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Die USA gewann zum zweiten Mal in Folge Olympisches Gold im Basketball © getty

Die USA holen in einem hart umkämpften Finale ihren 14. Olympiasieg, aber die wehrhaften Spanier verlangen dem Goliath alles ab.

Aus London berichtet Michael Spandern

London - Das Dream Team hat seine härteste Prüfung bestanden und die Goldmission erfüllt.

Im hart umkämpften Traumfinale besiegten die USA den Europameister Spanien in der ausverkauften North Greenwich Arena mit 107:100 (59:58).

Es war der 14. Olympiasieg für die Basketballer aus den Vereinigten Staaten (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Bester Werfer im Team von Mike Krzyzewski, der sein Amt als Nationaltrainer nun niederlegt, war Kevin Durant vom Vizemeister Oklahoma City Thunder mit 30 Punkten, darunter fünf Dreier. LeBron James steuerte 19 Punkte bei.

Bei den Spaniern, die bereits vor vier Jahren im Endspiel von Peking (107:118) lange Paroli geboten hatten, ragten Center Pau Gasol und Kapitän Juan Carlos Navarro mit 24 bzw. 21 Punkten heraus.

Vier-Punkte-Spiel von Navarro

Bereits vor dem Sprungball umarmten sich Spaniens Leader Pau Gasol und Kobe Bryant, die nach dem Megatrade in der NBA auch bei den Los Angeles Lakers ein Starensemble vorfinden, innig.

Mit einem seltenen Vier-Punkte-Spiel von Navarro und einem Hakenwurf Gasols nahm der Europameister den auf dem Papier ungleichen Kampf auf ( 598710 DIASHOW: Die Bilder des Tages ).

Beim Goliath zeichnete NBA-Topscorer Durant mit Dreier, Korbvorlage und Sprungwurf trotz Fouls für das 7:5 verantwortlich.

Heftiges Foul an Durant

Doch "La Bomba" Navarro hielt mit zwei weiteren Dreiern zum 12:7 (4.) dagegen. Die Spanier scheuten auch keine Härten: Spielmacher Jose Calderon (Toronto Raptors) griff Durant beim Korbleger an die Gurgel und kassierte ein Unsportliches Foul.

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Mit jeweils zwei Dreiern von Bryant und Edel-Joker Carmelo Anthony setzte sich das Dream Team auf 25:16 ab.

Auch Deron Williams, der bereits vorab Schwedens Handballerinnen zur Goldparty eingeladen hatte, traf von außen und bediente hinter Gasols Rücken Kevin Love ohne hinzuschauen.

Zwischenspurt bringt Spanien nach vorn

Doch auch der Weltranglistenzweite brachte die rund 20.000 Zuschauer - darunter David Beckham, Arnold Schwarzenegger, Boris Becker und die spanische Königin Sofia - zum Staunen, als Sergio Rodriguez Rudy Fernandez, dem Ex-Mitspieler von Dirk Nowitzki in Dallas, einen Alley-Oop auflegte.

Durant verhinderte aber, indem er einen Wurf von Gasol abblockte, dass die Spanier mit Ablauf des ersten Viertels näher als auf 27:35 herankamen.

Dafür starteten diese furios in den zweiten Abschnitt, Rodriguez schloss mit einem Dreier einen 14:2-Run ab, der die Wende zum 39:37 brachte. In der Folge vergab Durant sogar einen Korbleger.

[kaltura id="0_d03v4q39" class="full_size" title="Deutsche Goldhelden in Feierlaune"]

USA schwächeln ohne James

Wirbelwind Rodriguez von Real Madrid rammte einigermaßen übermotiviert dem 24 Zentimeter größeren Chandler seine Unterarme vor die Brust - es folgte ein erregtes Zwiegespräch.

Mit 9:2 Punkten, sieben davon durch Freiwürfe, holten sich die USA die Führung aber zurück (50:44).

James tat sich nun erneut als Führungskraft hervor, rackerte, punktete, holte Rebounds. Doch als der Meister von den Miami Heat kurz auf der Bank verschnaufte, attackierten die Spanier noch mal den Korb.

Drei Sekunden vor der Halbzeit verlor Andre Igoudala erst den Ball und hielt dann Fernandez fest; der sorgte mit Freiwürfen dafür, dass die Vereinigten Staaten wie schon im Vorrundenspiel gegen Argentinien nur eine Punkt Vorspung in die Kabine nahmen.

Gasol nicht zu stoppen

Die USA, bis dahin sowohl bei den Assists mit 7:11 als auch bei den Rebounds mit 19:21 unterlegen, mühten sich nach dem Seitenwechsel vergeblich, Gasol im Zaum zu halten.

Der viermalige All-Star erzielte alle 13 Punkte seiner Farben zum 71:70 und ließ sich auch durch spektakuläre Aktionen von Bryant und James auf der Gegenseite nicht beeindrucken.

Nur Durants Dreiern war es zu verdanken, dass der Topfavorit sich wieder nach vorne kämpfte. Die Mitspieler des 23-jährigen Flügelspielers leisteten sich unerklärliche Aussetzer.

Schrecksekunde für Gasol

Williams versuchte über Ibaka zu stopfen, aber auch das ging schief. Nur 82:83 lagen die Mannen von Sergio Scariolo vor dem Schlussabschnitt zurück.

Paul, oft hart angegangen, erzielte fünf Punkte in Folge zum 90:84. Gasol bekam unter dem Korb einen Finger von James ins Auge, musste kurzzeitig für seinen Bruder Marc weichen.

Mit drei Freiwürfen und einem Halbdistanzwurf brachte Bryant die USA mit 97:87 in Front (36.), aber ungenaue Distanzwürfe und einige Fehlpässe ließen ihre Fans weiter zittern.

James lässt es krachen

Allerdings ließen die Gasol-Türme nun manche Chance aus, und "King James" ließ es eindrucksvoll krachen. Zwei Minuten vor Schluss sorgte er mit einem Dreier über Marc für die Vorentscheidung (102:93).

Die Spanier verzichteten lange auf zeitstoppende Fouls, und so fielen sich bereits eine halbe Minute vor der letzten Sirene einige Amerikaner in die Arme. Die Goldmission war erfüllt.