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Liu Xiang verteidigt in Peking die Goldmedaille über 110-Meter-Hürden © getty

Hürden-Star Liu Xiang ist das Aushängeschild Chinas. Sein Ruhm ist schier grenzenlos, hat aber auch seine Schattenseiten.

Von Martin Hoffmann

München - Es sind manchmal nur Sekunden, die ein Leben so ändern, dass es nie mehr so ist wie vorher - bei Liu Xiang waren es exakt 12,91.

Seit er bei Olympia 2004 in Athen die 110-m-Distanz für sich entschied, ist sein Leben nicht mehr dasselbe.

In 12,91 Sekunden wurde der Hürdensprinter Liu Xiang zum Gesicht des chinesischen Sports, zum Hoffnungsträger für die Spiele vier Jahre später im eigenen Land, zur Ikone einer Nation. Wer Liu Xiang aus irgendeinem Grund nicht mögen sollte, wird in China seines Lebens nicht mehr froh.

Befreiung von einem Trauma

An jeder Ecke lächelt Liu Xiang von Plakatwänden, keine Fernsehsendung, in der er nicht spätestens im ersten Werbeblock auftaucht.

Liu Xiang ist ein so überlebensgroßen Phänomen, weil er sein Land von einem Trauma befreit hat: Dem Trauma, in den Laufdisziplinen nicht mit den westlichen Ländern mithalten zu können.

Zu klein für den Hochsprung

Xiangs Weg dorthin war allerdings beschwerlich und voller Umwege.

Mit acht Jahren kam der Sohn einer Kellnerin und eines Lasterfahrers auf eine der Sportschulen, in denen die Dikatur ihre Hochleistungsathleten heranzüchtet. Er war ursprünglich Hochspringer, ehe die Schule eine Knochenmessung an ihm durchführte. Sie ergab, dass er nicht groß genug werden würde für die Weltspitze.

"Furchtbare" erste Gehversuche

Xiang sattelte zum Hürdensprint um - und bekam von seinem Trainer bei den ersten Gehversuchen eine "furchtbare" Technik attestiert.

Aus dem furchtbaren Techniker wurde Chinas erfolgreichster Leichtathlet. Xiang wurde der erste Vertreter seines Landes, der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler wurde.

Aber ausgerechnet vor seinem olympischen Heimspiel zeigt Xiang plötzlich Schwächen.

Zerbricht Xiang unter der Last?

Noch kein einziges Mal ist er in diesem Jahr unter 13 Sekunden geblieben. Seinen Weltrekord aus dem Jahr 2006 (12,88) knackte im Juni sein großer Rivale Dayron Robles aus Kuba um eine Hundertstelsekunde.

Droht Xiang unter der Last der Erwartungshaltung des Milliardenvolks zu zerbrechen? Oder wird er in Peking auf den Punkt fit für das Goldprojekt sein?

Wiederholt Xiang seinen Athen-Triumph, macht er sich in China endgültig unsterblich.

Kein normales Leben mehr

Dabei ist der Trubel um Xiang ohnehin schon nicht mehr zu überbieten - und das hat auch seine Schattenseiten für ihn.

Ein normales Leben kann Xiang nicht mehr führen: Angeblich war er seit Jahren nicht mehr aus, trifft Freunde nur noch bei sich zu Hause.

Was 12,91 Sekunden alles bewirken können.

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