen einschalten, dürfte im chinesisch-amerikanischen Kräftemessen der Basketball-Rekord fallen.

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