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Schock für die Weltmeister: Hens fällt lange aus. Brand muss improvisieren, doch die Rolle der DHB-Auswahl hat sich verändert.

Von Michael Schwartz

Peking/München - Deutschlands Handballer stehen unter Schock:

Ohne Pascal Hens muss die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand die Operation Gold fortsetzen.

Der Hamburger zog sich bei der bitteren 29:33-Niederlage gegen Island eine schwere Knieverletzung zu.

Im Krankenhaus des Olympischen Dorfes wurde ein Bruch des Schienbeinkopfes im linken Bein festgestellt, teilte der DHB auf seiner Homepage mit.

Hens, der nun umgehend nach Deutschland zurückkehren wird, um sich in Hamburg untersuchen zu lassen, wird den Saisonstart verpassen und dem Bundesliga-Dritten lange fehlen.

"Mit dieser Verletzung wird er voraussichtlich acht bis zehn Wochen ausfallen", sagt Nationalmannschafts-Arzt Dr. Berthold Hallmaier.

Der dritte Ausfall

Die Chancen des Weltmeisters auf eine Medaille sind durch den Ausfall des Torjägers stark gesunken. Die Rolle hat sich verändert, vom Mitfavoriten zum Außenseiter.

Auf der Königsposition ist es bereits der dritte Rückschlag: Erst die Absage von Oleg Velyky (Kreuzbandriss), dann das Aus wenige Tage vor dem Olympia-Auftakt von Lars Kaufmann (Muskelfaserriss) und nun das Drama um Hens.

Schon 2004 verletzt

Der Rechtshänder hatte sich bereits 2004 bei den Spielen in Athen verletzt, verpasste damals die entscheidende Woche wegen eines Bandscheibenvorfalls.

"Das hat mich damals nicht aus der Bahn geworfen, und das wird es auch jetzt nicht tun", sagte "Pommes" und meinte fast trotzig: "In vier Jahren bei Olympia in London bin ich wieder dabei.

Versprochen."

Für den Hamburger wurde noch am Abend der Wetzlarer Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen, der für Peking mit einer P-Akkreditierung ausgestattet wurde, nachnominiert.

Kraus im linken Rückraum

Nach Hens' Ausfall muss nun improvisiert werden. Michael Kraus spielte schon gegen Island im linken Rückraum, war mit 13 Treffern überragender Werfer. Oliver Köhrmann wird als Spielmacher verstärkt Einsatzzeit bekommen. "Ich befürchte, dass uns das sehr beeinträchtigen wird", sagt Brand und wirkte fast ein bisschen fatalistisch: "Vielleicht haben wir ja das Glück, dass trotzdem alles zusammenpasst."

Einen Sieg brauchen die Handballer noch zum Viertelfinal-Einzug. Schon in der Nacht zu Donnerstag gegen Ägypten gibt es die nächste Chance.

Stimmung wird schlechter

Dann geht es auch darum, die Stimmung aufzubessern. Die ist nach dem Dienstag schlechter geworden.

"Was sich schon im Auftaktspiel angedeutet hatte, wurde hier bestätigt. Die Mannschaft kann offensichtlich über 60 Minuten keine konstante Leistung halten. Es gab zwar auch einiges Licht wie bei Mimi Kraus, aber leider viel mehr Schatten", meint DHB-Präsident Ulrich Strombach.

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