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Deutschland gewann nach Peking 2008 auch in London Gold im Feldhockey © getty

Die DHB-Männer steigen mit dem wiederholten Gold-Coup in einen erlesenen Kreis auf - Oranje wettert. Auf der Siegesparty gibt es Kleinholz.

Aus London berichtet Michael Spandern

London - Um kurz vor elf - sein Gold-Hattrick lag mehr als eine Stunde hinter Markus Weise - schafften es die Niederländer dann doch noch, den Bundestrainer auf dem falschen Fuß zu erwischen.

Was er denn dazu sage, dass der Siegtreffer im olympischen Finale (Bericht) auf illegale Weise zustande gekommen sei, wollte ein Journalist wissen. Erst mal nichts.

Dann führte der Reporter eine Regel 19.8 an, die es verbiete, um das gegnerische Tor zu laufen, wie es Jan-Philipp Rabente beim 2:1 fünf Minuten vor Schluss getan hatte. (598333DIASHOW: Die Bilder des Tages).

Weise schaute ebenso verdutzt wie Bondscoach Paul van Ass. Spätestens jetzt war jedem Zuhörer klar, dass der Journalist auf der falschen Fährte war und nicht der umjubelte Matchwinner.

In 31 Sekunden ins Glück

Der Doppelpacker, der zuvor in 77 Spielen ganze sechs Tore erzielt hatte und im Mittelfeld eher defensiven Pflichten nachgeht, musste bei den Partys im Deutschen Haus und auf der MS Deutschland immer wieder erzählen, wie er die Niederländer in die Knie gezwungen hatte. (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Dabei wusste Rabente selbst gar nicht mehr genau, was da in den 31 Sekunden nach seiner Einwechslung passiert war.

Neun Sekunden vor dem goldenen Schuss probierte er es von links, dann stand er rechts vor dem Tor richtig, um einen abgefälschten Pass zu verwerten.

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"Das ist der größte Moment in meinem Leben", strahlte der 25-Jährige, der dann auch die Sektdusche auf dem neunten Deck des Luxusliners gerne über sich ergehen ließ.

Casino in Mitleidenschaft gezogen

Die Party nahm einen wüsten Lauf: Bei der ausschweifenden Feier kam es offenbar zu Schäden im Casinoraum des Schiffes.

"Es ist einiges kaputtgegangen", bestätigte Heino Knuf, Sportdirektor des deutschen Hockey-Bundes. Der DHB kündigte an, die Kosten übernehmen, und Knuf entschuldigte sich im Namen der Mannschaft beim Kapitän der MS Deutschland.

Jeder gefährlich im homogenen Kader

Rabente, der zuvor unbesungene Held hatte in London bei keinem Spiel in der Startelf gestanden, was aber wenig aussagt in diesem derart homogen 16er-Kader.

Rabente teilte dann auch brav das Verdienst an seinen beiden Toren: "Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man so Weltklassespieler wie Christopher Zeller, Matthias Witthaus oder Thilo Stralkowski neben sich hat, die sich jederzeit gegen zwei Gegner durchsetzen können. Da habe ich mehr Platz, und den muss ich halt nutzen."

"Diesmal war Rabi der entscheidende Mann", sagte Rekordnationalspieler Witthaus. "Aber es zeichnet die Mannschaft aus, dass jeder die Tore machen kann."

Krönender Abschluss für Witthaus

[kaltura id="0_d03v4q39" class="full_size" title="Deutsche Goldhelden in Feierlaune"]

Witthaus hatte sich nach einjähriger Auszeit 2011 noch mal aufgerafft, sich heranzuarbeiten. "Das war das schwierigste Jahr meiner Karriere", sagte der 29-Jährige, "aber es hat sich gelohnt, zurückzukommen."

Er schloss allerdings bei SPORT1 aus, dass er im Nationalteam vielleicht doch weitermacht: "Das war definitiv mein letztes Länderspiel, schöner hätte der Abschluss nicht sein können."

Auch Christopher Zeller will in absehbarer Zeit aufhören: "Mit zwei Olympiasiegen in Folge bin ich jetzt in einem sehr erlesenen Kreis, das hat noch kein deutsches Team zuvor geschafft", betonte er. "Rio brauche ich nicht mehr, da bin ich schon zu alt."

Gattin träumt vom Ausland

Weitergehen soll es jedoch für den Erfolgstrainer, dessen Vertrag am Jahresende ausläuft, aber bis 2016 verlängert werden soll. Wenn er auch bis zu den Spielen in Rio bliebe, "würde das dem deutschen Hockey gut tun", sagte Keeper Max Weinhold zu SPORT1.

Weise selbst tendiert dazu, hat aber ehelichen Widerstand: "Meine Frau möchte unbedingt ins Ausland, dagegen muss ich mich wehren."

Nach Gold mit den DHB-Damen 2004 und den beiden Olympiasiegen mit den Herren hat er seine Qualitäten eindrucksvoll nachgewiesen: "Unser Coach schafft es mit seinen Ansprachen immer wieder, uns voll zu motivieren", sagte Rabente.

"Da drinnen hat es noch nie so gut ausgesehen"

"Er hat sich einen Stab mit den besten Leuten zusammengestellt und kriegt die Leute auf den Punkt genau vorbereitet", ergänzte Stralkowski bei SPORT1.

Wie in Peking stimmte das Timing, wieder legten die Deutschen nach durchwachsener Vorrunde den Schalter um. "Was hier passiert, ist einfach unbeschreiblich", meinte Stralkowski.

Während seine Mannschaft gleich nach dem Abpfiff die ausgelassenen Feierlichkeiten eingeläutet hatte, ging Weise erst mal in sich und stellte fest: "Da drinnen hat es noch nie so gut ausgesehen."

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