Neymar: Paradiesvogel und Ballzauberer
Von Barnabas Szoecs
München - Was braucht ein guter Fußballer eigentlich, um ein gefeierter Superstar zu werden?
Nun, auf jeden Fall Selbstbewusstsein. Mehr noch: er braucht Extravaganz - auf und neben dem Platz.
Hinzu kommen natürlich riesiges Talent und - heutzutage fast schon das Wichtigste - ein geniales Gespür für mediale Selbstdarstellung.
Neymar da Silva Santos Junior, kurz: Neymar, vereint all diese Komponenten in Reinform. Und das im zarten Alter von 20 Jahren.
Kampfansage über Twitter
Beispiel gefällig? Als sich die Spanier vor Kurzem gegen Italien erneut auf den EM-Thron schwangen, twitterte der 1,74-Meter-Floh vom FC Santos keck über deren Spielmacher Andres Iniesta: "Das war nicht schlecht. Ich erwarte dich 2014."
Besser kann man sich aus der Ferne kaum ins Gespräch bringen.
Neymar als Hoffnungsträger
Der Ballzauberer mit der undefinierbaren Irokesen-Mischfrisur und dem ebenfalls kaum zu erklärenden Können beherrscht sein Handwerk perfekt, fußballerisch wie medial.
Genial-gewitzt schürt Neymar bereits das Feuer für 2014 - das Austragungsjahr der nächsten Fußball-WM.
Titelverteidiger ist Spanien, doch Gastgeber ist Brasilien - mit Neymar als Hoffnungsträger einer fußballverrückten Nation.
Werbeverträge en masse
Und das, obwohl Neymar eigentlich selbst noch ein Kind ist.
Mit elf Jahren kommt er zum FC Santos, überzeugt sofort und sichert seiner Familie so einen gewissen Wohlstand. Mit 17 wechselt er zu den Profis, reift zum Leader auf dem Platz - mit Legende Pele als Fan, Werbeverträgen en masse im Gepäck und der Last der herannahenden WM 2014 auf den schmalen Schultern.
"Bei meinem ersten Länderspiel kannte mich praktisch niemand", sagt Neymar bei "fifa.com": "Heute stellen sich die Gegner auf mich ein".
London als große Bühne
Bis 2014 steht er bei Santos unter Vertrag. Doch nur wenige Experten glauben, dass er seinen Vertrag dort erfüllen wird. Real Madrid und der FC Barcelona sind an ihm dran, die geschätzte Ablösesumme von 50 Millionen Euro dürfte kein allzu großes Hindernis darstellen.
Vor der WM im eigenen Land stehen jedoch die Olympischen Spiele auf dem Programm - genau die richtige Bühne für den extravaganten Brasilianer.
Der ganz große Durchbruch steht aus
In London soll nämlich her, was dem Dribbler, der in seiner Heimat beängstigenden Heldenstatus genießt und in Europa jedoch fast nie zu bewundern ist, noch zum Superstar-Status fehlt: ein großer Titel mit Weltniveau. Die olympische Goldmedaille.
In seiner brasilianischen Heimat holte er mit Santos 2011 zwar die Copa Libertadores, das südamerikanische Gegenstück zur Champions League. Doch der ganz große Durchbruch soll bei Olympia stattfinden.
Neymar glaubt an den Titel
Klar, dass er vom Potenzial der Selecao und der Chance auf den Olympiasieg - wie es sich für einen angehenden Weltstar gehört - überzeugt ist.
"Wir haben alles, was man braucht, um den Titel zu gewinnen", so Neymar: "Ich denke, Brasilien gehört bei jedem Wettbewerb zu den Favoriten. Das ist jedes Mal so. Und wir haben ein sehr gutes Nationalteam mit Spielern von hohem Potenzial."
Vorwürfe werden laut
Es überrascht nicht, dass dem begnadeten Flügelflitzer, der seine Gegner oft mit einem frechen Trick stehen lässt, Egoismus und Anflüge von Überheblichkeit vorgeworfen werden. Doch damit müssen auch Kaliber wie Cristiano Ronaldo oder Arjen Robben leben. Bei Olympia jedenfalls soll es laut Neymar einzig um die Selecao gehen.
"Wir müssen an einem Strang ziehen und uns zu einer starken Einheit zusammenschweißen", sagt Neymar: "Ich glaube, dass jeder Einzelne ein wichtiger Bestandteil ist und seine Aufgabe hat. Alle sind wichtig. Die 18 Spieler, die nominiert wurden, reisen stellvertretend für alle zum Turnier, die schon einmal dabei waren."
Neben Neymar schickt Brasilien-Coach Mano Menezes auch die Europa-Legionäre Hulk (FC Porto) und Pato vom AC Mailand nach London. Doch der Medienrummel wird dem Youngster mit der Vorliebe für umgedrehte Baseball-Caps gewiss sein.
Autogramm von Bolt?
Die wirklich großen Superstars will Neymar im Olympischen Dorf treffen:
"LeBron James und Usain Bolt laufen einem über den Weg. Ich habe meinen Freunden schon gesagt, dass ich der peinlichste Typ im Dorf sein werde. Mit peinlich meine ich, dass ich ständig Fotos machen werde."
Ob sich James und Bolt nach Olympia ein Autogramm vom Brasilianer holen werden, steht in den Sternen ( PORTRÄT: Usain, der Unglaubliche).
Neymar jedenfalls wird sich ihre Unterschriften ergattern, so, wie es angehende Superstars Anfang 20 eben machen: "Ich werde sie um gemeinsame Fotos und Autogramme anhauen. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich sie ansprechen werde, aber ich werde es machen."
Was wären die Olympischen Sommerspiele bloß ohne die hübschen Sportlerinnen aus aller Welt? Ob Beachvolleyball, Hockey oder Fußball: SPORT1 zeigt Bilder der schönsten Athletinnen. mehr...