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Kapitän Maximilian Müller (r.) und Co. reisen als Goldhoffnung nach London © getty

Weise überlegt sich für den Medaillengewinn bereits eine ausgefallene Aktion. Zeller vermisst die Ballsportler schon jetzt.

Frankfurt/Main - Die frechen Sprüche seiner Schützlinge am Flugsteig B20 quittierte Markus Weise mit einem erhabenen Lächeln.

Die bescheidene Ausbeute von einem Treffer an der Torwand im "Aktuellen Sportstudio" brachte dem Hockey-Bundestrainer beim Wiedersehen mit den Nationalspielern am Montag zwar ein wenig Spott ein.

Doch für Weise war der kleine Spießrutenlauf vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen nach London auch ein Indiz für die gute Stimmung in seinem Team.

"Die Jungs haben richtig Bock. Es liegt eine lange Vorbereitung hinter uns, wir haben schöne Klamotten, jetzt soll es schon eine Medaille sein", sagte Weise in Frankfurt (EXKLUSIV: Kapitän Maximilian Müller im Interview).

"Es wird härteste Arbeit gefordert sein"

Wohlwissend, dass das Unternehmen Goldmedaille für den Olympiasieger von 2008 trotz 100 zentralen Lehrgangstagen seit gut einem Jahr kein Spaziergang wird.

"Es wird härteste Arbeit gefordert sein. Aber Olympische Spiele sind für solche Sportarten wie unsere alles. Da musst du vorne dabei sein", meinte der 49-Jährige, der so etwas wie der Star der Mannschaft ist.

Weise diesmal nicht als Flitzer

Ein kluger Kopf, aber auch ein Kumpel-Typ, der seine Olympiasieger von Peking einst als "Patienten, Chaoten und starke Typen" bezeichnete.

Die lockere Art kennt aber auch ihre Grenzen.

Als die Hockey-Frauen 2004 in Athen unter seiner Führung Gold holten, lief Weise nicht wie versprochen splitternackt durchs olympische Dorf.

"Trotzdem habe ich da keine Rechnung mehr offen. Ich werde mir für dieses Mal etwas Neues überlegen", kündigte der Mannheimer an.

[kaltura id="0_4clbyya7" class="full_size" title="Rinne träumt von Gold"]

Traumschiff ohne Hockey-Herren

Eine Mutprobe auf dem Traumschiff fällt schon mal weg.

Wenn ein Teil der deutschen Olympioniken nach dem Ende der Sommerspiele auf der MS Deutschland die mehrtägige Heimreise von den Docklands in London nach Hamburg antritt, werden die Hockeyspieler fehlen.

"Es ist kein Platz mehr für uns auf dem Schiff. Das lag wohl auch an unserer anfänglichen Unentschlossenheit. Es war ein Missverständnis", berichtete Christopher Zeller schulterzuckend.

Ballsportler als Party-Kracher

Der Siegtorschütze des olympischen Finals von Peking bedauert es, dass diesmal zum Beispiel die deutschen Basketballer und Handballer fehlen.

"Das ist schade, denn die Ballsportler sorgen immer für viel Stimmung im Team", meinte Zeller und erinnert sich an die Begegnung mit NBA-Star Dirk Nowitzki vor vier Jahren: "Er kam wirklich nett und sympathisch rüber."

Peking-Schläger nicht "heilig"

Abergläubisch ist Zeller nicht. Seine Tasche mit den drei Schlägern hat der Leistungsträger von Rot-Weiss Köln brav am Lufthansa-Schalter aufgegeben. Von wegen, verlängerter Arm und so.

"Ich würde nicht sagen, dass die Schläger mir heilig sind", sagt der 27-Jährige, der den Siegstock von 2008 zu Hause auch nicht an exponierter Stelle platziert hat: "Der liegt wie die Medaille auf einem Regal, aber man sieht sie kaum. Und ich habe mir beides vor dem Abflug auch nicht mehr angeschaut."

Kein Boom trotz Medaille?

Ebensowenig wie TV-Aufnahmen seines goldenen Tores von Peking.

Zeller: "Da stellt sich nicht so eine Zufriedenheit ein. Olympia unterscheidet sich von Mal zu Mal."

Und der gebürtige Münchner ist Realist.

Selbst wenn das Weise-Team wieder auf dem obersten Podest landen sollte, rechnet Zeller nicht mit einem Boom: "Dann steht drei Tage was über uns in der Zeitung. Und das wars."

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