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Kevin Durant (M.) wurde bei der Weltmeisterschaft 2010 zum MVP gewählt © getty

Am Geburtsort des Originals überrollt der Favorit den ärgsten Olympia-Konkurrenten Spanien. Melo nimmt seine Spezialaufgabe an.

Von Eric Böhm

München/Barcelona - Für ihre Olympische Generalprobe hätten sich die USA keinen besseren Ort aussuchen können.

Das aktuelle Dream Team zerlegte den vermeintlich größten Kontrahenten Spanien in Barcelona mit 100:78 (News) und untermauerte eindrucksvoll den Anspruch auf die Goldmedaille (507540DIASHOW: Der Kader des Dream Teams 2012).

An gleicher Stelle hatten die prominenten Vorgänger um Michael Jordan vor 20 Jahren erstmals an Spielen teilgenommen und einen weltweiten Basketball-Boom ausgelöst.

"Die Bezeichnung Dream Team wurde für ein Team kreiert, aber wir haben an diesem historischen Ort eine starke Leistung abgeliefert", fasste Kobe Bryant zusammen.

Bryant optimistisch

Ähnlich wie in den vier gewonnen Testspielen zuvor hielt sich der Routinier gegen den Europameister mit nur drei Würfen und sechs Punkten im Angriff noch vornehm zurück.

"Wir sind sehr optimistisch, was unsere Chancen angeht. Es waren zwei gute Härtetests gegen Spanien und Argentinien. Sie haben uns weiter gebracht", meinte Bryant.

Vor den Augen der 92er-Mitglieder Clyde Drexler, David Robinson und Chris Mullin schlüpfte diesmal Carmelo Anthony in die Rolle des Hauptdarstellers.

Coach K adelt Anthony

Der Star-Forward der New York Knicks freundet sich langsam mit der Rolle als sechster Mann an. Ihm gelangen 27 Punkte (LeBron und Kobe als Speerspitzen der Gold-Mission).

Mit seiner großen Show von der Dreierlinie - insgesamt traf er fünf von acht Distanzwürfen - verwandelte "Melo" einen knappen Rückstand im zweiten Viertel in eine deutliche Führung.

"LeBron (James, Anm. der Red.) kann alle Positionen spielen, aber Carmelo kommt auf dreien zurecht. Er ist nach LeBron unser vielseitigster und einer der talentiertesten Spieler. Er ist ein idealer sechster Mann", lobte US-Coach Mike Krzyzewski.

[kaltura id="0_qhxqeeg7" class="full_size" title="Reaktionen auf den Sieg gegen Spanien"]

Bryant setzt auf Geschwindigkeit

Neben seiner natürlichen Autorität, die seine teils exzentrischen Stars im Zaum hält, ist das taktische Geschick die größte Stärke des Cheftrainers der Duke University.

Der Assistent Chuck Dalys beim ursprünglichen Dream Team versucht aus der größten Schwäche eine Stärke zu machen.

In Anthonys Teamkollege Tyson Chandler gehört nur ein echter Center zum Aufgebot. "Melo", LeBron James, Kevin Durant, Kevin Love und der College-Überflieger Anthony Davis sollen im Frontcourt rotieren und ihre Qualitäten einbringen.

"Wir haben Schwächen aber auch extrem viel Speed. LeBron, Melo und Kevin sind groß genug, um gegenzuhalten. Unserem Speed ist niemand gewachsen", tönte Bryant (BERICHT: Dominant oder Dominanz unter dem Korb).

Anpassung funktioniert

Die Schnelligkeit und das daraus resultierende Passspiel bereitete Spanien tatsächlich große Probleme. Denn die Spielmacher Chris Paul, Deron Williams und Russell Westbrook setzten die Flügelspieler hervorragend ein.

Noch besser greift dieses Konzept in der Verteidigung. Dank ihrer aggressiven Spielweise forcieren die USA immer wieder Ballverluste und kommen zu spektakulären Schnellangriffen - eine Qualität, die früheren US-Teams häufig abging.

Speziell Andre Iguodala und Neuling Davis sind Abwehrspezialisten, die Steals und Blocks liefern können. Die Anpassung an die internationale Spielweise scheint nach dem Kantersieg abgeschlossen.

Gerade im Aufbau und auf den Flügeln brauchen die NBA-Akteure immer wieder Zeit, um sich vom dem in Nordamerika dominierenden Eins-gegen-Eins auf mehr Ballbewegung und die Zonenverteidigung der Kontrahenten einzustellen.

"US-Team nicht unschlagbar"

Anthony und James sollen zudem mehr auf den großen Positionen agieren. Das soll gegnerische Big Man vorm Korb wegziehen. Die Einzelkönner kommen aber nicht völlig aus ihrer Haut. Die Fähigkeit, jederzeit gewaltige Zwischenspurts einzustreuen, ist die größte Gefahr für die Kontrahenten.

Vor dem Olympia-Auftakt am Sonntag gegen Frankreich (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gibt es aber auch Hoffnung für die Konkurrenz (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Denn in der Anfangsphase kamen die Spanier auch ohne den angeschlagenen Marc Gasol (Schulterprobleme) unter dem Korb des Topfavoriten zum Zug.

"Wir müssen vor dem Spiel am Sonntag keine Angst haben, das US-Team 2012 ist nicht unschlagbar", witterte auch Frankreichs Superstar Tony Parker Morgenluft.

Argentinier zeigen Taktik auf

Auch Brasilien und Argentinien stellten das US-Team zuletzt vor Probleme, weil sie die Dynamiker zu Würfen aus der Distanz zwangen. Trotz Anthonys Gala ist kein ausgesprochener Dreierspezialist dabei.

Neben den auch ohne Joakim Noah stark besetzten Franzosen und den abgezockten Argentiniern dürften auch die Scharfschützen aus Litauen dem Favoriten der Gruppe A einiges abverlangen. Tunesien und Nigeria werden bessere Trainingspartner sein.

"Sie sind fantastisch bestückt. Die Athletik neutralisiert diese kleinen Defizite. Gold geht nur über sie, aber wir werden in London stärker auftreten", versprach Spaniens Pau Gasol Gegenwehr.

Zum Rematch könnte es am 12. August kommen. Dann steigt in London das Finale.

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