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Das US-Team hat bei insgesamt 18 Olympia-Teilnahmen 14 Mal Gold gewonnen © getty

Nach dem Olympiasieg der USA hört Coach K auf, LBJ lässt bei SPORT1 seine Zukunft offen. Spanien nimmt Durant zu wichtig.

Aus London berichtet Michael Spandern

London - Wie es LeBron James schaffte, sich unbemerkt in den Rücken seines Trainers zu schleichen, ist nicht überliefert.

Aber Mike Krzyzewski erzählte glaubhaft, dass er nach dem olympischen Finalsieg der USA gegen Spanien (Bericht) von der fälligen Energydrink-Dusche völlig überrascht gewesen sei.

Das ist einigermaßen erstaunlich, da die beiden seit 2004 durch Dick und Dünn gehen und sich entsprechend nahe stehen.

"King James" kam nach der Schlusssirene als erster Gratulant zu Coach K, während seine Mitspieler den hart erkämpften Erfolg noch mit Luftsprüngen feierten (598710DIASHOW: Die Bilder des Tages).

Schwur für drei Sommer

Das Halbfinal-Aus bei den Sommerspielen 2004 in Athen sei der Tiefpunkt des Programms USA Basketball gewesen, meinte James.

Dann übernahm Jerry Colangelo den Direktorposten, installierte Trainer Krzyzewski, und der wollte zunächst ein Bekenntnis der Eckpfeiler James, Carmelo Anthony und Chris Paul.

"Zu fünft haben wir uns geschworen, in den nächsten drei Jahren jeden Sommer zu versuchen, besser zu werden", berichtete James.

Und dass die USA trotzdem bei der WM 2006 erneut in der Vorschlussrunde scheiterte, habe das Band zwischen diesem Quintett nur noch gestärkt.

In einer Reihe mit Jordan und Russell

Zwar war die Weltordnung eigentlich schon nach dem Olympiasieg 2008 wieder hergestellt, doch Paul, Anthony und "King James" wollten diese Erfahrung noch mal teilen (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

James sagte SPORT1: "Auch nachdem ich mit Miami Champion geworden bin, habe ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, nicht hierher zu kommen."

Es hat sich gelohnt, seine Errungenschaften beeindrucken auch Krzyzewski: "Was für ein Jahr für ihn: NBA-Champion, MVP, Olympiagold. Nur zwei andere Spieler haben das je geschafft, Michael Jordan und Bill Russell. Und LeBron ist würdig, diesem Klub beizutreten."

James denkt nicht an Rio

"Der Zusammenhalt und die Kameradschaft - da würde ich unser Team höher als jedes andere einschätzen", sagte Coach K. Und dennoch legt er sein Amt nieder und lässt den Fünfer-Bund brechen.

Auch James mag noch nicht an neue Aufgaben mit dem Nationalteam denken, auch wenn er in Rio als erster US-Basketballer seine vierten Spiele erleben und mit acht weiteren Punkten den olympischen Landesrekord von David Robinson brechen könnte.

"Darüber mache ich mir noch gar keine Gedanken", sagte er SPORT1.

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Händeschütteln mit Doug Collins

Auch deshalb nannte Paul das Gold von London "bittersüß": "Es ist hart, weil du nie wieder die Gelegenheit kriegst, mit diesen Jungs zu trainieren und zu spielen. Ich hasse es, dass sie in ein paar Monaten wieder Feinde sein werden. Unser 2012er Team hatte etwas ganz Spezielles."

Zum Beispiel das Bewusstsein von Geschichte. So gingen die meisten des Dutzends nach Ende der Partie zu Doug Collins, um ihm die Hand zu schütteln.

Der heutige TV-Kommentator ist selbst einmal gescheitert, im skandalösen Finale von München 1972. "Wir wussten, was er bei Olympia für unser Land getan hat und was er durchgemacht hat", sagte Anthony.

"Wir wollten es so"

Anthony war wie James 2004 dabei, als Argentinien das vermeintliche Dream Team aus allen Träumen holte.

"Damals dachten wir, wir könnten einfach das Trikot überstreifen, zwei Wochen trainieren und dann gewinnen, weil wir jeder für sich großartig sind", erinnert sich James.

Ganz anders die Einstellung vor dem Endspiel gegen Spanien acht Jahre später: "Wir wussten es wird schwer. Und wir wollten es so."

Nicht einstudierte Abwehrvariante

Der Europameister erfüllte den Wunsch: Nur ein Punkt lag vor dem Schlussviertel zwischen den Gegnern.

"Ich bin sehr stolz darauf, wie wir gekämpft haben", meinte Spaniens Topscorer Pau Gasol (24 Punkte). "Aber du musst gegen die USA für 40 Minuten ein nahezu perfektes Spiel abliefern, sonst wird es schwierig."

Am Ende stellten sie sich selbst ein Bein, in dem sie dem starken Dreierwerfer Kevin Durant (30 Punkte) zu viel Aufmerksamkeit schenkten und ihn mit einer neuen Verteidigungsvariante stoppen wollten.

"Das war ein Fehler", stöhnte Gasol. "Wir haben etwas versucht, ohne es trainiert zu haben, und sie haben uns dafür bestraft."

Gold bedeutet alles für die USA

Sie - das war in diesem Falle vor allem James, der mit einem krachendem Dunking und einem Dreier sein Punktekonto auf 19 schraubte und den USA zwei Minuten vor Schluss ein Polster von neun Punkten verschaffte.

"Ich bin froh, in der Lage gewesen zu sein, diesem Team zurück an die Spitze zu helfen", freute sich der 27-Jährige.

Dann griff er zu seiner Medaille: "Das hier bedeutet mehr als der Name auf meinem Rücken. Es bedeutet meinem Land alles."