Dream-Team-Zoff: Barkley kontert Kobe
Von Eric Böhm
München - Im Vorfeld der Olympischen Spiele in London ist ein Streit der Generationen entbrannt.
Schuld sind die NBA-Stars, die im Rahmen ihrer Vorbereitung am Thron des legendären ersten Dream Teams sägen, das vor 20 Jahren einen weltweiten Basketball-Boom ausgelöst hatte.
Angeführt von Kobe Bryant wähnt sich das aktuelle Team stärker als die Goldmedaillen-Gewinner von Barcelona um Michael Jordan. Das wiederum bringt die "Alten" auf die Palme (DIASHOW: Der Kader des Dream Teams 2012).
"Ich muss sie nicht schlecht machen. Ihre Point Guards würden uns nicht besiegen. Wir würden mit zweistelligem Vorsprung gewinnen", wettert Charles Barkley.
"Das wird es nie wieder geben"
Ein Vergleich verbietet sich schon aus Sicht der öffentlichen Wahrnehmung. Schließlich war der Hype 1992 wesentlich größer, da zum ersten Mal NBA-Akteure bei Olympia teilnahmen.
Im Vergleich dazu quälten sich die späteren Versionen zu Pflichtsiegen bis zum Desaster von Athen 2004. Vier Jahre danach stimmte in Peking der Ausgang zwar wieder, aber die charismatische Anziehungskraft des Originals blieb unerreicht.
"Das war damals eine sensationelle Werbung für den Basketball. Das wird es in der Form nie wieder geben", schlägt sich NBA-Commissioner David Stern auf Barkleys Seite.
Bryant mit getrübter Erinnerung
Doch auch sportlich scheint die aktuelle Truppe von Coach Mike Krzyzewski - er war vor 20 Jahren als Co-Trainer von Chuck Daly dabei - den Vorbildern kaum ebenbürtig zu sein.
Das liegt aber nicht nur an den verletzungsbedingten Ausfällen von Derrick Rose, Dwight Howard, Dwyane Wade oder Chris Bosh.
"Aus basketballerischer Sicht hatten sie mit Robinson, Ewing oder Malone sicher bessere Big Man, viele Flügelspieler waren aber alt und standen vor dem Ende ihre Karriere. Wir würden sie schlagen", sagt Bryant ( BERICHT: Dominant oder Dominanz unter dem Korb).
Barkley teilt aus
Diese Einschätzung lässt sich allerdings kaum aufrechterhalten. Immerhin ist der Lakers-Star heute mit 33 Jahren älter als es Jordan, Barkley, Magic Johnson, John Stockton oder Clyde Drexler waren - nur Larry Bird war älter als 32.
"Da muss ich lachen. Kobe Bryant ist fast 34 und nennt uns alt? Mike und ich waren damals 29 und haben danach noch MVP-Titel gewonnen", bestätigt Barkley.
Einmal in Fahrt legt der heutige TV-Analyst in seiner typischen Art nach: "Abgesehen von Kobe, LeBron (James, Anm. der Red.) und Kevin Durant hätte keiner das Zeug für unser Team gehabt."
Coach K beschwichtigt
Der Frontcourt der 92er mit David "Admiral" Robinson, Patrick Ewing und Karl Malone in ihrer Blütezeit ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben ( LeBron und Kobe als Speerspitzen der Gold-Mission).
Zwar hatten Bird (Rückenprobleme) und Magic (HIV-Erkrankung) ihre besten Jahre hinter sich, aber die Vielseitigkeit von Jordan, Pippen, Drexler und Chris Mullin bringt im aktuellen Aufgebot nur James und mit einigen Abstrichen Andre Iguodala mit.
Lediglich auf der Spielmacher-Position gibt es heutzutage eine größere Auswahl. 1992 lag die Hauptlast zu Beginn auf Johnson, da John Stockton die ersten vier Spiele verletzt fehlte, aktuell stehen in Chris Paul, Deron Williams oder Russell Westbrook diverse dynamische Stars zur Verfügung.
"Ein Vergleich verbietet sich eigentlich. Das Team von damals ist einzigartig. Unsere Mannschaft hat eigene Stärken und will Gold holen. Alle anderen Diskussionen sind eh akademisch", meint Krzyzewski diplomatisch.
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