King James einmalig - Black Mamba aktiviert
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Während LeBron James einmal mehr bewies, dass er der dominanteste Basketballer auf diesem Planeten ist, meldete sich der zweite Superstar im Dream Team eindrucksvoll zurück.
Kobe Bryant beendete beim 119:86-Viertelfinalsieg der USA gegen Australien mit 20 Punkten nach der Halbzeit seine olympische Wurfkrise und strahlte, als er von SPORT1 erfuhr, dass er für die letzten vier seiner sechs Dreier gerade einmal 66 Sekunden gebraucht hatte.
"Ich habe keine Ahnung, ob mir das auch bei meinem 81-Punkte-Spiel gelungen ist", sagte der Altmeister von den Los Angeles Lakers. 2006 hatte er die zweitmeisten Punkte, die je ein Akteur in einem NBA-Spiel verbucht hatte, erzielt.
Doch in London waren es in der Vorrunde durchschnittlich nur 9,4 - bei einer dürftigen Erfolgsquote von 39 Prozent.
"Jemand hat ihn verrückt gemacht"
In der Heimat hatten sie sich Sorgen gemacht um die Verfassung des 33-Jährigen. Ob die nun vor dem Halbfinale gegen Argentinien (Fr., ab 22 Uhr im LIVE-TICKER) weggewischt seien? "Ich hoffe nicht", antwortete Bryant. "Dann würde es nicht so einen Spaß machen."
Noch in der ersten Hälfte hatte sich seine Misere fortgesetzt, die ersten vier Würfe verfehlten ihr Ziel.
"Ich habe irgendwas gesucht, das mich durchstarten lässt, etwas, das die Black Mamba aktiviert, wie mein Coach sagt", erklärte der fünfmalige NBA-Champion in Anspielung auf seinen selbsterwählten Spitznamen (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
"Jemand hat ihn verrückt gemacht", vermutete sein Mitspieler Kevin Durant. "ich konnte es in seinen Augen sehen." Und Carmelo Anthony, ebenfalls ein All-Star, reklamierte dies für sich: "Ich wusste, welchen Knopf ich bei ihm drücken musste."
Auch Aussies stacheln die "Mamba" an
"Er hat nur gesagt: 'Lass uns mal das sehen, was wir auch während der Saison von dir gesehen haben'", entzauberte Bryant die vermeintlichen Psychotricks von Melo. "Aber zu dem Zeitpunkt war ich bereits auf Touren."
Coach Mike Krzyzewski schrieb den unverzagten Australiern das Verdienst zu, Bryant angestachelt zu haben. Nach dem Seitenwechsel kämpfte sich der Ozeanienmeister mit elf Punkten in Folge auf 53:56 heran - dann biss die "Black Mamba" zu.
Während Kobe in der North Greenwich Arena mit Sprechchören gefeiert wurde, gingen die historischen Taten des LeBron James fast ein wenig unter ( SPIELBERICHT: Dream Team stürmt ins Halbfinale).
Kein Triple-Double beim 1992er-Triumphzug
Mit elf Punkten, zwölf Assists und 14 Rebounds schaffte er ein Triple-Double. Was in den 48-minütigen NBA-Spielen schon eine großartige Leistung ist, hat bei Länderspielen von 40 Minuten noch größere Seltenheit.
Coach K sagte SPORT1 zwar, er habe eine zweistellige Ausbeute in drei statistischen Kategorien schon mal bei internationalen Spielen gesehen. Aber einen US-Amerikaner bei Olympia kann er damit nicht gemeint haben.
Denn "King James" gelang Einmaliges, selbst im sagenumwobenen Dream Team von 1992 komplettierte keiner ein Triple-Double.
"Der Beste auf der Welt"
"Ich habe damals am Fernseher zugesehen und glaube, dass Scottie Pippen mal nah dran war", sagte Bryant SPORT1, irrte sich dabei allerdings: Mehr als drei Rebounds waren dem Adjutanten von Michael Jordan in Barcelona nie gelungen.
James legte wieder einmal dann zu, wenn es darauf ankam - eine Fähigkeit, die dem MVP lange abgesprochen wurde.
"Alle haben sich in den letzten zwei Jahren darüber den Mund fuselig geredet. Aber er hat gerade mit die besten Playoffs aller Zeiten abgeliefert", schwärmte Kevin Love ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Der Power Forward, der für seine Offensivrebounds im Schlussviertel Standing Ovations von den Mitspielern erhielt, stellte klar: "Er ist unser Leader, der mit gutem Beispiel vorangeht. Er zeigt uns immer wieder, dass er der Beste auf der Welt ist."
"Sonst spielen wir um Bronze"
Dass das Team USA das beste auf der Welt ist, steht eigentlich nicht zur Debatte. Mit sich zufrieden ist es allerdings nur bedingt: "Wir spielen zwar phasenweise ganz gut, müssen das aber mal 40 Minuten durchgängig tun", forderte Love.
Denn mit Argentinien, das mit Flügelspieler Manu Ginobili und Center Luis Scola selbst zwei NBA-Stars hat, steht den USA im Halbfinale wie 2004 (als sie verloren) und 2008 ein unbequemer Gegner gegenüber.
Zum dritten Mal in drei Wochen, nachdem die Südamerikaner in der Vorbereitung nur knapp unterlagen und sich noch am Sonntag mit Haken und Ösen gegen die Niederlage stemmten ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
"Die werden es uns wieder schwer machen", sagte Love zu SPORT1. "Wir müssen unser Bestes geben, sonst spielen wir am Sonntag um Bronze."
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