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Neymar da Silva Santos Junior geht in Brasilien für den FC Santos auf Torejagd © getty

Die Selecao ist am Boden nach dem zwölften gescheiterten Anlauf auf Gold. Trainer Menezes und auch Neymar stehen in der Kritik.

London - Der große Pele wollte gar nicht mehr hinsehen, Neymar saß auf dem Rasen und weinte bittere Tränen.

Keine 15 Meter entfernt von dem gefallenen Jungstar hüpften die Olympiasieger aus Mexiko freudetrunken über den Platz.

Minuten später sollten sie die Goldmedaillen umgehängt bekommen, die für Neymar und die Brasilianer reserviert gewesen schienen.

Doch der Selecao blieb in London wieder nur Silber (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

"Fußball ist ein Überraschungspaket. Manchmal gewinnt die beste Mannschaft eben nicht", twitterte Pele traurig.

Zum zwölften Mal gescheitert

Neymar sprach von einer "einmaligen Gelegenheit. Jetzt können wir nur noch weinen." Die Silbermedaille, "die niemand wollte" ("Correio Braziliense"), hatte er da längst abgelegt ( 598333 DIASHOW: Die Bilder des Tages ).

Seinen wilden Haarschnitt unter einer dunkelblauen Basecap verborgen, die Augen zu Schlitzen verengt, versuchte der 20-Jährige zu erklären, was nicht zu erklären war: 1:2 (0:1) gegen Mexiko.

Wieder kein Gold, auch nicht beim zwölften Olympia-Auftritt des Rekordweltmeisters. "Die Generation Neymar kann den Fluch nicht besiegen", schrieb "O Globo".

Peralta Brasiliens Albtraum

Mit dem schnellsten Tor in einem olympischen Finale hatte Oribe Peralta Mexiko bereits nach 28 Sekunden in Führung gebracht.

Der 28 Jahre alte Stürmer besorgte per Kopf mit seinem vierten Turniertor (75.) auch das 2:0, Hulks Anschlusstreffer kam zu spät (90.+1) für Brasilien. Wie 1984 und 1988 blieb Silber und die vage Hoffnung auf den sechsten WM-Titel zu Hause in Rio 2014.

"Das bleibt unser Ziel, ich denke nicht, dass es jetzt gefährdet ist", sagte Trainer Mano Menezes, der den sechsten Titel in zwei Jahren holen soll.

Heftige Kritik an Menezes

Wenn er denn darf. Gleich nach dem Spiel hagelt es Kritik an ihm. Der frühere Weltklassestürmer Romario nannte ihn bei "TV Record" einen "Trainer, der keine Ahnung hat, wie man das Team aufstellt".

Menezes allein trage die Schuld für die Niederlage. Romario hofft, "dass er nie wieder die Kleidung der Selecao überstreift". Und Menezes selbst wusste sofort, was ihm blüht. "Jeder Coach muss auf die Konsequenzen gefasst sein, wenn er verliert", sagte er.

Taktische Reife fehlt

Pele und 86.161 weitere Fans im ausverkauften Wembley-Stadion sahen unreife, taktisch mitunter überforderte Brasilianer. Neymar gab dem Team keine Richtung. "Die Generation ist gut", behauptete Romario dennoch: "Die meisten werden 2014 dabei sein."

Er nannte Kapitän Thiago Silva, Neymar, Lucas, Oscar und Leandro Damiao, mit sechs Treffern Torschützenkönig der Spiele.

"Ich kann heute nicht sicher sein, ob ich 2014 oder 2016 dabei bin", sagte Neymar dagegen. 2016 finden die Spiele am Zuckerhut statt. "Der Traum von Gold reist von London nach Rio", schrieb "Zero Hora".

Neymar hinterlässt Fragezeichen

Er sei in den vergangenen zweieinhalb Wochen "reifer geworden", meinte Neymar, "das wird mir helfen".

Viele europäische Experten und manchen Kritiker zu Hause hat er bei seinem ersten Turnier in Europa nicht überzeugt. Die Zeitung "Estadao" schrieb nach dem "silbernen Albtraum", Neymar habe "die Inspiration gefehlt".

Romario macht Hoffnung

Als Neymar mit hängenden Schultern, seine zotteligen Strähnchen tief ins Gesicht gekämmt, das Wembley-Stadion verließ, sprach ihm Romario aus der Heimat Mut zu.

"Ich habe auch ein olympisches Finale verloren (1988), und viele haben gesagt, wir seien Verlierertypen. Aber wir haben es allen gezeigt."

1994 gewannen er und einige andere "Versager" von Seoul in den USA den WM-Pokal.

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