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Usain Bolt hält seit Ende Mai den Weltrekord über 100 m © getty

Die Entscheidung über 100 m wird zum Dreikampf zwischen Usain Bolt (Jamaika), Landsmann Asafa Powell und Tyson Gay (USA).

Peking - Es ist die explosivste Mischung in der Geschichte des 100-m-Laufs.

Beim olympischen Sprint-Gipfel steht ab Freitag die prestigeträchtigste aller 302 Goldmedaillen von Peking auf dem Spiel - und ein Trio scharrt schon ungeduldig mit den Hufen: Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika, Vorgänger und Landsmann Asafa Powell sowie Dreifach-Weltmeister Tyson Gay (USA).

Jeder von ihnen hat mindestens schon einmal Geschichte geschrieben, nun allerdings geht es in der Heldenfabrik Olympia um Unsterblichkeit.

"Wenn jemand die 100 m morgen schneller läuft, bin ich den Weltrekord wieder los, deshalb ist Olympia das Größte", sagte Bolt schon nach seinem Sturmlauf zu 9,72 Sekunden am 31. Mai in New York.

Der WM-Zweite über 200 m kann als erster Athlet nach Carl Lewis 1984 und als neunter insgesamt das olympische Sprint-Triple (100 m, 200 m, 4x100 m) gewinnen und außerdem das erste 100-m-Gold für Jamaika: Erst vor einer Woche hatte Trainer Glen Mills entschieden, ihn außer auf seiner Lieblingsdistanz (200 m) auch auf die 100 m zu schicken.

Zu seinen Chancen äußert Bolt sich diplomatisch. "Asafa Powell ist der zweitschnellste Mann der Welt, Tyson Gay der Weltmeister. Es gewinnt, wer das perfekte Rennen macht", sagt der Weltrekordler.

Mit 21 Jahren ist er der Benjamin dieses Trios, das seit 2005 die acht schnellsten 100-m-Läufe aller Zeiten sprintete. "Lightning Bolt" (Blitz) oder "Thunder Bolt" (Donnerschlag) ist mit dem Weltrekord sowie mit 9,76 zweimal vertreten, Powell (9,74) fünfmal.

Gay beim Bayern-Doc

Gay lief nur eine der acht besten Zeiten (9,76); er ist mit seinen 9,68 Sekunden, die er Ende Juni bei den US-Trials erzielte, aber dafür schnellster Sprinter der Geschichte. Sein Rennen damals war allerdings von zu starkem Rückenwind (4,1 statt erlaubter 2,0 m/Sekunde) begleitet und wird deshalb nicht als Weltrekordlauf gewertet.

Nach seiner bei den US-Trials im 200-m-Zwischenlauf erlittenen Muskelverletzung ist Gay dank Bayern Münchens Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt rechtzeitig vor Olympia wieder fit geworden.

Am Wochenende absolvierte der 26-Jährige, der auch mit der 4x100-m-Staffel der USA Gold anstrebt, sein erstes öffentliches Training seit Anfang Juli und hinterließ dabei einen guten Eindruck.

Powell spuckt große Töne

"Er war verdammt schnell", befand Trainer Jon Drummond. Vergleichsweise offensiv meldete sich im Vorfeld Asafa Powell zu Wort. Der Mann, der bislang in entscheidenden Momenten versagte (WM-Dritter 2007, Olympia-Fünfter 2004), erklärte: "Usain hat mit dem Weltrekord eine große Last von meinen Schultern genommen. Ich fühle mich in der Rolle des Underdogs viel wohler. Ich bin schneller als je zuvor."

Für den früheren Weltrekordler Maurice Greene und Kanadas Atlanta-Olympiasieger Donovan Bailey ist jedoch Bolt der große Favorit: "Er macht die wenigsten Fehler, ist der größte, stärkste und schnellste von allen." Greene glaubt gar, Bolt sei mit dem Weltrekord in eine andere Liga vorgestoßen.

Es bleibt jedoch die Frage, wie das gelingen konnte. 20 Jahre nach dem Fall Ben Johnson ist der Sprint weiter hochverdächtig.

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