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Hassan Moustafa (M.) bei der WM 2007 mit Horst Köhler (l.) und Horst Bredemeier © getty

Kurz vor dem olympischen Handball-Turnier kocht der Skandal um ein manipuliertes Spiel in der Qualifikation der AHF erneut hoch.

Von Julian Meißner

München - Anfang September 2007 wurde das kuwaitische Team in der Partie gegen Südkorea im japanischen Toyota vom jordanischen Schiedsrichtergespann nachweislich klar bevorteilt und siegte 28:20.

Die Araber sicherten sich so zunächst die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Die ursprünglich für das Spiel angesetzten deutschen Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich waren kurz vor Anpfiff durch die beiden international völlig unerfahrenen Jordanier Nasr Hirzallah und Jaafar Alshobaki ersetzt worden.

Moustafa in Absetzung offenbar involviert

Entgegen früherer Behauptungen berichten nun mehrere deutsche Zeitungen: Hassan Moustafa, Präsident des Handball-Weltverbandes IHF, sorgte offenbar höchstpersönlich für die Absetzung des renommierten deutschen Gespannnes.

Grundlage der Enthüllungen ist eine 41-seitige Urteilsbegründung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS, die kürzlich öffentlich gemacht wurde.

Die AHF hatte erfolglos gegen die durch die IHF angesetzte Wiederholung der Qualifikation geklagt.

Moustafas Verstrickung in die Affäre ist wohl nicht mehr von der Hand zu weisen. Vor Gericht erklärten die IHF-Anwälte, der Präsident habe eingesehen, dass er "einen Schritt zu weit" gegangen sei.

Bei der IHF in Basel war am Freitagnachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Es war beschämend"

Den Jordaniern war zuvor in einem Gutachten der IHF-Schiedsrichterkommission nachgewiesen worden, dass sie das Spiel absichtlich zu Gunsten der Kuwaitis beeinflusst hatten. In skandalöser Weise hatten sie die Außenseiter in 38 Situationen begünstigt.

"Es war beschämend zu sehen, aber wir konnten nichts machen, sondern nur zusehen", sagte der deutsche Schiedsrichter Lemme damals.

Der Skandal von Toyota schlug hohe Wellen: Das Internationale Olympische Komitee IOC forderte die Wiederholung und drohte der IHF mit harten Sanktionen für die Spiele in Peking. Dem Handball - zumindest den asiatischen Verbänden - drohte der Ausschluss.

Südkorea gewinnt Wiederholung

Unter dem Druck des olympischen Dachverbandes wurde schließlich eine Wiederholung der Qualifikation angesetzt.

Die Südkoreaner um den ehemaligen Hamburger Kyung-Shin Yoon schlugen Kuwait und treffen nun am 10. August in ihrer ersten Vorrundenpartie auf das deutsche Team.

Die Rolle Hassan Moustafas, der bereits in der Vergangenheit bei der zweifelhaften Vergabe der WM 2005 an Tunesien und mit fragwürdigem Geschäftsgebahren in Sachen Dienstreisen negative Schlagzeilen machte, ist hoch brisant.

Vielsagendes Fax

Das Magazin "Der Spiegel" zitierte schon Ende vergangenen Jahres aus einem Fax des mächtigen kuwaitischen AHF-Präsidenten Ahmed al-Fahd-al-Sabbah an Moustafa.

Darin beschwerte sich der Scheich darüber, dass die IHF nicht nur Beobachter, sondern auch Technische Delegierte und Schiedsrichter nach Toyota entsenden wollte.

Der Kuwaiti, dessen Landsmänner damals von der verschobenen Partie profitierten, erinnerte Moustafa an eine alte Absprache: "Du hast mir persönlich versprochen, dass die kontinentalen Qualifikationsturniere unter dem Schirm der Kontinentalverbände bleiben sollen."

Weiter fest im Sattel

Trotz des Skandals sitzt der Ägypter als globaler Herrscher über den Handball nach wie vor fest im Sattel.

Auch bei den Spielen in Peking ist er Mitglied in dem vierköpfigen Rat, der die Schiedsrichteransetzungen des olympischen Turniers kontrolliert.

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