Golden Girls und das ewig junge Duell mit Oranje
Von Rainer Nachtwey
München/London - Die ersten Partien sind noch gar nicht gespielt, doch die Sportart Hockey hatte ihre großen Auftritte bereits vor der Eröffnungsfeier.
Der DOSB ernannte Rekordnationalspielerin Natascha Keller zur Trägerin der deutschen Fahne beim Einmarsch der Olympia-Auswahl während der Eröffnungsfeier ( BERICHT: Keller trägt die deutsche Fahne).
Zuvor hatte Kate Middleton, die Herzogin von Cambridge, die Hockey-Anlage mit dem Trainingsplatz und der Wettkampfstätte Riverbank Arena besucht.
Herzogin Kate glänzt
Und obwohl die Ehefrau von Prinz William, die selbst auf dem Marlborough College den Hockey-Schläger geschwungen hatte, vorher mit ihren Fähigkeiten haderte - "Ich werde mich blamieren" -, hinterließ sie vergangenen Samstag einen guten Eindruck.
"Man konnte sehen, dass sie früher selbst gespielt hat. Ihre Schüsse waren richtig gut", sagte Kate Walsh, Kapitän der britischen Damen-Nationalmannschaft.
DHB-Herren als Topfavorit
Auch wenn die Herzogin nicht zum Olympia-Aufgebot der Britinnen gehört, die Gastgeberinnen zählen neben der deutschen Mannschaft durchaus zu den Medaillenkandidaten.
Auch bei der männlichen Konkurrenz sind die Briten im erweiterten Favoritenkreis vertreten, als Gold-Kandidat Nummer eins gilt aber die deutsche Auswahl von Bundestrainer Markus Weise, die auch Titelverteidiger ist.
SPORT1 stellt die Favoriten der Damen- und Herren-Turniere vor.
Damen:
• Deutschland (2008, Platz 4):
Bundestrainer Michael Behrmann hat eine Mischung aus erfahrenen, routinierten Spielerinnen wie den 2004-Siegerinnen Fanny Rinne, Mandy Haase und Keller sowie aufstrebenden Jungen, die in London ihr erstes großes Turnier bestreiten. Für die Golden Girls Rinne, Haase und Keller ist es in London der letzte Auftritt.
In der 6er-Staffel mit Argentinien, den USA, Neuseeland, Südafrika und Australien qualifizieren sich die ersten beiden Teams für das Halbfinale.
Eine Medaille ist das Ziel, am besten Gold, auch wenn der Bundestrainer das G-Wort nicht in den Mund nimmt: "Ich glaube wir können schon einiges erreichen", sagte er, warnt aber auch: "Wir haben eine sehr starke Gruppe."
• Argentinien (2008, Platz 3):
Mit der deutschen Mannschaft der Topfavorit in der Gruppe B: Insbesondere dank der "Maradonna des Hockeys" Luciana Aymar. In Argentinien ist sie ein absoluter Superstar.
Und seit dem WM-Titel 2010 in Rosario hat die bald 35-Jährige - sie feiert am Finaltag Geburtstag - einen Helden-Status in der Heimat inne. Behrmann weiß um die Stärken der Südamerikanerinnen.
"Bei den Argentinierinnen ist Training unter professionellen Strukturen möglich. Außerdem haben sie mit Lucyana Aymar die beste Spielerin der letzten 4 Jahre, die Spiele alleine entscheiden kann", sagt der Bundestrainer bei SPORT1.
• Niederlande (2008, Platz 1):
2011 Europameister, 2010 Vize-Weltmeister, 2009 Europameister, 2008 Olympiasieger - die Niederländerinnen beherrschen in den letzten Jahren den Hockey-Sport bei den Damen.
Kein Wunder also, dass das Nachbarland als der große Favorit auf die Goldmedaille gilt.
"Sie haben starke Einzelkönner und die beste Eckenschlenzerin der Welt mit Marthe Paumen", sagt Behrmann. 2011 löste Paumen Aymar als Welthockeyspielerin ab.
• Großbritannien (2008, Platz 6):
Die Engländerinnen zeigten 2010 in Rosario mit WM-Bronze, warum sie hinter der niederländischen und deutschen Auswahl als die Nummer drei in Europa gelten.
"Sie haben ein athletisch sehr starkes Team, das sich durch Zentralisierung in den letzten vier Jahren akribisch vorbereitet und enorm verbessert hat", sagt auch Behrmann.
Mit dem Heimvorteil auf ihrer Seite wollen die Gastgeberinnen zum großen Coup ausholen. Und was möglich ist, zeigten die Chinesinnen bei den vergangenen Spielen, als sie überraschend Silber gewannen.
Herren:
• Deutschland (2008, Platz 1):
Als Titelverteidiger und amtierender Europameister ist die Auswahl von Bundestrainer Weise mit Weltmeister Australien Topfavorit auf die Goldmedaille. 10 Olympiasieger von Peking stehen noch im 18-Mann-Kader.
Maximilian Müller ist von der Stärke der deutschen Mannschaft überzeugt ( EXKLUSIV: Müller im SPORT1-Interview).
"Wir haben eine hervorragende Mischung. Sehr gute Einzelspieler, super Verteidiger, wahnsinnig kreative Spieler und gute Eckenschützen", lobt der Kapitän bei SPORT1: "Wir haben eigentlich von allem ein bisschen etwas, trotzdem arbeitet nicht jeder vor sich hin. Die Mannschaft ist als Team sehr stark."
Daher stapeln die deutschen Spieler auch erst gar nicht tief. "Realistisch ist das Halbfinale, das Finale ist auf jeden Fall möglich", sagt Christopher Zeller. Und Müller schiebt nach: "Ich glaube, dass die Goldmedaille möglich ist. Medaillen sind realistisch."
• Australien (2008, Platz 4):
Der Weltmeister hat in Jamie Dwyer, der übrigens für die Auswahl aus Down Under die Fahne beim Einmarsch trägt, den Welthockeyspieler der letzten drei Jahre in seinen Reihen.
In der Vorbereitung setzte es für die Weise-Auswahl zwei Niederlagen gegen die "Kookaburras".
Allerdings fällt in Des Abbott eine wichtige Stützte des australischen Spiels aus. Der Stürmer hindert eine Knieverletzung an der Teilnahme.
Ärger gab es im Vorfeld um die Ansetzung der Partien. Die Australier sollten drei ihrer fünf Vorrundenspiele um 8.30 Uhr Ortszeit bestreiten. Bei einer Vorbereitungsdauer von rund drei Stunden unzumutbar meinte auch das IOC und verlegte das Spiel gegen Pakistan.
• Niederlande (2008, Platz 3):
Wie im Fußball, so elektrisieren auch die Hockey-Duelle. Jenes von Olympia 2008 ist wohl jedem Akteur noch in Erinnerung, als sich die DHB-Auswahl im Siebenmeterschießen erst durchsetzte.
"Wir spielen drei bis vier Mal im Jahr gegen Holland. Dementsprechend ist die Rivalität in den Testspielen nicht so hoch, aber bei den Turnieren ist es natürlich immer ein absoluter Klassiker und ein Spiel, das man auf keinen Fall verlieren will", sagt Müller.
In der Vorrunde treffen beide Teams bereits wieder aufeinander.
Im Gegensatz zu den Damen hinken die Niederländer in den letzten Jahren mit Titeln hinterher. 2007 gewannen die Herren in Oranje mit der EM zuletzt ein großes Turnier.
• Großbritannien (2008, Platz 5):
Nicht nur die Damen auch die Herren des Union Jacks haben sich in der Spitze des Welthockeys etabliert.
Der EM-Titelgewinn 2009 in Amsterdam, als die Engländer erst die Niederländer im Halbfinale und anschließend die deutsche Mannschaft schlugen, zeigt die Entwicklung hinsichtlich des großen Ziels London 2012.
Auch Bundestrainer Weise sieht die Gastgeber im engen Favoritenkreis. "Die Briten mit ihrem Heimvorteil muss man natürlich dazu zählen", sagt Weise.
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