Verdächtige Pleite - aber kein Protest
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Die Olympischen Spiele haben einen neuen Eklat um ein vermeintlich absichtlich verlorenes Spiel.
Nach der Disqualifikation von vier Damen-Doppeln im Badminton stehen nun Spaniens Basketballer am Pranger, die sich im letzten Vorrundenspiel bei ihrer 82:88-Schlappe gegen Brasilien verdächtig hängen ließen.
Durch die zweite Pleite in London rutscht der Doppel-Europameister auf den dritten Platz der Gruppe B - und geht dadurch den vermeintlich unschlagbaren USA bis zum Finale (im LIVE-TICKER) aus dem Weg ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Calderon reagiert empört
Spanische Medien hatten bereits im Vorfeld über eine strategische Niederlage spekuliert.
Trainer Sergio Scariolo wehrte sich jedoch nach der Partie vehement: "Ich habe eigentlich gar keine Lust, darüber zu reden. Das ist respektlos gegenüber meiner Person, den Spielern und dem spanischen Verband."
Auch Jose Calderon, Spielmacher der Toronto Raptors, reagierte empört: "Nein, niemals, so etwas würde unser Team nicht machen. Wir sind schon so lange zusammen und wollen immer gewinnen, immer!"
Coach K blendet Spanien aus
Das sehen die Franzosen, die nun im Viertelfinale statt Brasilien die stärker einzuschätzenden Spanier vor der Brust haben, womöglich anders.
Ein südamerikanischer Reporter behauptete gar, der Vize-Europameister habe beim Weltverband FIBA Protest gegen Spanien eingelegt.
"Davon haben wir bislang nichts gehört", teilte FIBA-Sprecher Simon Wilkinson auf SPORT1-Anfrage mit. "Wir glauben also, das ist nur ein Gerücht."
Mike Krzyzewski, Coach des Dream Teams, wollte zum spanischen Spiel keinen Kommentar abgeben, zumal er es nicht verfolgt hatte: "Das macht für mich keinen Unterschied. Wir spielen nun gegen Australien. Alle anderen Spiele bedeuten für mich nichts."
( SPIELBERICHT: James vom Blitz getroffen)
Parallelen zu 2009
Das verhält sich bei den Franzosen gewiss anders, dürften sie sich doch noch allzu gut an die EM 2009 erinnern.
Damals starteten sie mit fünf Siegen - und verloren im Viertelfinale überdeutlich gegen die Spanier, die sich bis dahin zwei Niederlagen geleistet und die Zwischenrunde nur auf Platz 4 abgeschlossen hatten.
Die Niederlage gegen Brasilien, das ohne seinen NBA-Center Nene angetreten war, wäre für die Spanier vermeidbar gewesen. Schließlich lagen sie im Schlussviertel bereits 67:57 vorn (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
Barbosa mit grandiosem Endspurt
Doch die Südamerikaner nutzten die Verschnaufpause der herausragenden Brüder Gasol, um eine Aufholjagd einzuleiten.
Pau Gasol von den L.A. Lakers kam zwar bald danach zurück aufs Feld, Marc (Memphis Grizzlies) allerdings erst vier Minuten vor dem Ende, als die Brasilianer die Partie bereits gedreht hatten.
Der pfeilschnelle Leandro Barbosa von den Indiana Pacers erzielte zehn seiner 23 Punkte in den letzten fünfeinhalb Minuten ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Brasilien trifft im Viertelfinale auf Argentinien und würde bei einem Sieg danach auf die USA treffen, falls die Australien besiegen.
Was wären die Olympischen Sommerspiele bloß ohne die hübschen Sportlerinnen aus aller Welt? Ob Beachvolleyball, Hockey oder Fußball: SPORT1 zeigt Bilder der schönsten Athletinnen. mehr...