vergrößernverkleinern
Tim Ohlbrecht (l.) und Konrad Wysocki sind zwei Hoffnungsträger für die Zukunft © getty

Der DBB kämpft nach Olympia um seine Zukunft. Bundestrainer Bauermann erwartet einen Neuaufbau mit Rückschlägen und Dellen.

Peking - Dirk Nowitzki und Olympia sind Vergangenheit, für den deutschen Basketball hat der Kampf um seine Zukunft begonnen.

In einer weltweit florierenden Sportart steht die Nationalmannschaft nach zehn Jahren auf oberstem Niveau vor dem Sturz ins Mittelmaß oder vorübergehend sogar in die Zweitklassigkeit.

"Es wird beim Neuaufbau sicherlich einige Rückschläge und Dellen geben, aber wir müssen jetzt langfristig denken", erklärte Bundestrainer Dirk Bauermann.

Mit einem enttäuschenden Platz zehn, der schlechtesten Bilanz seit den Sommerspielen 1972 in München, hatte sich die DBB-Auswahl 16 Jahre nach der letzten Olympia-Teilnahme in Barcelona (Rang sieben) nach der Vorrunde aus dem Turnier in Peking verabschiedet.

Ziel heißt London

"Der Neuaufbau hat schon begonnen. Unser Ziel heißt London 2012", verkündete Wolfgang Brenscheidt, der ehemalige Sportdirektor und jetzige Generalsekretär des Deutschen Basketball Bundes (DBB).

Als gegen die USA in den letzten drei Minuten Nowitzki, der zumindest im nächsten Jahr, vermutlich jedoch überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen wird, zusammen mit Chris Kaman, Patrick Femerling, Pascal Roller oder auch Demond Greene auf der Bank saß, stand ein Teil der Zukunft bereits auf dem Parkett: Tim Ohlbrecht, Konrad Wysocki und Philip Ziemer.

Finanzielle Grundlage

Sie werden die Korsettstangen des neuen Teams bei der EM 2009 in Polen bilden, für die das DBB-Team aufgrund seiner letzten EM-Platzierung (5.) und der Qualifikation für Olympia gesetzt ist.

"Es wäre eine bittere Pille gewesen, wenn wir den Neuaufbau während einer Quali-Runde hätten beginnen müssen", erklärte Brenscheidt.

Die finanzielle Grundlage für den radikalen Umbruch hat der DBB mit den beiden Hauptsponsoren (ING DiBa bis 2010 und Nike bis 2012) mittelfristig geschaffen. "Und auch die Bundesmittel sind aufgrund der Olympia-Qualifikation vorerst stabil", berichtete Brenscheidt.

U20 als Fundus

Finanziert werden soll unter anderem ein Perspektiv-Kader. "Man muss überlegen, ob man 26- oder 27-Jährige beruft, die bisher keine Chance im Nationalteam bekommen haben, also die nächstbesten Spieler nimmt, oder junge Spieler mit internationalen Perspektiven ausbildet."

Zu einem wahren Fundus hat sich die U20-Auswahl entwickelt, die gerade in Europas A-Gruppe aufgestiegen ist.

Ohne Bundesliga läuft nichts

"Das ist eine gute Generation mit hochinteressanten Leuten um die 19 oder 20 Jahre", ergänzte Brenscheidt, der jedoch auch weiß: Ohne die Unterstützung der Bundesliga-Klubs läuft nichts.

Zwar zeigen die ersten Maßnahmen zur stufenweisen Quotierung der Ausländer schon Wirkung, aber richtig greifen werden diese erst in den nächsten Jahren.

Angst, dass das Nationalteam und der Basketball insgesamt zumindest für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden wird, haben die DBB-Funktionäre nicht.

Glücksfall Nowitzki

Dazu Brenscheidt: "Auch 1993, nach dem Gewinn der EM und Rücktritt einiger Leistungsträger, hat jeder gedacht: Das war's mit dem Basketball."

Doch danach kam der Glücksfall Dirk Nowitzki, der im Februar 1997 sein Länderspiel-Debüt feierte und während seiner 127 Auftritte im DBB-Trikot seinen Beitrag zu vielen Positiv-Schlagzeilen, WM-Bronze und EM-Silber leistete.

Von Medaillen kann die deutsche Nationalmannschaft in den nächsten Jahren aber nur träumen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel