Blaue Flecken nach Durants Schützenfest
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Mit weißer Weste hat das Dream Team die Vorrunde des olympischen Turniers abgeschlossen, nimmt aber einige blaue Flecken mit ins Viertelfinale gegen Australien (Mi., 22.15 Uhr im LIVE-TICKER).
Beim 126:97 (60:59)-Sieg der USA leisteten die ebenfalls bereits zuvor fürs Viertelfinale qualifizierten Argentinier erbitterte Gegenwehr ( SPIELBERICHT: James vom Blitz getroffen).
Und obwohl - oder weil - NBA-Topscorer Kevin Durant sie im dritten Viertel abschoss, ging es auch überhart und feindselig zur Sache.
Eine Rivalität mit Geschichte
Leidtragender war vor allem Carmelo Anthony, der sich nach einem Dreier zum 102:76 am Ende des Abschnitts gekrümmt gen Seitenlinie quälte.
"Er hat das nicht gemacht, um seinen Wurf zu feiern", übte sich sein Trainer Mike Krzyzewski in schwarzem Humor. "Er hat einen Schlag in die Leistengegend bekommen."
Nach unzähligen Duellen mit den routinierten Argentiniern, die auf ihrem Weg zum Olympiasieg 2004 die USA im Halbfinale ausgeschaltet hatten, bestehe durchaus eine Rivalität, gab Coach K zu.
James wütet unter dem Korb
"Da war ich 19 und habe in einer Collegeauswahl gespielt", erinnert sich Chris Paul. Anders als LeBron James, der damals nur drei Minuten auf dem Feld stand und drei Pünktchen erzielte.
Anfangs der zweiten Halbzeit setzte LBJ wie zwei Tage zuvor gegen Litauen die Initialzündung. Diesmal hatte sein Trainer dazu aufgerufen, ihn unter dem Korb in Szene zu setzen, wo der NBA-Champion seine körperliche Überlegenheit ausspielte.
"Wenn man einige einfache Körbe bekommt, schafft das außen Platz - und ihr habt gesehen, was Kevin da veranstaltet hat", schrieb sich James ein Teilverdienst an dessen atemberaubenden Dreiershow zu.
Durant im Rausch
Binnen 3:11 Minuten versenkte "Durantula" vier Dreier, den letzten aus mehr als acht Metern (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
Mit 17 Punkten erzielte er im dritten Abschnitt so viele wie alle Argentinier gemeinsam; am Ende hatte er 28 Punkte erzielt und acht seiner zehn Dreierversuche getroffen.
"Das war ein großartiges Gefühl", freute sich der 23-Jährige.
"Es war nicht ganz so gut wie Carmelo, aber ich war auf dem Weg dorthin", meinte. Scharfschützen Anthony hatte vier Tage zuvor gegen Nigeria mit 37 Punkten und zehn Dreiern Rekorde pulverisiert.
Wiedersehen im Halbfinale?
"Kevin ist unglaublich", schwärmte Paul, "wir müssen ihn anschreien, damit er überhaupt wirft. Und wenn er es dann macht, ist der Ball fast immer drin."
Auch Kobe Bryant war erleichtert, dass das Ergebnis letztlich deutlich ausfiel: "Du willst auch eine kleine Botschaft senden. Bereits das vorige Spiel war ja eng. Wir wollten ihnen kein Selbstvertrauen einflößen."
Zumal es bereits im Halbfinale ein Wiedersehen geben könnte - es wäre das dritte Mal in Folge bei Olympia. Dann wohl auch mit Argentiniens bestem Spielmacher Pablo Prigioni, der am Mittwoch wegen seiner Nierensteine aussetzte.
Campazzo schießt gegen Paul
Sein Ersatzmann Facundo Campazzo goss dafür schon mal Öl ins Feuer, als er sagte, Anthony habe keine Entschuldigung für den Hieb zu erwarten ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
"Chris Paul hat mich zuvor auch geschlagen", behauptete er. CP3 wiegelte allerdings bei SPORT1 ab: "So ging das doch die ganze Zeit, und darum geht es ja im Wettkampf. Campazzo ist schnell und hat seine Hände überall - da kriegt er auch mal was ab."
"Hart zu spielen ist doch großartig", pflichtete ihm James bei. "Das macht Spaß."
Und auch Coach Krzyzewski war mit der Intensität letztlich einverstanden: "Unsere Jungs haben sich sehr gut im Griff gehabt. Und auf beiden Seiten gab es nichts, was die olympischen Standards verletzt."
Bryant fände Finale gegen Russen unglaublich
Er sei stolz, dass sein Team als ungeschlagener Gruppensieger in die K.o.-Runde einzieht und dem Finale wieder einen Schritt näher sei.
Sieger der Gruppe B wurden indes die Russen, die den USA 1972 im Endspiel von München die erste, allerdings skandalträchtige, olympische Niederlage beibrachten ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan) .
Eine Neuauflage genau 40 Jahre später ist denkbar. "Das wäre etwas wirklich Besonderes", schaut Bryant bereits voraus. "Man stelle sich diese Geschichte vor. Unglaublich."
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