vergrößernverkleinern
Auch Julia Fomenko (M.), hier bei der WM in Japan, zählt zu den Suspendierten © getty

Es nimmt kein Ende: Schon wieder ist die A-Probe eines russischen Leichtathleten positiv - der elfte Fall binnen neun Tagen.

Peking/Moskau - Der Dopingstrudel in der russischen Leichtathletik reißt immer mehr Athleten mit sich.

Zum Olympia-Auftakt in Peking wurde der elfte Fall binnen neun Tagen bekannt.

Dieses Mal erwischte es Roman Ussow, der bei den Sommerspielen über 3000 Meter Hindernis antreten sollte.

Er wurde aus dem Olympiateam gestrichen, die B-Probe steht allerdings noch aus. Der 30-Jährige (Bestzeit 8:23,90 Minuten) war vor vier Jahren in Athen im Vorlauf gescheitert.

Ussow wurde nach russischen Medienberichten bei den russischen Meisterschaften in Kasan mit der Stimulans Carphedon erwischt.

Altbekanntes Mittel

Das Mittel war auch schon dem deutschen Radprofi Danilo Hondo und bei den Winterspielen in Turin Biathletin Olga Pylewa (Russland) zum Verhängnis geworden war.

Sie verlor damals eine Silbermedaille.

Carphedon wird sehr selten als Dopingsubstanz nachgewiesen, weil es in keinem am Markt verfügbaren Medikament enthalten und nur auf einschlägigen Internetseiten als bloße Substanz bestellbar ist; es wurde in Russland entwickelt.

Lange Liste

IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist hatte jüngst Russland des "systematischen Dopings" verdächtigt, nachdem sieben Läuferinnen durch DNA-Abgleiche mit manipulierten Dopingproben aufgefallen und vom Weltverband IAAF suspendiert worden waren.

Darunter sind die Olympia-Goldhoffnungen Jelena Sobolewa (800/1500 Meter), Diskus-Europameisterin Daria Pischtschalnikowa sowie die frühere Hammer-Weltrekordlerin Gulfija Chanafejewa.

Als Medaillenkandidatin galt die ehemalige 1500-Meter-Weltmeisterin Tatjana Tomaschowa, 2004 in Athen Olympiazweite. Auch für einen Start bei den Sommerspielen eingeplant war 1500-Meter-Läuferin Julia Fomenko.

Geher mit positiven Tests

Wenige Tage später folgte dann der Ausschluss von drei Gehern wegen positiver Tests auf das Ausdauerdopingmittel EPO.

Als Starter in Peking war der frühere U20-Weltmeister Wladimir Kanaikin (50 km) vorgesehen.

Er trainiert wie Weltrekordler Dennis Nischegorodow beim russischen Trainer Viktor Tschegin.

"Er hätte uns warnen müssen"

Nach den Fällen beschuldigte Olympia-Teamsprecher Gennadi Schwets die IAAF, die Ergebnisse bewusst bis kurz vor Olympia hinausgezögert zu haben: "Mit dem langen Warten wollte man uns in Schwierigkeiten bringen."

Zugleich griff er bei Radio Moskau massiv den russischen Sportminister und ehemaligen Eishockey-Star Wjatscheslaw Fetisow an, der für Russland in der Athletenkomission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sitzt:

"Er hätte uns warnen müssen, dass da etwas auf uns zukommt. Stattdessen hat er hat das Land betrogen und einen einmonatigen vorolympischen Urlaub gemacht."

Zwei-Jahres-Sperren drohen

Ebenfalls unter Dopingverdacht stehen die nicht für Peking qualifizierten Läuferinnen Olga Jegorowa (5000-Meter-Weltmeisterin 2001) und Swetlana Tscherkassowa sowie die Geher Alexej Wojewodin (2004 Silber in Athen) und Wiktor Burajew (WM-Dritter 2001).

Allen drohen zweijährige Sperren.

Prominente Dopingfälle

Prominente Dopingfälle in Russlands Leichtathletik gab es zuletzt immer wieder.

So verbüßt Hammer-Weltrekordlerin Tatjana Lyssenko gerade eine zweijährige Strafe.

Diskus-Ex-Weltmeisterin Natalja Sadowa gibt bei Olympia ihr Comeback nach einer Zwangspause - und gilt als Gold-Kandidatin.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel