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Frank Busemann gewann 1996 in Atlanta Zehnkampf-Silber © imago

Frank Busemann äußert sich bei Sport1.de über Aussichten der Deutschen, Weltstars und Manipulationen in der Leichtathletik.

Interview von Wolfgang Kleine

München - Die internationalen Topstars näherten sich in den Vorwettkämpfen zu den Olympischen Spielen den Weltrekordmarken oder stellen neue Bestleistungen auf.

Anders die deutschen Leichtathleten: Sie dümpelten im Vorfeld des großen Spektakels in China (ab 8. August) mit ihren Leistungen vor sich hin - mit wenigen Ausnahmen.

Spielt Doping die große Rolle, was schaffen die DLV-Athleten und wer wird in der chinesischen Metropole im "Vogelkäfig" für die großen Highlights sorgen?

Frank Busemann, derzeit zu Hause im Umzugsstress, beobachtet vor Ort die Ereignisse auf der Tartanbahn. Der 33-jährige Zehnkampf-Olympiazweite von 1996 in Atlanta äußert sich im Sport1.de-Interview als Experte über die deutschen Aussichten, die Weltstars, die Manipulationen und stellt auch die Frage, ob alle DLV-Athleten sauber sind.

Sport1: Die Prognosen für das deutsche Leichtathletik-Team sind nach den bisherigen Saisonvorleistungen für Peking nicht rosig. Was prophezeien Sie?

Frank Busemann: Ich sehe da nur Hochspringerin Ariane Friedrich und Diskuswerfer Robert Harting als Medaillen-Kandidaten. Ariane hat in den letzten Wochen an Konstanz zugelegt, Robert ist einer, der sich beim Ereignis steigern kann und auch genügend Erfahrung besitzt.

Sport1: Kommt sonst niemand als Medaillenanwärter in Frage?

Busemann: Die Stabhochspringer sind die ewigen Kandidaten, aber haben es bisher meist nicht geschafft. Mit Ausnahme von Jungstar Raphael Holzdeppe hat sich keiner richtig gesteigert. Alle dümpeln auf einem höheren Niveau so vor sich hin. Brad Walker ist einfach derzeit für sie eine Nummer besser. Vielleicht gelingt Siebenkämpferin Lilly Schwarzkopf der große Wurf. Dazu kommen natürlich auch unsere Werferinnen Christina Obergföll, Steffi Nerius, Betty Heidler und Nadine Kleinert, wenn sie einen optimalen Tag erwischen.

Sport1: Was werden Ihrer Meinung nach die internationale Highlights in Peking werden?

Busemann: Die Sprints über die 100 Meter und die 110 m Hürden. Das Duell zwischen Asafa Powell und Usain Bolt wird dramatisch. Dazu kommt der Hürden-Sprint mit den Topfavoriten Dayron Robles und Xiang Liu. Beide Rennen werden mit Weltrekord enden. Robles ist der ideale Hürdenläufer. Er hat einen fantastischen Bewegungsablauf.

Sport1: Gibt es bei den Frauen ein Highlight?

Busemann: Ich glaube nicht. Gewisse Duelle interessieren die breite Masse nicht. Wenn, dann nur mit deutscher Beteiligung. Dazu fehlt die Grande Dame wie es früher eine Heike Drechsler war. Sicherlich ist die Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa eine. Aber sie scheint in ihrer Disziplin wieder so überlegen zu sein, dass keine Spannung aufkommt.

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