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Thilo Stralkowski wurde 2011 mit den deutschen Hockey-Herren Europameister © getty

Im Finale gegen Holland setzen Coach Weise und Kapitän Müller auf die Psycho-Karte. Wess will sich "den Hintern aufreißen".

München/London - Deutschland gegen Holland. Es ist das Prestige-Duell schlechthin, ein echter Klassiker.

Und "ein Spiel, das man auf keinen Fall verlieren will", wie Kapitän Maximilian Müller vor dem großen Finale (ab 21 Uhr im LIVE-TICKER) gegenüber SPORT1 erklärt.

Diese Situation trat aber vor sechs Tagen in der Vorrunde ein, als das Team von Bundestrainer Michael Weise den Niederländern mit 1:3 unterlag (Bericht).

"Mit den Holländern haben wir noch eine Rechnung offen", versichert Moritz Fürste (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Und Müller betont: "Wir verlieren sehr, sehr ungern gegen ein Team zweimal."

"Dieses Spiel wird im Kopf entschieden"

Hoffnung macht, dass die im vierten Gruppenspiel gezeigte Leistung in keinster Weise derer entspricht, die Müller und Co. im Halbfinale gegen den Weltranglisten-Ersten Australien (Bericht) auf das Feld brachten.

Die DHB-Auswahl scheute gegen die "Kookaburras" keinen Zweikampf, bedrängte die gegnerischen Stürmer, setzte auf harte Anspiele und agierte mit unglaublichem Selbstbewusstsein.

Ähnlich präsentierten sich allerdings auch die Niederländer in ihrem Semifinale, als sie die Briten beim 9:2 in die Einzelteile zerlegten.

Angst hat Weise deshalb nicht: "Auf gar keinen Fall. Dieses Spiel wird im Kopf entschieden."

Weise sieht "zwei Gefahren"

Genau darin erkennt Weise aber auch ein Problem.

"Es gibt zwei Gefahren! Die eine ist, dass man nach der Leistung denkt: Man schlägt nun sowieso jeden, der da kommt. Die andere ist, dass man bereits super zufrieden ist, überhaupt im Finale zu sein. Und dann gilt es für jeden, die Entscheidung zu treffen, ob man Zweiter sein möchte oder doch lieber Erster werden", präzisiert der Bundestrainer.

Detailarbeit für den Sieg

Überhaupt setzt der Doppel-Olympiasieger, der mit den deutschen Damen 2004 und mit den Herren 2008 bereits die Goldmedaille in Händen hielt, im Endspiel in London ganz auf die Psycho-Karte.

"Das Mentale spielt im Spitzensport immer eine herausragende Rolle", sagt Weise. Seine Mannschaft hat er auf den Punkt vorbereitet, schon Kleinigkeiten sind entscheidend.

"Wir haben zum Beispiel den Besprechungsraum gewechselt", erklärt Weise: "Erst mal total unspektakulär, aber im neuen Raum sind Stühle für alle und es gibt kein Herumgelunger auf dem Boden."

Müller und Wess schwärmen

Hinzu kommt die Einstellung, die die Spieler vor dem Gold-Match an den Tag legen ( 598333 DIASHOW: Die Bilder des Tages ).

"Es macht unglaublich viel Spaß, in einer Mannschaft zu spielen, in der man das Gefühl hat, dass jeder sich für den anderen den Hintern aufreißt", schwärmt Timo Wess.

Und nicht nur diese Komponente stimmt. Auch die "hervorragende Mischung" macht das Weise-Team so stark, wie Müller bei SPORT1 betont.

"Wir haben sehr gute Einzelspieler, super Verteidiger, wahnsinnig kreative Spieler und gute Eckenschützen. Wir haben eigentlich von allem ein bisschen etwas, trotzdem arbeitet nicht jeder vor sich hin", so der Kapitän.

Der Wille zählt

Dieses unbestritten große Potential und das Engagement aus dem Australien-Match kann bereits den entscheidenden Unterschied gegen die Niederländer ausmachen.

Doch als wichtigsten Faktor hat Müller ausgemacht: "Das Finale gewinnt der, der es mehr will."