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Bei der Weltmeisterschaft noch Torschützenkönigin: Grit Jurack © getty

Großes Rätselraten nach dem Vorrunden-Aus: Weit entfernt von den Medaillenrängen verabschieden sich die DHB-Frauen aus Peking.

Peking - Rekordtorschützin Grit Jurack hatte sich schon mit einer Medaille bei der Abschlussfeier im "Vogelnest" gesehen, doch bei Olympia kam für die deutschen Handballerinnen der tränenreiche Absturz.

Weit entfernt vom erträumten Edelmetall scheiterten sie schon in der Vorrunde und verabschiedeten sich ratlos aus Peking.

"Vielleicht war der Druck für uns zu groß", sagte Bundestrainer Armin Emrich: "Es wäre sicherlich klüger gewesen, von Spiel zu Spiel und nicht gleich ans Viertelfinale zu denken."

Weit entfernt von allen Zielen

Selbst von diesem Minimalziel war die Mannschaft des Deutschen Handball-Bundes (DHB) bei ihren ersten Olympischen Spielen seit Atlanta 1996 schließlich weit entfernt.

Die insgesamt beste Turnierleistung beim 29:30 (14:16) im letzten Gruppenspiel gegen Weltmeister Russland hatte keine Bedeutung mehr, nachdem Schweden zuvor mit einem Erfolg gegen Brasilien (25:22) schon für das eigene Weiterkommen und das deutsche Aus gesorgt hatten.

Emrichs Vertrag verlängert

Dabei war es seit dem Amtsantritt von Emrich im Februar 2005 bislang immer nur bergauf gegangen. Dem sechsten Platz bei der WM vor drei Jahren waren Rang vier bei der EM 2006 und das viel umjubelte Bronze bei der WM in Frankreich im vergangenen Jahr gefolgt.

Der Trainer steht nicht zur Diskussion. "Diese grundsätzliche Frage stellen wir nicht. Wir haben gerade verlängert mit Armin Emrich, der Vertrag muss nur noch unterschrieben werden", sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier, in Peking auch Delegationsleiter der Handaller.

Großes Rätselraten

Die Frage nach dem Warum bleibt aber bestehen, eine richtige Antwort hatte so direkt keiner.

"Wir haben unsere Leistung zu keinem Zeitpunkt abgerufen, das ist echt bitter. Bei der WM sind wir noch auf einer Erfolgswelle geschwommen, da gelingen Dinge, die sonst nicht gelingen. Das hat hier völlig gefehlt", sagte Spielmacherin Maren Baumbach.

Leistungen zu schwankend

Tatsächlich war die Leistung jeder Einzelnen in Peking viel zu schwankend und die individuelle Fehlerquote viel zu hoch. Nie war das komplette Team auf höchstem Niveau.

Auch Kapitän Grit Jurack, vor acht Monaten bei der WM noch Torschützenkönigin, spielte, gehandicapt von einer Muskelverhärtung im Oberschenkel, lange unter Form.

Emrich mochte ohnehin keine Einzelkritik an Jurack üben. "In Frankreich war sie am obersten Limit und hat absolute Weltklasse gespielt. Es wäre unfair, wenn man dieses Level immer als Maßstab nehmen würde". sagte er.

Keine Zeit zum Nachdenken

Lieber soll die Fehleranalyse von Peking vorangetrieben werden.

"Vielleicht hatte es auch mit den ganzen Ablenkungen hier bei den Spielen zu tun. Es waren viele kleine Räder, die nicht ineinandergegriffen haben", meinte Bredemeier.

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, dafür gibt es schon bald die Chance zur Wiedergutmachung: Vom 2. bis 14. Dezember wird in Mazedonien der Europameister gesucht.

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