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Usain Bolt ist mit 9,72 Sekunden über die 100 Meter Weltrekordhalter © getty

Usain Bolt und Asafa Powell stehen im Raster der Fahnder. Jamaikas Teamleitung sieht die Leistung negativ beeinflusst.

Peking - Mit einer beispiellosen Kontroll-Offensive jagt das Internationale Olympische Komitee dopingverdächtige Athleten vor ihrem Auftritt in Peking.

Eines der wichtigsten Ziele: 20 Jahre nach Olympia 1988 in Seoul soll am Samstag beim 100-m-Finale ein zweiter Fall Ben Johnson verhindert werden.

Deshalb standen vor dem Leichtathletik-Auftakt am Freitag vor allem Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell (9,74) und Nachfolger Usain Bolt (9,72) im Raster der Fahnder.

Powell und Bolt mehrfach getestet

Nach 32 Blut- und Urintests bei ihren Athleten sah Jamaikas Teamleitung die Leistung von Powell und Bolt vor den 100-m-Vorläufen am Freitag negativ beeinflusst. "Die Tester haben Asafa Powell so oft gerufen und so viel Blut von ihm genommen, dass er Folgen für seine Leistung befürchtet", erklärte Don Anderson.

Mehrfach getestet wurde neben Bolt auch Teamkamerad Michael Frater (10,00). Offenbar nur einmal kontrolliert wurde bisher Mitfavorit Tyson Gay (USA), 100-m-Weltmeister von Osaka 2007.

Jamaikas Chef de Mission, der nach positivem Test bei den nationalen Meisterschaften von Kingston in Peking auf Julien Dunkley (10,07) verzichten muss, bezeichnete die Zahl der Kontrollen bei seinen Athleten als "extrem unüblich".

IOC Sprecher: Kontrollen "sehr flächendeckend"

Einige seien mehr als dreimal pro Woche getestet worden. Anderson legte aber Wert auf die Feststellung, sein Statement solle kein Protest sein.

Laut IOC-Sprecherin Giselle Davies gab es bisher auch keine Reklamationen wegen des Kontrollsystems, das man bewusst "sehr flächendeckend" geplant habe. Athleten könnten sich aber gern beschweren.

Insgesamt hat das IOC in Peking 4500 Kontrollen veranlasst, darunter 500 Bluttests. Viele davon erfolgten bereits in den 13 Tagen vor dem Auftakt. Positiv getestet wurde bisher nur die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno am 31. Juli mit dem Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo).

Neue Doping-Spiele?

Mit Blick auf Jamaika sagt Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, er habe schon vor längerer Zeit gefordert, dass das IOC Länder ohne nationale Anti-Doping-Agentur von den Spielen ausschließe. Dies sei 2008 jedoch nicht machbar, es wäre jedoch sein Vorschlag für London 2012.

Wie sehr das IOC Angst haben muss, dass die Peking-Spiele zu Doping-Spielen verkommen, zeigen die Beispiele aus jüngster Vergangenheit.

Justin Gatlin (USA), 100-m-Olympiasieger 2004 in Athen, hat nach einer Dopingaffäre Startsperre bis April 2010. Vor vier Jahren waren in Griechenland die Olympiasieger Irina Korschanenko (Russland/Kugel), Robert Fazekas (Ungarn/Diskus) und Adrian Annus (Ungarn/Hammer) wegen Dopings disqualifiziert worden.

Geständnisse von Jones, Young und Pettigrew

2000 in Sydney gab es zwar vor Ort keinen disqualifizierten Leichtathletik-Olympiasieger, doch nach Geständnissen der zurzeit wegen Meineids für sechs Monate im Gefängnis sitzenden Marion Jones (100, 200, 4x400 m) sowie von Jerome Young und Antonio Pettigrew (4x400 m) müssen vier US-Goldmedaillen neu vergeben werden.

Möglicherweise profitiert davon als damalige 100-m-Zweite die über Jahre dopingverdächtige Ekaterini Thanou (Griechenland).

Sie hatte sich zusammen mit 200-m-Olympiasieger Kostas Kenteris (Sydney 2000) vor den Spielen in Athen einer Dopingkontrolle entzogen und wurde nach zweijähriger Sperre vom IOC nicht für Peking zugelassen.

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