"Man spielt noch mehr für Deutschland"
Von Annette Bachert
München - Maximilian Müller ist Olympiasieger, Welt- und Europameister.
Er ist der Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Und das alles mit gerade einmal 25 Jahren.
Gestillt ist sein Erfolgshunger aber noch lange nicht.
Nach den Spielen in London, bei denen die DHB-Auswahl als Favorit an den Start geht, will er zumindest "nochmal Weltmeister werden".
Im SPORT1-Interview spricht der gebürtige Nürnberger über die Chancen auf die Titelverteidigung, die deutsche Stärke, die Party-Stimmung im Olympischen Dorf und seine persönlichen Ziele.
SPORT1: Olympia steht vor der Tür. Wie groß ist die Anspannung bzw. die Aufregung?
Maximilian Müller: Beides hält sich noch in Grenzen. Bei der Einkleidung gab es zwar ein kleines Hoch. Aber jetzt ist die Phase, wo es noch einiges zu organisieren gibt und da stehen andere Dinge im Vordergrund.
SPORT1: Sie waren bereits in Peking dabei. Beschreiben Sie doch mal dieses olympische Flair...
Müller: Dieser Zusammenschluss der vielen Sportarten auf allen Ebenen führt zu einem ganz anderen Gefühl als bei einer Weltmeisterschaft. Man spielt noch viel mehr für Deutschland, als man es sonst tut. Solche Dinge wie der Einlauf, wo so viele Sportler einmarschieren und so viele Menschen zusehen, gibt es nur alle vier Jahre bei den Olympischen Sommerspielen. Dieses Gefühl ist der Wahnsinn und bereitet Gänsehaut.
SPORT1: In Peking holten Sie mit dem Team Gold, auch bei den letzten Großereignissen waren Sie ganz vorne dabei. Kann in London nur die Titelverteidigung das Ziel sein?
Müller: Das würde ich nicht sagen. Dafür ist der Mannschaftssport immer mit so vielen Variablen bestückt, die man nicht beeinflussen kann. Wir haben uns erst mal das Halbfinale als Ziel gesetzt. Die Gruppe ist ausgeglichen, es gibt keinen einzigen vermeintlich leichten Gegner. Wir müssen also fünfmal Vollgas geben, um überhaupt ins Halbfinale zu kommen. Dann ist aber klar die Medaille im Fokus.
SPORT1: Was macht das deutsche Team so gut?
Müller: Die hervorragende Mischung. Wir haben sehr gute Einzelspieler, super Verteidiger, wahnsinnig kreative Spieler und gute Eckenschützen. Wir haben eigentlich von allem ein bisschen etwas, trotzdem arbeitet nicht jeder vor sich hin. Die Mannschaft ist als Team sehr stark.
SPORT1: Als noch junger Athlet haben Sie beinahe alles erreicht. Was treibt Sie persönlich noch an?
Müller: Ich bin ein sehr zielorientierter Mensch. Wenn ich mir keine Ziele setzen würde, dann könnte ich nicht trainieren, weil ich keine Motivation hätte. Ich zehre also von meinen Zielen und die Olympischen Spiele sind ein gigantisches Ziel, wo man unfassbar viel erreichen kann. Und wenn die Spiele vorbei sind, dann will ich nochmal Weltmeister werden. Wenn das vorbei ist, dann ist wohl auch die Karriere vorbei. Im Verein sind noch einige Ziele offen, wie z.B. nicht abzusteigen.
SPORT1: Das Vorbereitungsturnier in Düsseldorf haben sie gewonnen. So richtig zufrieden waren Sie allerdings nicht. Warum?
Müller: Bei Vorbereitungsspielen zählt ja generell das Ergebnis nicht, das wird in London ganz anders sein. Wenn wir da siebenmal schlecht spielen und trotzdem alles gewinnen, dann wäre mir das auch recht. Die Vorbereitungsspiele haben schon gezeigt, dass wir noch Luft nach oben beim Kombinations- und Konterspiel haben. Wir haben auch noch diese deutsche Härte vermissen lassen, die wir normalerweise in der Verteidigung an den Tag legen.
SPORT1: Als Kapitän, welche besonderen Aufgaben kommen da auf Sie zu und was bedeutet ihnen dieses Amt?
Müller: In unserer Mannschaft ist es gar nicht so wichtig, wer Kapitän ist. Wir haben eine sehr flache Hierarchie und eine Menge kluge Köpfe im Team. Von daher ist das Kapitänsamt gar nicht so wichtig, trotzdem hat man natürlich ein paar Zusatzaufgaben. Ich versuche auch bei der Organisation für unseren London-Aufenthalt mitzuwirken.
SPORT1: Für Olympia haben sich nur wenige deutsche Mannschaften qualifiziert. Erhöht das den Druck erfolgreich sein zu müssen?
Müller: Das glaube ich nicht. Man wird spüren, dass etwas mehr Aufmerksamkeit da ist und der Fokus mehr auf uns gerichtet wird. Mehr Druck macht uns das aber nicht. Wir wollen immer den größten Erfolg.
SPORT1: Überhaupt ist das deutsche Aufgebot sehr klein. Befürchten Sie, dass sich das auf die Stimmung im olympischen Dorf auswirken könnte?
Müller: Das glaube ich nicht. Die Stimmung ist immer etwas Besonderes, egal wie viele Sportler da sind. Und es wird auch diesmal wieder so sein. Wenn natürlich weniger Sportler da sind und deshalb weniger Medaillen gewonnen werden, dann gibt es natürlich weniger zu feiern.
SPORT1: Wie ist das Verhältnis der Sportler untereinander?
Müller: Von vornherein kennt man natürlich nicht so viele Sportler. Man kennt vor allem die Leute, die aus derselben Region kommen. Aber während den Spielen hat man viel Zeit und verfolgt die anderen Wettkämpfe. So kommt man dann ganz gut ins Gespräch und lernt den einen oder anderen zusätzlich kennen.
SPORT1: Sollte es ein paar Stunden Freizeit in London für Sie geben, welche anderen Sportarten wollen Sie sich ansehen?
Müller: Ich fände es toll ins Olympiastadion zu gehen und mir Leichtathletik anzuschauen. Normalerweise bin ich ein großer Teamsport-Fan, aber das wird diesmal schwierig, sich da etwas anzuschauen. Was ich auch interessant fände, wäre BMX oder auch Tontaubenschießen.
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